Rettungseinsatz in Venezuela läuft gegen die Zeit
Nach den schweren Erdbeben in Venezuela beginnt eine besonders entscheidende Phase bei der Suche nach Überlebenden. Mit Blick auf den dritten Tag der Bergungsarbeiten erklärte die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez, jetzt zähle jede Stunde. Nach offiziellen Angaben kamen bisher mindestens 920 Menschen ums Leben, mehr als 3.000 weitere wurden verletzt.
La Guaira unter militärischer Kontrolle
Wegen der massiven Zerstörungen im nördlichen Bundesstaat La Guaira hat die Regierung die Region unter militärische Aufsicht gestellt. Wie Parlamentspräsident Jorge Rodríguez mitteilte, sollen die Streitkräfte dort die Ordnung sichern und zugleich die Arbeit der Rettungsteams unterstützen. Außerdem wurden die Zufahrten nach La Guaira gesperrt, um unnötige Reisen in das Katastrophengebiet zu verhindern. Freiwillige dürfen nur nach vorheriger Registrierung helfen.
Zahlreiche Gebäude zerstört oder beschädigt
Hilfskräfte aus mehreren Ländern suchen unter schwierigen Bedingungen weiter nach Vermissten. Fachleute weisen darauf hin, dass die Chancen, Verschüttete lebend zu finden, nach 72 Stunden deutlich sinken. Nach Angaben von Rodríguez wurden durch die Beben der Stärke 7,2 und 7,5 am Mittwoch mehr als 380 Wohnhäuser und 13 Krankenhäuser zerstört oder schwer beschädigt. Auch Einkaufszentren und weitere Gebäude stürzten ein. Insgesamt seien mehr als 1.400 Gebäude und Einrichtungen ganz oder teilweise betroffen.
Augenzeugen berichten von dramatischen Szenen
Auch in Caracas hinterließ das Erdbeben schwere Schäden. Betroffen war unter anderem die Wohnung des 70-jährigen Juan Salabé im Stadtzentrum. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur schilderte er die chaotischen Momente während des Bebens. Seine Tochter sei von einem Ziegelstück getroffen worden und die Treppe hinuntergestürzt. Die Familie habe sich noch rechtzeitig ins Freie retten können, während Trümmer herabfielen. Salabé sprach von einem schrecklichen Erlebnis.

Mehr als 300 Nachbeben registriert
Am stärksten traf es La Guaira, doch auch Caracas und andere Orte meldeten erhebliche Verwüstungen. Bisher wurden mehr als 300 Nachbeben erfasst. Am Freitag registrierte die US-Erdbebenwarte USGS zudem ein weiteres Beben der Stärke 4,7 in zehn Kilometern Tiefe vor der Karibikküste Venezuelas.
Zehntausende Meldungen zu Vermissten
Über ein eigens eingerichtetes Online-Portal zur Suche nach Vermissten gingen Zehntausende Hinweise ein. Laut den Betreibern werden dort derzeit rund 50.000 Menschen als vermisst geführt. Auf der nicht offiziellen Plattform können Angehörige und Freunde Fotos und zusätzliche Informationen hochladen. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist allerdings nicht möglich.
USA sagen Hilfe zu
Rodríguez führte nach eigenen Angaben auch ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump. Auf der Plattform X schrieb sie, sowohl Trump als auch US-Außenminister Marco Rubio hätten Venezuela Unterstützung im Umgang mit der Katastrophe zugesichert.
Demnach signalisierten die USA ihre Bereitschaft, Hilfsmaßnahmen mit Rettungskräften, Spezialausrüstung, Unterstützung für Notunterkünfte und humanitärer Hilfe für betroffene Familien zu begleiten. Rodríguez bedankte sich dafür und sprach von einer Geste der Freundschaft und Zusammenarbeit.
Rodríguez seit Festnahme Maduros an der Spitze
Seit Januar führt Delcy Rodríguez die Regierungsgeschäfte in Venezuela. Damals hatte eine Spezialeinheit des US-Militärs den langjährigen Machthaber Nicolás Maduro in Caracas festgenommen und in die USA gebracht, wo er sich wegen Drogendelikten vor Gericht verantworten soll.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber