Ein traditionelles englisches Frühstück mit Speck, Würstchen und Eiern spielt für Hammerwerfer Merlin Hummel auch bei den heute startenden Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham keine Rolle. Der 24-Jährige erklärte, dass er seit rund zwei bis zweieinhalb Jahren überwiegend vegetarisch lebe und seit Beginn dieses Jahres, soweit es möglich sei, vor allem zu Hause komplett vegan esse. International hatte Hummel im vergangenen Jahr mit WM-Silber in Tokio seinen großen Durchbruch geschafft.
Statt deftiger Kost beginnt er seine Trainingstage mit einer klaren Routine: 150 bis 200 Gramm Haferflocken, je nach Bedarf 100 Gramm Datteln, 50 Gramm Sojaprotein sowie 150 bis 250 Gramm Beeren. Bei Wettkämpfen sei die vegane Ernährung jedoch nicht immer leicht umzusetzen, weshalb er dann gelegentlich auf vegetarische Optionen zurückgreife. Über den Tag verteilt setzt er vor allem auf Reis, Tofu und Gemüse. Nach eigenen Angaben konsumiert er täglich etwa ein Kilo Obst und Gemüse, rund ein halbes Kilo Reis sowie zusätzlich ungefähr ein halbes Kilo Tofu und Sojagranulat.
Seinen ersten Einsatz bei der EM hat Hummel heute um 11.40 Uhr deutscher Zeit in der Qualifikation, die von ARD und Eurosport übertragen wird. Für den Medaillenkandidaten sollte der Sprung ins Finale am Dienstag um 20.10 Uhr machbar sein.
Dokumentation brachte Ernährungswandel ins Rollen
Der Wechsel zur veganen Ernährung hatte bei Hummel gesundheitliche Hintergründe. Auslöser war nach seiner Aussage eine Netflix-Dokumentation über Football-Spieler, in der unter anderem das Darmmikrobiom und allgemeine Entzündungswerte untersucht wurden. Dabei habe sich gezeigt, dass Athleten mit pflanzlicher Ernährung tendenziell niedrigere Entzündungswerte aufwiesen. Gerade in einer Phase, in der er mit einer Bandscheibenvorwölbung zu kämpfen hatte, sei das für ihn besonders interessant gewesen, weil es darum ging, Entzündungen möglichst gering zu halten.
Für eine erfolgreiche EM reicht aus seiner Sicht jedoch nicht allein die Ernährung. Entscheidend sei auch die mentale Stärke. Hummel betonte, dass er im Kopf ruhig bleiben und auf das, was die Konkurrenz in den Ring bringe, stabil reagieren müsse. Genau das könne bei diesem Wettkampf ein Schlüsselfaktor werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber