Das spektakuläre 4:4 im Spitzenspiel der 2. Bundesliga ließ weder den 1. FC Nürnberg noch den VfL Wolfsburg zufrieden zurück. Besonders bitter aus Sicht der Franken: In der Nachspielzeit schien der Sieg bereits greifbar, ehe doch noch der späte Ausgleich fiel. FCN-Angreifer Piet Scobel, der zweimal traf, sprach bei Sky von einer insgesamt ernüchternden Situation. Entsprechend sei die Enttäuschung direkt nach dem Abpfiff groß gewesen.
Trotz des Remis bleibt Nürnberg ungeschlagen und behauptet Rang zwei hinter Hertha BSC. Der Sprung an die Tabellenspitze wurde jedoch verpasst. Bemerkenswert ist dennoch die Offensivbilanz: Nach sieben Partien steht der „Club“ bereits bei 20 Treffern – ein Bestwert, den der Verein im Profifußball zuvor noch nie erreicht hatte.
Klose spricht von großem Spektakel
Das Spiel entwickelte sich zu einem echten Fußball-Krimi. Nach einem 0:2-Rückstand kämpfte sich Nürnberg zurück, drehte die Partie zwischenzeitlich und erlebte anschließend erneut mehrere Wendungen. Zwischenstände wie 3:2, 3:3, 4:3 und schließlich 4:4 machten den Abend zu einer emotionalen Achterbahnfahrt. Scobel beschrieb die Begegnung passend als Wechselbad der Gefühle.
Trainer Miroslav Klose sah darin vor allem für das Publikum beste Unterhaltung. Für die Trainerbank sei es hingegen kaum auszuhalten gewesen. Auch Wolfsburgs Coach Tobias Strobl konnte dem einen Punkt wenig klare Bedeutung abgewinnen. Sein Eindruck nach Abpfiff: Es fühlte sich weder wie ein gewonnener Zähler noch wie zwei verlorene Punkte an.

Wolfsburg hadert mit dem Einbruch nach der Pause
Vor allem der VfL dürfte sich über den Verlauf ärgern. Die Niedersachsen, die als Bundesliga-Absteiger in die Saison gegangen sind, hatten die erste Halbzeit deutlich kontrolliert und wirkten lange wie die klar bessere Mannschaft. Kapitän Hauke Wahl kritisierte nach der Partie, dass sein Team nach dem Seitenwechsel zu viele Zweikämpfe verloren habe und nicht mehr mit derselben Entschlossenheit aufgetreten sei. Man habe sich zu sehr auf die eigene spielerische Klasse verlassen – ein Problem, das laut Wahl nicht zum ersten Mal aufgetreten sei.
Auch Strobl kündigte eine interne Aufarbeitung an. Es müsse geklärt werden, warum seine Mannschaft in der zweiten Hälfte nicht mit derselben Schärfe wie vor der Pause gespielt habe.
Verrückte Schlussphase mit drei Toren in der Nachspielzeit
Wolfsburg war durch Treffer von Hauke Wahl in der 12. Minute und Muhammed Damar in der 29. Minute mit 2:0 in Führung gegangen. Nach der Pause drehte Nürnberg jedoch auf: Piet Scobel traf in der 52. und 59. Minute doppelt, Mohamed Ali Zoma legte in der 63. Minute zum 3:2 nach.
Danach überschlugen sich in der Schlussphase die Ereignisse. Zunächst erzielte Alessio Besio in der ersten Minute der Nachspielzeit das 3:3. In der 96. Minute brachte Giannis Masouras Nürnberg erneut in Front und ließ die Gastgeber vom Sieg träumen. Doch Wolfsburg schlug noch einmal zurück: Besio markierte mit seinem zweiten Tor des Abends in der neunten Minute der Nachspielzeit den 4:4-Endstand.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber