Bulgarien sucht den ESC-Gastgeber 2027: Sofia oder Burgas?
Nach Bulgariens erstem Triumph beim Eurovision Song Contest im Mai in Wien soll die 71. Ausgabe des Wettbewerbs 2027 im südosteuropäischen EU-Land ausgetragen werden. Seit dem Sieg der 27-jährigen Sängerin Dara mit ihrem Titel „Bangaranga“ läuft die Suche nach der passenden Gastgeberstadt auf Hochtouren.
Schon kurz nach ihrer gefeierten Rückkehr bei einer großen Willkommensparty in Sofia begann der Wettbewerb um die Austragung. Zunächst hatten sich vier Städte ins Rennen gebracht: die Hauptstadt Sofia, Daras Heimatstadt Warna am Schwarzen Meer, Plowdiw als zweitgrößte Stadt des Landes und frühere europäische Kulturhauptstadt sowie Burgas an der Schwarzmeerküste.
Nach einer ersten Auswahlphase sind nur noch zwei Bewerber übrig geblieben: Sofia und Burgas.
Entscheidung bis Ende Juli erwartet
Nun steht die Auswahl vor der Schlussrunde. Ob am Ende Sofia oder Burgas den Zuschlag erhält, soll bis Ende Juli feststehen. Das erklärte Milena Milotinowa, Chefin des Bulgarischen Nationalen Fernsehens BNT. Der öffentlich-rechtliche Sender ist gemeinsam mit der Europäischen Rundfunkunion (EBU) zentral an Planung und Organisation des ESC beteiligt.
Sofia setzt auf Größe, Geschichte und Infrastruktur
Für viele gilt Sofia als naheliegende Wahl. Die Hauptstadt verbindet nach eigenen Angaben historische Bedeutung mit moderner Infrastruktur und einem vielseitigen Stadtbild. Bürgermeister Wassil Tersiew hebt besonders das Zusammenspiel aus kulturellem Erbe, urbanem Leben und Natur hervor.

Mit der Arena 8888 Sofia verfügt die Stadt über die größte Mehrzweckhalle des Landes. Dort finden je nach Veranstaltung etwa 12.000 bis 15.000 Menschen Platz.
Sofia zählt rund 1,3 Millionen Einwohner und liegt am Fuß des bis zu 2290 Meter hohen Witoscha-Gebirges. Die Stadt ist geprägt von römischen Ausgrabungen, historischen Bauwerken und religiöser Vielfalt: Orthodoxe und katholische Kirchen, eine Synagoge und eine Moschee liegen im Zentrum dicht beieinander – ein Areal, das oft als „kleines Jerusalem“ bezeichnet wird.
Zugleich prägen auch Gebäude aus der kommunistischen Zeit das Stadtbild. Diese Mischung aus Antike, jüngerer Geschichte und modernem Alltag macht Sofia zunehmend attraktiv für Städtereisende. Hinzu kommen gute internationale Flugverbindungen über den Flughafen der Hauptstadt.
Burgas wirbt mit Küstenlage und Tourismus
Die Konkurrenz aus Burgas setzt auf ein ganz anderes Profil. Die Hafenstadt am Schwarzen Meer gilt вместе mit Urlaubsorten in der Umgebung – darunter der bekannte Sonnenstrand – als Zentrum für Sommerurlaub und Nachtleben in Bulgarien.
Mit rund 200.000 Einwohnern ist Burgas die viertgrößte Stadt des Landes und ein wirtschaftlicher wie kultureller Schwerpunkt im Südosten Bulgariens. Ein starkes Argument der Bewerbung ist die Arena Burgas, die erst 2023 eröffnet wurde. Für Konzerte lässt sich die Kapazität auf bis zu 15.000 Besucherinnen und Besucher ausbauen.
Auch die Verkehrsanbindung spricht für Burgas: Der dortige Flughafen ist nach Sofia der zweitstärkste des Landes. Bürgermeister Dimitar Nikolow betont, dass seine Stadt zwar die kleinste unter den verbliebenen Bewerbern sei, die Chance aber mit großem Ehrgeiz nutze. Aus seiner Sicht könnte Burgas mit einer Kulisse direkt an der Schwarzmeerküste dem ESC einen besonderen Rahmen geben und zugleich Bulgariens touristisches Potenzial international ins Schaufenster stellen.
Hohe Anforderungen an den Austragungsort
Wer den ESC ausrichten will, muss strenge Vorgaben erfüllen. Dazu gehört vor allem eine geeignete Halle, die rund um den Termin im Mai acht Wochen lang komplett verfügbar sein soll. Gefordert werden außerdem eine Bühne von mindestens 10 mal 15 Metern, etwa 2.000 Quadratmeter Backstage-Fläche sowie Büroräume für mehr als 250 Personen.
Darüber hinaus spielen ausreichende Hotelkapazitäten und gute internationale Flugverbindungen eine entscheidende Rolle.
Historischer Erfolg für Bulgarien
Für Bulgarien, eines der wirtschaftlich schwächeren EU-Länder, ist der Sieg in Wien ein besonderer Moment: Es war der erste ESC-Erfolg des Landes überhaupt. Erst seit 2005 nimmt Bulgarien an dem Wettbewerb teil. In den vergangenen drei Jahren hatte das Land aus finanziellen Gründen ausgesetzt.
Mit „Bangaranga“, einem Song zwischen Elektro-Beats und Balkan-Pop, holte Dara nun den Wettbewerb nach Bulgarien.
Die vergangenen ESC-Gastgeber waren Wien (2026), Basel (2025), Malmö (2024), Liverpool (2023) und Turin (2022). Das zeigt: Nicht immer muss die Hauptstadt oder größte Stadt eines Landes den Zuschlag erhalten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber