Fußball

Deschamps’ Geheimnis: So macht er Weltmeister

Nur noch zwei Siege: Dann krönt Deschamps seine Ära. Warum Frankreichs Coach schon jetzt Legendenstatus hat.

13.07.2026, 09:17 Uhr

Deschamps’ Auftreten sagt viel über Frankreichs Stärke aus

Manchmal verraten kleine Gesten mehr als lange Reden. Bei Didier Deschamps zeigt sich das während dieser Weltmeisterschaft besonders deutlich. Frankreichs Nationaltrainer steht seit Wochen ständig vor Mikrofonen und Kameras und soll immer wieder erklären, warum seine Mannschaft so überzeugend auftritt. Dabei lässt sich vieles schon an seinem Verhalten ablesen: Für den 57-Jährigen zählen Zusammenhalt, Nähe und ein starkes Miteinander.

Großer Respekt für den Star – und für das ganze Team

Vor dem Halbfinale gegen Spanien an diesem Dienstag (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Arlington bei Dallas machte Deschamps noch einmal klar, worauf es ihm ankommt. Er betonte, wie stolz er auf seine Mannschaft sei – und meinte damit nicht nur die Spieler, sondern ebenso Assistenten und Betreuer. Nach seinen Worten arbeitet jeder im französischen Lager für das gemeinsame Ziel.

Die Art, wie Deschamps seine hochkarätig besetzte Auswahl durch das Turnier führt, wird international mit viel Anerkennung verfolgt. Er verkörpert selbst genau das, was er von seiner Mannschaft verlangt: Engagement, Ordnung und Disziplin, aber ebenso Menschlichkeit und Teamgeist.

Besonders in Erinnerung bleiben dabei einzelne Szenen: sein respektvoller Knicks vor Kylian Mbappé nach dessen Gala gegen Schweden in der Runde der letzten 32, die sichtbar erleichterte Reaktion mit herausgestreckter Zunge nach dem umkämpften Achtelfinal-Erfolg gegen Paraguay oder die lange Umarmung für Flügelspieler Désiré Doué nach dem Viertelfinalsieg gegen Marokko. Solche Bilder prägen den Eindruck dieses französischen Teams nachhaltig.

WM 2026 - Paraguay - Frankreich
Zunge draußen: Deschamps nach dem hitzigen Sieg gegen Paraguay. (Archivbild) Quelle: Tom Weller/dpa

Lob auch aus Deutschland

Auch in Deutschland sorgt Deschamps’ Führungsstil für Anerkennung. Ex-Nationalspieler Mats Hummels sagte bei MagentaTV, der Franzose wisse genau, wie man eine Mannschaft leite. Jürgen Klopp hob vor allem hervor, wie überzeugend Deschamps mit seinen Spielern kommuniziere.

Als Beispiel diente Klopp Michael Olise vom FC Bayern München. Gerade bei technisch starken Offensivspielern sei es keine Selbstverständlichkeit, dass sie so konsequent im Verbund arbeiten und auch defensiv mitziehen. Für Klopp ist klar: Eine solche Geschlossenheit entsteht nicht zufällig, sondern nur dann, wenn ein Trainer seine Botschaft bei der Mannschaft durchbringt. Unter Deschamps funktioniere das offensichtlich hervorragend.

Ein weiterer Rekord für den Nationaltrainer

Seit 2012 steht der frühere Profi an der Spitze der französischen Nationalelf. Nach dieser WM soll Schluss sein, als wahrscheinlicher Nachfolger gilt Zinédine Zidane. Bevor er abtritt, könnte Deschamps seine Ära allerdings noch einmal krönen – mit dem dritten WM-Titel seiner Laufbahn.

1998 gewann er die Weltmeisterschaft als Spieler, 2018 als Trainer. Außer ihm schafften dieses Doppel nur Franz Beckenbauer und Mário Zagallo. Zwei WM-Titel als Nationaltrainer holte bislang lediglich Vittorio Pozzo, der Italien 1934 und 1938 zum Triumph führte.

Schon diese Zahlen zeigen, in welcher Gesellschaft sich Deschamps bewegt. Im Halbfinale, dem dritten französischen WM-Halbfinale in Serie, wird er zudem eine weitere Bestmarke setzen. Das Spiel gegen Spanien, für viele das eigentliche Traumfinale dieses Turniers, ist sein 26. WM-Einsatz als Trainer. Bislang teilt er sich diesen Wert noch mit dem früheren Bundestrainer Helmut Schön. Ab Dienstag, ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag, wird Deschamps diesen Rekord allein halten.

Aus Talenten wurde eine geschlossene Einheit

An herausragend begabten Fußballern mangelte es Frankreich nie. Doch diese Mannschaft ist kaum noch mit jener von 2010 zu vergleichen, die sich bei der WM mit Trainer Raymond Domenech überwarf und international zum Gespött wurde. Unter Deschamps hat sich Les Bleus grundlegend gewandelt.

Aus einem Team, das zeitweise als schwer führbar galt, ist eine Auswahl geworden, die mit Professionalität, Disziplin und klarer Ausrichtung auftritt. Deschamps hat seine Spieler mit großer Sorgfalt ausgewählt – und offenbar eine Gruppe geformt, die ein gemeinsames Ziel verfolgt.

Nach seiner Ansicht tragen alle, die das französische Trikot anziehen, Verantwortung gegenüber den Fans und den Menschen im eigenen Land. Mbappé verkörpere diese Haltung besonders eindrucksvoll und sei auf wie neben dem Platz ein Vorbild.

Mbappé will dem Trainer den perfekten Abschied schenken

Tatsächlich vereint Mbappé bei dieser WM vieles von dem, was sich Deschamps von seiner Mannschaft erhofft: Entschlossenheit vor dem Tor, aber auch Einsatz für die Gemeinschaft. Als während der Gruppenphase Deschamps’ Mutter starb, zeigte der Stürmer von Real Madrid seinem Trainer öffentlich viel Mitgefühl – sogar beim Torjubel.

Schon vor Frankreichs erstem Auftritt in Nordamerika hatte Mbappé angekündigt, Deschamps zum Abschied die beste Weltmeisterschaft überhaupt bereiten zu wollen. Sollte Frankreich erst Europameister Spanien schlagen und anschließend auch das Finale in East Rutherford gewinnen, käme dieses Versprechen dem Ideal ziemlich nahe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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