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Tirol zieht Schleichweg-Sperren bei Kufstein massiv an

Stundenlang im Autobahn-Stau feststecken und schnell über Nebenstraßen entkommen? In Tirol ist damit bald wieder Schluss. Das Land macht Schleichwege dicht – und das hat im Sommer Folgen für Autofahrer und sogar für Navi-Apps.

29.04.2026, 04:30 Uhr

Tirol verschärft zum Start der Sommersaison die Sperren für Ausweichverkehr

Mit Beginn der Reisesaison schließt Tirol erneut zahlreiche Ausweichstrecken für Transitverkehr. Wie das Bundesland mitteilte, dürfen Autofahrer, die über die Autobahn unterwegs sind, vom 1. Mai bis 1. November tagsüber an Wochenenden, Feiertagen und ausgewählten Brückentagen nicht auf Nebenstraßen ausweichen. Im Bezirk Kufstein werden die bestehenden Beschränkungen zusätzlich auf weitere Straßen ausgeweitet. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Geldstrafe rechnen.

Zusätzliche Maßnahmen in Kufstein

Als Begründung verweist das Land auf die besonders angespannte Verkehrslage an stark frequentierten Tagen im Bezirk Kufstein. Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) erklärte, mit den erweiterten Fahrverboten wolle man den Anliegen der betroffenen Gemeinden Rechnung tragen und sowohl die Verkehrssicherheit als auch die Versorgung vor Ort sicherstellen.

Die Maßnahmen zeigen laut Tirol bereits deutliche Wirkung: Im vergangenen Jahr wurden zwischen Mitte April und Anfang November rund 516.000 Fahrzeuge zurück auf die Hauptverkehrsachsen geleitet. In der abgelaufenen Wintersaison vom 20. Dezember bis Ostermontag waren es weitere 411.000 Fahrzeuge. Auf der Transitroute über den Fernpass wurden allein 173.000 Autofahrer erfasst, die unerlaubt Staus umfahren wollten.

Navi-Anbieter sollen gesperrte Routen nicht mehr anzeigen

Nach Angaben des Landes ist es inzwischen gelungen, Anbieter von Navigationsdiensten dazu zu bewegen, die gesperrten Ausweichstrecken künftig nicht mehr als Alternativen vorzuschlagen. Wie schnell diese Änderungen tatsächlich umgesetzt werden und wann sie im Reiseverkehr spürbar sind, dürfte sich im Sommer zeigen.

Landeshauptmann Anton Mattle verwies darauf, dass die Regelungen bereits seit 2019 gelten. Ziel sei es, Gemeinden entlang stark belasteter Reiserouten zu entlasten und den Durchgangsverkehr auf den vorgesehenen Hauptstraßen zu halten. Tirol nehme damit europaweit eine Vorreiterrolle ein, andere Regionen würden ähnliche Schritte inzwischen übernehmen.

Bayerische Landkreise orientieren sich an Tirol – mit Unterschieden

Auch in Oberbayern gibt es inzwischen vergleichbare Durchfahrverbote, etwa in den Landkreisen Rosenheim, Berchtesgadener Land und Miesbach. Dort gelten die Regelungen jedoch anders als in Tirol nicht an vorher festgelegten starken Reisetagen, sondern grundsätzlich von Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen – allerdings nur dann, wenn es tatsächlich zu Staus kommt. Erst in solchen Fällen kann die Polizei eingreifen. Die Kontrollen erfolgen zudem aus dem regulären Streifendienst heraus.

In Tirol wird der Vollzug deutlich strenger organisiert. Dort kommen zusätzliche Sicherheitskräfte zum Einsatz, die vielerorts direkt an Ausfahrten stehen und Autofahrer nach ihrem Fahrtziel fragen. Nur wer nachweislich ein Ziel in der jeweiligen Region hat, darf weiterfahren.

Kritik an Kontrollen in Bayern

In Bayern stoßen die Maßnahmen dennoch auf Kritik. Anwohner halten die Kontrollen vielerorts für zu schwach und beklagen, dass sich der Verkehr weiterhin durch die Ortschaften schiebt. Im Berchtesgadener Land griffen verärgerte Einheimische vor einigen Wochen sogar selbst ein und blockierten den Verkehr mit einem Minibagger und einem Auto.

Durchfahrverbote bestehen in Miesbach seit dem 24. Dezember 2025, in Rosenheim seit dem 15. August 2025 und im Berchtesgadener Land seit dem 5. September 2025. Betroffen sind vor allem Strecken im Umfeld der Autobahnen A8 und A93. Auch das Landratsamt Ostallgäu hat begrenzte Sperren verhängt, um Ausweichverkehr bei Staus von der A7 fernzuhalten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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