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Landadel, Gangster, Chaos – «The Gentlemen» legt nach

Adel trifft Unterwelt: «The Gentlemen» startet mit Staffel 2 – und Ray Winstone verrät, warum beide Welten kaum zu trennen sind.

03.09.2026, 09:12 Uhr

Erfolgsserie mit Filmursprung: «The Gentlemen» geht in die zweite Runde

Verfilmungen beliebter Fernsehserien fürs Kino gibt es seit Langem. In Zeiten des Streamings läuft der Trend jedoch oft andersherum: Erfolgreiche Filme werden zu Serien ausgebaut. Wirklich große Erfolge sind dabei selten. Netflix ist mit «The Gentlemen» allerdings einer gelungen. Die Serie, angelehnt an Guy Ritchies gleichnamige Gangsterkomödie, überzeugte sowohl Kritiker als auch Zuschauer. Am 3. September startet nun die zweite Staffel der bissigen Krimisatire, in der sich britischer Hochadel und Unterwelt immer stärker vermischen.

Für Ray Winstone, der Gangsterpatriarch Bobby Glass verkörpert, ist die Trennlinie zwischen beiden Welten ohnehin fragwürdig. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur äußert sich der für raue Rollen bekannte Schauspieler («The Departed», «Sexy Beast») deutlich über den Adel: Wer zu solchem Besitz gekommen sei, habe das seiner Ansicht nach kaum mit bloßer Ehrlichkeit geschafft. Gerade darin liege für ihn der Reiz der Serie – sie drehe diese Logik auf interessante Weise um.

Ein Herzog zwischen Erbe und Verbrechen

In der ersten Staffel erbt der frühere Soldat Eddie Horniman (Theo James), nun Herzog von Halstead, nach dem Tod seines Vaters ein weitläufiges Anwesen. Dort stößt er auf eine Cannabisplantage, die zum lukrativen Drogennetzwerk von Bobby Glass gehört. Anfangs versucht Eddie noch, die illegalen Geschäfte loszuwerden. Doch nach und nach gerät er immer tiefer hinein.

Streaming - Netflix - "The Gentlemen"
Theo James (l) hier zu sehen als Eddie Horniman und Giancarlo Esposito
als Stanley Johnston. (Handout) Quelle: Christopher Raphael/Netflix/dpa

Winstone beschreibt das Machtverhältnis in der Serie recht nüchtern: Der verarmte Adel habe große Ländereien, aber oft zu wenig Geld. Die Kriminellen nutzen das aus, bauen auf dem Grund Marihuana an, zahlen den Eigentümern etwas dafür und gewinnen so Einfluss. Genau dieses Spannungsfeld prägt die Handlung.

Ganz so einfach bleibt es allerdings nicht. Eddie entwickelt sich vom widerwilligen Erben zu einem aktiven Teil der Unterwelt. Rivalen wie der zwielichtige US-Investor Stanley Johnston (Giancarlo Esposito) werden ausgeschaltet, und schließlich steigt Eddie an Bobbys Seite auf. Gemeinsam mit Susie Glass (Kaya Scodelario), Bobbys durchsetzungsstarker Tochter, führt er das illegale Geschäft weiter.

Wenn moralische Grenzen verschwimmen

Für Giancarlo Esposito, bekannt aus Produktionen wie «Breaking Bad» und «The Mandalorian», steckt im Kern der Geschichte ein moralischer Verfall. Im dpa-Interview sagt er, Menschen würden irgendwann beginnen, ihre Prinzipien aufzuweichen, wenn sie sich davon Vorteile versprechen. Wer einmal seine Werte verrate, glaube oft noch, rechtzeitig aussteigen zu können. Doch mit jedem weiteren Schritt werde genau das leichter.

Staffel 2: Mehr Macht, mehr Risiko

Die neuen Folgen setzen ungefähr ein Jahr nach Staffel 1 ein. Eddie hat seinen Platz im Geschäft gefunden und will expandieren – auch über Großbritannien hinaus, etwa nach Italien. Doch Bobby, der in einem komfortablen Gefängnis einsitzt, bremst ihn aus und trifft zunehmend fragwürdige Entscheidungen. Das sorgt nicht nur bei Eddie, sondern auch bei Susie für Unmut.

Gleichzeitig wächst Eddies Ehrgeiz. Sein Ego treibt ihn an, er greift sogar in politische Abläufe ein und gefährdet damit das Vertrauensverhältnis zu Bobby. Die zweite Staffel baut damit den Konflikt weiter aus: Wer kontrolliert das Imperium – und wie weit ist Eddie bereit zu gehen?

Vinnie Jones zeigt eine ungewohnte Seite

Auch Vinnie Jones ist wieder dabei. Der frühere Fußballprofi spielt Geoff, den Verwalter des Anwesens, der eine besondere Verbindung zu Eddies Mutter Lady Sabrina (Joely Richardson) pflegt. Jones arbeitete seit «Bube, Dame, König, grAS» immer wieder mit Guy Ritchie zusammen und wurde über die Jahre zum markanten Leinwand-Schurken.

In «The Gentlemen» schlägt er jedoch leisere Töne an. Statt eines brutalen Schlägers verkörpert der 61-Jährige einen eher stillen, kontrollierten Mann. Jones erklärte im dpa-Gespräch, viele hätten ihm lange dieselbe Rollenart zugeschrieben. Guy Ritchie habe ihn nun bewusst dazu geholt, um eine andere Facette von ihm zu zeigen.

Deutlich erkennbar: Guy Ritchies Stil

Ein wesentlicher Grund für den Erfolg der Serie ist, dass Guy Ritchie selbst stark eingebunden blieb und bei mehreren Episoden Regie führte. Anstatt den Kinofilm mit Matthew McConaughey, Colin Farrell und Hugh Grant einfach neu aufzulegen, setzt die Serie auf eine eigene Handlung mit neuen Figuren – darunter nun auch Hugh Bonneville als Lord Hawthorne.

Trotz neuer Geschichte bleibt Ritchies Handschrift unverkennbar. Schwarzer britischer Humor, Klassenunterschiede, Intrigen, Machtkämpfe und die stilisierte Unterwelt-Optik prägen auch die acht neuen Folgen. Genau diese Mischung macht «The Gentlemen» erneut zu kurzweiliger, pointierter Unterhaltung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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