Neuer erlebt bitteren Bundesliga-Rekord bei Bayerns Remis in Augsburg
Auf diesen Eintrag in die Geschichtsbücher hätte Manuel Neuer wohl gern verzichtet: Der Torhüter des FC Bayern kassierte beim 2:2 in Augsburg das schnellste Gegentor der Bundesliga-Historie. Nach nur 8,4 Sekunden traf Robin Fellhauer für den FCA – begünstigt durch einen folgenschweren Fehler des Münchner Keepers. Neuer nahm die Szene ohne Ausflüchte auf seine Kappe. Einen solchen Start habe er sich selbstverständlich nicht vorgenommen, sagte der 40-Jährige nach der Partie, in der Bayern zudem die mögliche Tabellenführung verpasste.
Vor dem Verlassen des Stadions äußerte sich Neuer auch noch knapp zur Torwartfrage mit Blick auf das Champions-League-Spiel am Dienstag bei Viking Stavanger. Auf die Frage, ob er erneut beginnen werde oder ob Jonas Urbig zum Einsatz komme, antwortete er nur kurz, er habe da so eine Ahnung.
Rückendeckung von Hainer und Kompany
Trotz des Patzers droht Neuer intern kein Bedeutungsverlust. Bayern-Präsident Herbert Hainer stellte sich demonstrativ vor seinen Torhüter und betonte, Neuer sei nach wie vor einer der besten Keeper der Welt. Mit dessen Alter habe der Fehler nichts zu tun, sagte Hainer. So etwas könne einem Torhüter unabhängig vom Lebensalter passieren.
Auch Trainer Vincent Kompany sah keinen Anlass zur Sorge. Neuer wisse aufgrund seiner Erfahrung selbst am besten, wie mit solchen Rückschlägen umzugehen sei, erklärte der Bayern-Coach.
Die offene Zukunftsfrage im Bayern-Tor
Dennoch zeigte das Spiel in Augsburg erneut, dass die Münchner neben ihren sportlichen Zielen auch eine wichtige Personalfrage lösen müssen: Wie gestaltet der Club den Wechsel von Neuer zu Jonas Urbig?

Der 23-Jährige sammelte zuletzt mit starken Auftritten in der Nationalmannschaft Pluspunkte und soll bei Bayern schrittweise mehr Verantwortung übernehmen. Aus Vereinssicht wäre ein solcher Übergang mit Neuer als Mentor ein Idealfall. Hainer bezeichnete diese Konstellation als nahezu perfekte Lösung für die Nachfolge eines Weltklasse-Torhüters.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Urbig sportlich womöglich schon näher an Neuer dran ist, als bislang angenommen. Denn auch beim zweiten Augsburger Treffer durch Rodrigo Ribeiro sah der Routinier nicht gut aus. Sportvorstand Max Eberl versuchte jedoch, jede aufkommende Torwartdiskussion sofort zu beenden. Ein einzelner Fehler ändere nichts an Neuers Status als Nummer eins, betonte er. Zugleich lobte Eberl die Entwicklung Urbigs und hob hervor, wie groß Neuers Anteil daran sei. Wer in Norwegen spielen wird, ließ er allerdings offen.
Vier aberkannte Bayern-Tore sorgen für Frust
Die Debatte um Neuer wäre wohl kleiner ausgefallen, wenn Bayern seine zahlreichen Möglichkeiten konsequenter genutzt hätte. Am Ende reichten die Treffer von Ismael Saibari in der 55. Minute und Nathaniel Brown in der 80. Minute nur zu einem Punkt. Zudem scheiterten Harry Kane und Serge Gnabry jeweils am Aluminium.
Besonders ungewöhnlich: Gleich vier Münchner Tore wurden nach Eingriff des Video-Assistenten wegen Abseits aberkannt. Eberl sprach von einer seltenen Konstellation. Kompany wollte das jedoch nicht als Entschuldigung gelten lassen. Seine nüchterne Einschätzung: Abseits bleibe eben Abseits.
Blick geht bereits Richtung Stavanger
Für Kompany war das Remis in Augsburg schnell abgehakt. Nach dem Spiel reiste er nach München weiter, wo er am Abend beim Bayerischen Sportpreis von Ministerpräsident Markus Söder geehrt werden sollte. Gedanklich richtete er den Fokus aber bereits auf das Champions-League-Duell in Stavanger und den Abflug am Montagmorgen. Am Ergebnis gegen Augsburg und an Neuers Negativrekord lasse sich nun ohnehin nichts mehr ändern, machte der Trainer deutlich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber