Bei einem Schiffsunglück vor der Küste Dschibutis sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 139 Migranten ums Leben gekommen. Unter den Toten sind demnach auch 15 Kinder. 84 weitere Passagiere des gekenterten Bootes werden noch vermisst.
Das Boot war auf dem Weg von Dschibuti in den Jemen, als es kenterte. Die Suche nach weiteren Toten und möglichen Überlebenden dauerte zunächst an. Mehr als 80 Menschen überlebten das Unglück. Nach UN-Angaben handelt es sich bei allen Betroffenen um äthiopische Staatsangehörige.
„Dies ist ein verheerender Verlust an Menschenleben. Unsere Gedanken sind bei den Überlebenden und den Familien, die Angehörige verloren haben oder noch immer keine Nachricht von ihren Verwandten haben“, sagte Alexandre Coissac, Leiter der IOM-Mission in Dschibuti. Teams der Internationalen Organisation für Migration (IOM) seien gemeinsam mit örtlichen Behörden im Einsatz, um Nothilfe zu leisten. Die Tragödie zeige erneut, welchen Gefahren Migranten auf dieser Route auf der Suche nach wirtschaftlichen Perspektiven ausgesetzt seien.
IOM-Generaldirektorin Amy Pope forderte nach dem Unglück sichere und legale Zugangswege für Migranten. Niemand steige in ein solches Boot, wenn es einen sicheren Ausweg gebe, erklärte sie. Regierungen und Geldgeber müssten handeln, bevor das nächste Boot sinke.
Dschibuti ist ein wichtiger Ausgangspunkt der sogenannten östlichen Migrationsroute vom Horn von Afrika über die Meerenge Bab al-Mandab auf die arabische Halbinsel. Viele Migranten erreichen nach einem gefährlichen Weg durch die Wüste die Stadt Obock, wo Schleuser Plätze auf Fischerbooten organisieren. Vor der Küste von Obock kenterte nun auch das Unglücksboot.
Viele Menschen hoffen in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder im Oman auf Arbeit und mehr Stabilität. Erst vor wenigen Tagen hatte die IOM berichtet, dass innerhalb von drei Wochen mehr als 20.000 Migranten aus Äthiopien in Dschibuti angekommen seien. Zudem droht dem Land nach neuen Kämpfen in der Region Tigray ein weiterer Bürgerkrieg. Auch Menschen aus Somalia versuchen immer wieder, über Dschibuti weiterzureisen.
Nach Angaben der IOM ist nicht nur die Überfahrt über das Meer lebensgefährlich. Wer den Jemen erreicht, ist demnach häufig Gewalt, willkürlichen Festnahmen und Inhaftierungen, Ausbeutung und Menschenhandel ausgesetzt.
Laut dem IOM-Projekt „Missing Migrants“ kamen im Jahr 2025 auf dieser Route mehr als 900 Migranten ums Leben oder gelten als vermisst. Zugleich stieg die Zahl der Menschen auf diesem Weg um 18 Prozent. Bei einem weiteren Schiffsunglück im März 2026 starben zudem neun Menschen, 45 weitere wurden vermisst.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber