Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich nach Einschätzung des Hamburger Zukunftsforschers Horst Opaschowski in Deutschland eine deutlich pessimistischere Grundhaltung verbreitet. Viele Menschen wüssten in Zeiten anhaltender Krisen kaum noch, worauf sie sich freuen könnten, sagte der 85-Jährige, der seit Jahrzehnten mit repräsentativen Umfragen die gesellschaftliche Stimmung beobachtet.
Nach Opaschowskis Ansicht tragen auch die Medien zu dieser Entwicklung bei. Vor allem die ständige Verbreitung negativer oder verfälschter Nachrichten schüre in großen Teilen der Bevölkerung Zukunftsängste. Das hätten Befragungen ergeben, die er gemeinsam mit dem Ipsos-Institut zwischen 2020 und 2024 durchgeführt habe. Demnach äußerten sich jeweils etwa drei Viertel der Teilnehmer entsprechend. Dauernde Alarm- und Krisenmeldungen wirkten dabei wie ein zusätzlicher Verstärker.
Gleichzeitig stellte der Zukunftsforscher klar, dass die Menschen keineswegs unkritisch oder leichtgläubig seien. Sie wollten informiert und aufgeklärt werden, erwarteten von Politik und Medien aber ebenso ermutigende Nachrichten und konkrete Lösungsansätze. Nach seiner Beobachtung empfinden viele Bürger die Flut negativer Meldungen ohne erkennbare Perspektiven als zu dominant. Zudem entstehe der Eindruck, dass schlechte Nachrichten in den Medien oft mehr Aufmerksamkeit bekämen als positive Entwicklungen.
Bayern reagieren gelassener auf Fake News
Zur Verunsicherung trügen auch Falschmeldungen im Internet bei. In einer repräsentativen Umfrage vom vergangenen Mai stimmten 76 Prozent der Aussage zu, dass Fake News das Vertrauen in online verbreitete Informationen zunehmend erschütterten. Im Jahr 2024 hatten allerdings noch 84 Prozent angegeben, sich durch gefälschte Nachrichten verunsichert zu fühlen.
Für Opaschowski wirft das die Frage auf, ob die Menschen in Deutschland inzwischen bewusster mit dem Problem umgehen oder sich stärker an Fake News gewöhnt haben. Auch regional zeigen sich Unterschiede: In Bayern bereiten Falschmeldungen derzeit vergleichsweise weniger Sorgen. Dort äußerten 74 Prozent entsprechende Bedenken. In Nordrhein-Westfalen lag der Wert dagegen bei 90 Prozent. Für andere Bundesländer hätten sich entweder keine auffälligen Ausschläge gezeigt oder die Datenbasis sei für belastbare Aussagen zu klein gewesen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber