Sommer 2026 setzt Deutschlands Bäumen massiv zu
Der Sommer 2026 bringt extreme Belastungen für die Natur: In mehreren Bundesländern wurden im Juli neue Hitzerekorde gemessen, zugleich führten Rhein, Elbe und Donau besonders wenig Wasser. Weil auf eine Hitzewelle die nächste folgt und ergiebiger Dauerregen weiter ausbleibt, verschärft sich auch die Lage in den Wäldern. Eine Bestandsaufnahme.
Wälder sind bereits seit Jahren unter Druck
Die aktuelle Trockenheit trifft die Bäume nicht unvorbereitet, sondern in einer ohnehin geschwächten Verfassung. Spätestens seit dem Dürrejahr 2018 leiden Deutschlands Wälder unter anhaltendem Stress durch Hitze und Wassermangel. Der Waldzustandsbericht 2025 zeigt, dass sich die Folgen bis heute nicht erholt haben. Vor allem häufige Baumarten wie Eiche, Buche, Kiefer und Fichte sind vielerorts bereits geschädigt. Unter den verbreiteten Arten gilt inzwischen ein Großteil als krank.
Biomasseverlust mit Folgen für Klima und Artenvielfalt
Nach Erkenntnissen von Forschern der Technischen Universität München hat Europa seit 2018 einen außergewöhnlich starken Rückgang an Biomasse erlebt, also an organischer Substanz von Bäumen und anderen Pflanzen. Damit geht auch gespeicherter Kohlenstoff verloren.
Die Folgen reichen weit über den Wald hinaus. Bäume nehmen CO2 auf, produzieren Sauerstoff, halten Wasser in der Landschaft, stabilisieren Böden und bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht, hat das spürbare Auswirkungen auf ganze Ökosysteme.

Die TUM verweist in einer aktuellen Studie darauf, dass gestörte Wälder in Deutschland im Schnitt rund 125 Tonnen Biomasse pro Hektar und Jahr verlieren. Gleichzeitig begünstigen trockene Bedingungen die Ausbreitung von Borkenkäfern, die geschwächte Bestände zusätzlich angreifen.
Hitzewellen trocknen Böden aus
Die Kombination aus überdurchschnittlichen Temperaturen und geringen Niederschlägen hat in vielen Regionen die oberen Bodenschichten stark austrocknen lassen. In Nordrhein-Westfalen waren Ende Juli nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz 94 Prozent der Fläche von ungewöhnlicher Trockenheit oder Dürre betroffen – mit steigender Tendenz.
Besonders problematisch ist die Lage für junge Bäume. Vor allem Anpflanzungen aus dem Frühjahr, sowohl Laub- als auch Nadelgehölze, geraten unter Druck. Fachleute rechnen damit, dass auf Wiederaufforstungsflächen zahlreiche Jungpflanzen absterben könnten. Ältere Bäume kommen vielerorts noch etwas besser zurecht, weil ihre Wurzeln tiefere und damit oft feuchtere Bodenschichten erreichen.
Vor Ort wirkt vieles schon wie Herbst
In vielen Gegenden zeigt sich die Belastung inzwischen deutlich. Zahlreiche Bäume verfärben ihre Blätter frühzeitig oder werfen sie bereits ab, um Wasser zu sparen. Dadurch wirken Parks, Straßen und Waldränder vielerorts so, als habe der Herbst schon begonnen.
In Nordrhein-Westfalen fällt das laut Landesbetrieb besonders in der Eifel auf. Dort seien vor allem Birken und Linden mit gelben oder bereits stark ausgedünnten Kronen zu sehen.
Sorge um Stadtbäume in Wuppertal
Auch in Städten sind die Folgen sichtbar. In Wuppertal mussten in diesem Jahr bereits fast 1.000 vertrocknete Stadtbäume gefällt werden. Besonders betroffen seien alte Buchen in Grünanlagen. Nach Einschätzung örtlicher Fachleute sind diese Bestände an kühlere und feuchtere Sommer gewöhnt und kommen mit lang anhaltender Hitze und Trockenheit nur schlecht zurecht.
Große Unterschiede zwischen den Städten
Der „Hitze-Check 2026“ der Deutschen Umwelthilfe kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen 2018 und 2025 in 195 deutschen Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern fast eine Million Bäume infolge von Klimakrise und Dürre verloren gegangen sind.
Besonders schlecht schnitten demnach Offenburg, Lahr und Mannheim ab. Positiv hervorgehoben wurden dagegen unter anderem Wuppertal und Kiel. Wuppertal will bei Neupflanzungen verstärkt auf Arten setzen, die besser mit Hitze klarkommen, etwa Hopfenbuche, Amberbaum und Esskastanie.
Wie groß die aktuellen Schäden wirklich sind, ist noch offen
Eine genaue Bilanz der Hitzeschäden lässt sich derzeit noch nicht ziehen. Klar ist nach Einschätzung der Forstexperten in NRW jedoch, dass die anhaltende Trockenheit die Bäume weiter schwächt. Sichtbare Folgen zeigen sich oft erst verzögert: Viele Arten reagieren erst im kommenden Jahr mit deutlichen Absterbeerscheinungen in den Kronen.
Besonders gefährdet sind vorgeschädigte Bäume, etwa solche mit Pilzbefall an den Wurzeln. Bei ihnen rechnen Fachleute in den nächsten Jahren mit zusätzlichen Schäden und erhöhter Sterblichkeit.
Aktuell erfassen geschulte Teams erneut systematisch den Zustand der Wälder. Die Ergebnisse fließen in die Waldzustandsberichte von Bund und Ländern ein. Erst diese Daten werden ein verlässliches Bild über das tatsächliche Ausmaß liefern.
Trotz allem gibt es Hoffnung
Trotz der alarmierenden Entwicklung gibt es aus Sicht der Wissenschaft keinen Grund zur Resignation. Der Waldexperte Cornelius Senf von der TU München betont, dass Wälder sich grundsätzlich von Störungen erholen können. Viele geschädigte Flächen könnten langfristig wieder zu wichtigen Kohlenstoffspeichern werden.
Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Bewirtschaftung der Wälder konsequent an den Klimawandel angepasst wird. Nur dann besteht die Chance, die Bestände widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre und Schädlinge zu machen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber