Autos werden in Deutschland seit Jahren immer wieder als Waffe gegen unbeteiligte Menschen eingesetzt. Die Täter kennen ihre Opfer meist nicht, und die Hintergründe reichen weit über terroristische Motive hinaus. Seit 2018 kamen vor dem aktuellen Angriff auf den Berliner CSD bei solchen Taten mehr als 30 Menschen ums Leben.
Besonders schwere Fälle im Überblick
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Berlin, Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche – 19. Dezember 2016:
Beim bislang schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland sterben zwölf Menschen, Dutzende weitere werden teils schwer verletzt. Der 24-jährige Tunesier Anis Amri lenkt am Abend einen gestohlenen Lastwagen auf den gut besuchten Weihnachtsmarkt. Zuvor hatte er den polnischen Fahrer erschossen, der als 13. Todesopfer gilt. Amri, ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat, flieht zunächst und wird einige Tage später in Italien von Polizisten erschossen. -
Magdeburg, Weihnachtsmarkt – 20. Dezember 2024:
Taleb Al-Abdulmohsen aus Saudi-Arabien rast mit einem leistungsstarken Mietwagen durch eine Lücke zwischen Betonabsperrungen auf den belebten Weihnachtsmarkt. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge sterben, Hunderte Menschen werden verletzt. Im Juni 2026 wird der 51-Jährige, der seit 2006 in Deutschland lebte und als Arzt im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter arbeitete, zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts handelte er aus einem komplexen Motivbündel, zu dem unter anderem Rachefantasien gegen Deutschland und deutsche Behörden gehörten. Ein psychiatrischer Gutachter attestierte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. -
Trier, Fußgängerzone – 1. Dezember 2020:
Ein 51-jähriger Deutscher fährt zur Mittagszeit mit hoher Geschwindigkeit mit seinem Geländewagen durch die belebte Fußgängerzone. Nach den Feststellungen des Gerichts steuerte er gezielt auf einzelne Menschen und Gruppen zu, um möglichst viele zu töten. Sechs Menschen kommen ums Leben, darunter ein neun Wochen altes Baby. Mehr als 20 weitere werden teils schwer verletzt. Laut Urteil litt der Mann infolge paranoider Schizophrenie unter Wahnvorstellungen. Er verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe in einem psychiatrischen Krankenhaus. -
Leipzig, Zentrum – 4. Mai 2026:
Ein 33-jähriger Deutscher fährt in der Leipziger Innenstadt mit einem weißen Auto in eine Menschenmenge. Zwei Menschen sterben, weitere werden verletzt. Die Ermittler gehen von einer Amokfahrt ohne politisches Motiv aus. Der Täter wird in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. -
Mannheim, Innenstadt – 3. März 2025:
Ein 40-jähriger Deutscher aus Rheinland-Pfalz fährt in der Mannheimer Innenstadt mit seinem Auto gezielt Passanten an. Zwei Menschen sterben, mehrere weitere werden verletzt. Ein religiöser oder politischer Hintergrund wird ausgeschlossen. -
München, Zentrum – 13. Februar 2025:
Der 24-jährige Afghane Farhad N. steuert seinen Kleinwagen bewusst in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1.400 Teilnehmern. Eine Mutter und ihre zweijährige Tochter sterben, mehr als 40 weitere Menschen werden verletzt. Die Bundesanwaltschaft geht von islamistischem Terrorismus aus. Seit Januar 2026 läuft der Prozess am Oberlandesgericht München. -
Berlin, Zentrum – Juni 2022:
Ein 29-jähriger Deutsch-Armenier fährt am Kurfürstendamm mit dem Auto seiner älteren Schwester in eine Schülergruppe aus Bad Arolsen in Hessen. Eine Lehrerin wird getötet, mehrere Menschen werden teils schwer verletzt. Für die Staatsanwaltschaft gibt es keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund; sie geht von einer psychischen Erkrankung aus. Der Mann wird in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. -
Witzenhausen – Oktober 2021:
In der nordhessischen Kleinstadt fährt ein 31-Jähriger vor einer Kita in eine Kindergruppe. Ein achtjähriges Mädchen stirbt später im Krankenhaus. Das Gericht stellt fest, dass der Täter an paranoider Schizophrenie litt und unter Verfolgungswahn stand. Er kommt in ein psychiatrisches Krankenhaus. -
Volkmarsen – Februar 2020:
Am Rosenmontag steuert ein 29 Jahre alter Deutscher sein Auto bei einem Karnevalsumzug absichtlich in die Menge. Mindestens 88 Menschen, darunter 26 Kinder, werden teils schwer verletzt. Der Fahrer wird zu lebenslanger Haft verurteilt. -
Bottrop und Essen – Januar 2019:
Kurz nach dem Jahreswechsel steuert ein Rechtsradikaler in beiden Städten sein Auto in Feiernde, die er für Ausländer hält. 14 Menschen werden verletzt. Der Täter kommt in die geschlossene Psychiatrie. -
Münster, Zentrum – April 2018:
Ein 48-jähriger Deutscher fährt mit einem Campingbus in eine Gruppe von Menschen vor einer Gaststätte und erschießt sich anschließend. Zwei Menschen sterben, 20 weitere werden teils schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei war der Mann psychisch labil und suizidgefährdet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber