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Merz und Lula vertiefen deutsch-brasilianische Zusammenarbeit

Wenn der Kanzler den brasilianischen Präsidenten in Hannover trifft, geht es um Handel, Klimaschutz und Trump. Ganz am Rande könnte es aber auch noch um etwas anderes gehen - um die Wurst.

19.04.2026, 05:00 Uhr

Deutschland und Brasilien wollen ihre strategische Partnerschaft bei zweitägigen Gesprächen in Hannover weiter stärken. Bundeskanzler Friedrich Merz empfängt den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva heute im Schloss Herrenhausen mit militärischen Ehren zu einem bilateralen Treffen. Am Abend eröffnen beide gemeinsam im Congress Centrum die Hannover Messe, die als weltweit bedeutendste Industriemesse gilt.

Am Montag folgen dort die deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen. Daran nehmen auf brasilianischer Seite sieben und auf deutscher Seite acht Ministerinnen und Minister teil. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Handel, Rohstoffe, Verteidigung, Digitalisierung, Forschung und Klimaschutz.

Außenpolitik dürfte ebenfalls eine wichtige Rolle spielen

Neben wirtschaftlichen Fragen soll es auch um internationale Politik gehen. Dabei könnten unter anderem die Äußerungen und das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Iran sowie gegenüber Ländern in Lateinamerika wie Venezuela und Kuba zur Sprache kommen.

Lula kritisierte vor seiner Reise nach Deutschland im Gespräch mit dem Spiegel Trumps Auftreten deutlich. Wörtlich sagte er: „Trump wurde nicht zum Kaiser der Welt gewählt.“ Zudem erklärte er, dieser könne anderen Staaten nicht ständig mit Krieg drohen. Hintergrund sind jüngste Aussagen Trumps zu Kuba im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg, den er laut Artikel gemeinsam mit Israel begonnen habe.

Lula setzt Trumps Großmachtpolitik nach eigener Darstellung die Forderung nach einer Reform der Vereinten Nationen entgegen. Wie Deutschland strebt auch Brasilien einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an. Reformversuche sind jedoch seit Jahrzehnten ohne Erfolg geblieben. Der Sicherheitsrat hat bislang fünf ständige Mitglieder mit Vetorecht: die USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich.

Mercosur-Abkommen schafft neue wirtschaftliche Perspektiven

Das Treffen von Merz und Lula ist das erste seit der Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur. Die Vereinbarung kann ab dem 1. Mai vorläufig angewendet werden. Damit entsteht eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Menschen.

Durch weniger Zölle und geringere Handelshemmnisse soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen zunehmen. Besonders große Chancen werden dabei für die Automobilindustrie, den Maschinenbau und die Pharmaindustrie gesehen.

Deutschland ist für Brasilien der viertwichtigste Handelspartner. Im vergangenen Jahr lag das Handelsvolumen bei 20,9 Milliarden US-Dollar, hinzu kamen deutsche Direktinvestitionen von rund 38 Milliarden Dollar. Mit etwa 1.000 deutschen Firmen im Land gilt der Großraum São Paulo als größter deutscher Industriestandort außerhalb Deutschlands.

Brasilien will sich auf der Hannover Messe modern und nachhaltig zeigen

Auf der Hannover Messe möchte sich Brasilien nach Angaben von Carlos Henrique Moscardo aus dem brasilianischen Außenministerium als „nachhaltige, innovative und wettbewerbsfähige Industriemacht“ präsentieren.

Auch der Klimaschutz dürfte bei den Beratungen eine zentrale Rolle spielen. Deutschland hatte bei der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém im vergangenen November zugesagt, über einen Zeitraum von zehn Jahren eine Milliarde Euro für einen neuen Fonds zum Schutz des Regenwaldes bereitzustellen.

Lula äußert besonderen Wunsch für seinen Deutschlandbesuch

In Brasilien blieb Merz’ Teilnahme an der Klimakonferenz in Belém aus einem anderen Grund in Erinnerung. Nach seiner Rückkehr hatte er sich über die arme Amazonas-Stadt in einer Weise geäußert, die viele Menschen in Brasilien als herablassend empfanden. Später kam es jedoch beim G20-Gipfel in Johannesburg wieder zu einer Annäherung zwischen Merz und Lula.

Für seinen Aufenthalt in Hannover hat Lula nun einen eher persönlichen Wunsch formuliert. Dem Spiegel sagte er, dass er in Deutschland gerne eine Wurst an einem Straßenimbiss esse. Schon bei einem früheren Besuch in Angela Merkels Büro habe er eine solche Wurst probiert. Generell versuche er auf Auslandsreisen, lokale Speisen kennenzulernen. Begleitet wird Lula bei seinem Besuch von seiner Frau Janja.

Bevor es möglicherweise zum Imbiss kommt, steht am Sonntagabend zunächst ein Abendessen mit Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft im Schloss Herrenhausen auf dem Programm.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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