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Inferno vor Bordeaux: Feuerwalze rollt auf Stadt zu

Feuerhölle vor Bordeaux: 200.000 Menschen in Sicherheit, jetzt rücken die Flammen gefährlich nah an die Metropole.

26.07.2026, 11:08 Uhr

Waldbrände bei Bordeaux verschärfen sich – Feuer nur noch 15 Kilometer von der Metropole entfernt

Die schweren Waldbrände im Südwesten Frankreichs spitzen sich weiter zu und reichen inzwischen bis dicht an den Großraum Bordeaux heran. Nach Angaben von Bürgermeister Thomas Cazenave ist der größte Brand nur noch etwa 15 Kilometer von der Metropole entfernt. Eine Evakuierung von Bordeaux ist derzeit dennoch nicht vorgesehen. Die Bevölkerung bereite sich aktuell nicht auf eine Räumung vor, sagte Cazenave laut der Regionalzeitung L’Indépendant. Zugleich betonte er, Bordeaux sei darauf vorbereitet, auf jede mögliche Entwicklung zu reagieren.

Im Département Gironde, das den Raum Bordeaux umfasst, wurden seit Mittwoch nach Behördenangaben rund 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der größte Brand der Region hat inzwischen etwa 42.000 Hektar Wald- und Buschland vernichtet.

Weitere Evakuierungen angeordnet

Der Brand bleibt nur schwer unter Kontrolle. In der Nacht sei das Feuer in der Gironde erneut „äußerst heftig und unberechenbar“ geworden, schrieb Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez auf X. Die Flammen hätten eigene Winde erzeugt und sich weiter in Richtung des Großraums Bordeaux bewegt.

Zeitweise bildete sich nach Angaben der Feuerwehr ein sogenannter Pyrocumulonimbus – eine gewaltige Rauchwolke, die das Feuer zusätzlich anfachen und seine Ausbreitung noch schwerer kalkulierbar machen kann.

Wegen der anhaltenden Gefahr ordnete die Präfektur in der Nacht die vorsorgliche Evakuierung von weiteren 55.000 Menschen in mehreren Gemeinden westlich und südwestlich von Bordeaux an. Nach Angaben der Behörden vom Nachmittag wurden inzwischen rund 240 Wohnhäuser zerstört.

Innenminister warnt vor langem Kampf gegen das Feuer

Innenminister Nuñez stellte die Bevölkerung auf einen langwierigen Einsatz ein. „Das Feuer wird lange zu bekämpfen sein“, sagte er der Zeitung La Tribune Dimanche.

Gegen die Flammen sind derzeit rund 2.500 Feuerwehrleute im Einsatz, unterstützt von etwa 1.500 Soldaten. Außerdem helfen Löschflugzeuge und Hubschrauber bei den Arbeiten. Auch Landwirte unterstützen die Einsatzkräfte mit Wasseranhängern und Verpflegung.

Parallel dauern die Löscharbeiten auch in anderen Teilen Frankreichs an. Im Département Landes ist ein weiterer Großbrand inzwischen zwar besser unter Kontrolle, aber noch nicht vollständig gelöscht. An der Mittelmeerküste im Département Var erfasste ein Brand bei Gros Bessillon rund 4.500 Hektar.

Rauch belastet Gesundheit und Verkehr

Die Folgen der Brände sind inzwischen im Alltag deutlich spürbar. Dichter Rauch hat Teile der Départements Gironde und Landes verdunkelt. Die Behörden warnen vor gesundheitsschädlichen Stoffen wie Feinstaub, Kohlenmonoxid und Schwermetallen. In mehreren betroffenen Orten steigt deshalb die Nachfrage nach Atemschutzmasken.

Nach Angaben von Premierminister Sébastien Lecornu wurden 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Gironde gebracht, um Bevölkerung und Einsatzkräfte vor den giftigen Rauchschwaden zu schützen.

Auch der Verkehr ist stark beeinträchtigt. Die Autobahn A63 zwischen Bordeaux und Spanien wurde auf rund 60 Kilometern gesperrt. Der Bahnverkehr südlich von Bordeaux bleibt bis auf Weiteres unterbrochen.

Tour de France verkürzt

Die angespannte Lage wirkt sich sogar auf den Sport aus. Wegen der außergewöhnlich starken Bindung von Sicherheitskräften wurde die Schlussetappe der Tour de France am Sonntag zwischen Mantes-la-Ville und Paris von 133 auf 89 Kilometer verkürzt. Ein Teil der Kräfte soll in die von den Bränden betroffenen Gebiete verlegt werden, insbesondere in die Gironde.

Mehrere Brände halten auch Spanien in Atem

Nicht nur Frankreich kämpft gegen schwere Waldbrände. In Spanien wüten weiterhin zahlreiche Feuer, besonders in der Umgebung von Madrid sowie in den benachbarten Provinzen Ávila und Toledo. Dort wurden inzwischen insgesamt rund 77.000 Hektar Wald- und Buschland erfasst, mehrere Ortschaften sind bedroht.

Große Sorgen bereitet außerdem ein Brand in der östlichen Provinz Castellón. Insgesamt sind nach Angaben des Innenministeriums in Spanien rund 120.000 Menschen von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen betroffen.

In den vergangenen Stunden gab es jedoch auch ermutigende Signale. Vor allem im Raum Madrid sowie in angrenzenden Provinzen konnten die Einsatzkräfte in der Nacht dank niedrigerer Temperaturen, höherer Luftfeuchtigkeit und schwächerer Winde deutliche Fortschritte erzielen.

Spanische Royals besuchen Notunterkunft bei Madrid

Nach Angaben der militärischen Nothilfeeinheit UME sind inzwischen alle Hauptfronten eingedämmt, auch wenn mehrere Brandherde aktiv bleiben. Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach nach einem Besuch des zentralen Einsatzkommandos in Ávila dennoch von einer weiter angespannten Lage: „Die kommenden Stunden bleiben sehr schwierig.“ Zugleich sagte er: „Aber die Nacht ist sehr positiv verlaufen.“

König Felipe VI. und Königin Letizia besuchten am Sonntag eine Notunterkunft für Evakuierte in Villamanta westlich von Madrid. Der König sicherte den Betroffenen Unterstützung zu und verwies auf „positive Anzeichen“ bei der Entwicklung der Brände. Zugleich dankte er den Tausenden Einsatzkräften und betonte: „Die Koordination ist beispielhaft. Gemeinsam kann man jeder Gefahr begegnen.“

Feuergefahr auch in Italien

Auch in Italien kämpft die Feuerwehr gegen zahlreiche Brände, vor allem im Süden des Festlands sowie auf Sizilien und Sardinien. Das Ausmaß der Feuer ist dort bislang deutlich geringer als in Frankreich und Spanien. Auf Sardinien musste in der Nähe von Cagliari ein Altersheim geräumt werden. Auf Sizilien werden die Feuer zusätzlich durch den aus Afrika über das Mittelmeer ziehenden Wüstenwind Scirocco angefacht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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