Nach seiner Niederlage im Wimbledon-Endspiel hat Alexander Zverev Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) persönlich getroffen. Der deutsche Tennisprofi berichtete, der Kanzler sei nach der Partie in die Kabine gekommen. Man habe kurz miteinander gesprochen, und Zverev habe sich über den Besuch gefreut.
Für das Finale in London war Merz gemeinsam mit seiner Frau Charlotte angereist. Beide verfolgten die Partie in der Royal Box, unter anderem in der Nähe von Prinz William und Prinzessin Kate.
Sportlich reichte die prominente Unterstützung diesmal nicht zum erhofften zweiten Grand-Slam-Titel nacheinander. Zverev verlor das Endspiel gegen den Weltranglistenersten Jannik Sinner aus Italien nach vier Sätzen mit 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6.
Zverev geht dennoch gestärkt aus Wimbledon
Trotz der Finalniederlage verabschiedete sich Zverev zufrieden mit seinem Turnier und dem Niveau des Endspiels aus London. Der French-Open-Champion sprach von einem starken Auftritt und betonte, er habe Sinner in diesem Jahr zwar nicht besiegt, ihn aber mehrfach an seine Grenzen gebracht.
Sein großes Ziel bleibt, dauerhaft mit Sinner und Carlos Alcaraz um die wichtigsten Titel zu kämpfen. Zverev sagte, er sei in den vergangenen Jahren zwar oft als "Dritter" gesehen worden, habe aber noch Abstand zu den beiden gehabt. Nun fühle er sich ihnen wieder deutlich näher.
In der Weltrangliste rückte der Hamburger auf Platz zwei vor und zog am verletzten Alcaraz vorbei. Langfristig will Zverev nach eigener Aussage weiter die Nummer eins der Welt werden.
Knie nach Sturz angeschwollen
Möglicherweise wurde Zverev im Finale auch körperlich gebremst. Mitte des dritten Satzes stürzte der 29-Jährige bei seinem einzigen Breakball der Partie. Danach sei sein rechtes Knie etwas angeschwollen gewesen, berichtete er. Vor allem beim Aufschlag habe ihn das leicht eingeschränkt.
Dennoch fiel die Niederlage deutlich anders aus als seine klare Endspielpleite gegen Sinner bei den Australian Open 2025. Diesmal setzte Zverev den Italiener mit einem offensiveren Spiel immer wieder unter Druck.
Der Spielwandel zahlt sich aus
Zverevs Entwicklung hin zu mehr Risiko und einer offensiveren Ausrichtung macht sich zunehmend bemerkbar. Besonders seine Vorhand gilt als verbessert. Hinzu kommt das Selbstvertrauen, das er durch seinen ersten Grand-Slam-Titel bei den French Open gewonnen hat. Auch Sinner lobte die Fortschritte des Deutschen ausdrücklich.
Aus Sicht von Expertinnen und Experten zahlt sich die Umstellung nun aus. Andrea Petkovic sieht Zverev inzwischen bei sich angekommen. Michael Stich verwies darauf, dass dem Olympiasieger früher oft die Bereitschaft gefehlt habe, Neues mit dem Risiko des Scheiterns auszuprobieren.
Jetzt wirkt genau dieser Wandel als Schlüssel für Zverevs nächsten Karriereschritt. Sein bestes Wimbledon-Ergebnis, der Einzug ins Finale als erster deutscher männlicher Finalist seit Boris Becker 1995, bestätigt das. Die nächste Chance auf einen weiteren Grand-Slam-Titel bietet sich bei den US Open, die am 30. August beginnen.
Schon nach seinem Triumph bei den French Open hatte Zverev von einem Glückwunschanruf des Bundeskanzlers erzählt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber