Tahsim Durgun: Vom viralen Clip zum Bestsellerautor und TV-Gesicht
Für Tahsim Durgun wirken die vergangenen drei Jahre selbst im Rückblick fast unwirklich. Der Comedian, Autor und Social-Media-Creator aus Oldenburg erlebte seit 2023 einen rasanten Aufstieg. Auslöser war ein kurzes Video, das in den sozialen Netzwerken plötzlich enorme Reichweite erzielte. Damals studierte er noch auf Lehramt und zeigte – angelehnt an einen Trend – seinen letzten WhatsApp-Chat. Besonders seine Kommasetzung sorgte für Aufsehen. Reaktionen wie „Oh mein Gott, er schreibt mit Komma!“ blieben ihm im Gedächtnis. Innerhalb kurzer Zeit kam der Clip auf rund 500.000 Aufrufe.
Heute folgen dem 30-Jährigen auf TikTok und Instagram zusammen mehr als eine Million Menschen. In seinen Beiträgen geht es längst nicht nur um Sprachwitz und deutsche Grammatik. Durgun beschäftigt sich ebenso mit Themen wie Migration, Rassismus und dem Spannungsfeld zwischen verschiedenen kulturellen Identitäten – geprägt auch durch seine kurdische Familiengeschichte. Dabei, sagt er, stehe zwar immer der Humor im Mittelpunkt, häufig behandle er jedoch zugleich ernste Inhalte.
Bucherfolg und Anerkennung
Inzwischen war Durgun in verschiedenen Fernsehformaten zu sehen. 2024 gewann er beim Grimme Online Award den Publikumspreis. Im Frühjahr 2025 erschien außerdem sein autobiografisch geprägtes Buch Mama, bitte lern Deutsch, das sich zum Bestseller entwickelte.
Darin schildert er, wie er schon als Kind viel Verantwortung für seine Eltern und jüngeren Geschwister übernahm. Bei Behördengängen sei er früh darin geübt gewesen, die komplizierte Amtssprache zu übersetzen. Er erzählt auch davon, seiner Mutter Abschiebebriefe, Stromabrechnungen oder Werbeprospekte vorgelesen zu haben.

Das Buch versteht er zugleich als Würdigung seiner Mutter. Obwohl sie bis heute nur bruchstückhaft Deutsch spricht, hat Durgun großen Respekt vor ihrer Lebensleistung. Er ist überzeugt, dass viele Menschen eine Frau wie sie aus ihrem eigenen Umfeld kennen.
Verfilmung seines Bestsellers geplant
Nun soll seine Geschichte auch verfilmt werden. Die Dreharbeiten sollen in Kürze beginnen und unter anderem in Oldenburg sowie in der Türkei stattfinden. Für Durgun ist es eine besondere Erfahrung, dass bereits sein erstes Buch auf die Leinwand kommt.
Mit Humor begleitet er auch diesen Karriereschritt: Im Podcast Hotel Matze hatte er scherzhaft angekündigt, dem Bundeskanzler eine Haartransplantation in Istanbul zu bezahlen, falls die Verfilmung 2027 ins Kino kommt. Bislang, so Durgun augenzwinkernd, habe sich Friedrich Merz allerdings noch nicht gemeldet.
Deutliche Haltung zu Migration und Sichtbarkeit
Mit Aussagen von Merz über migrantisches Leben in Deutschland setzt sich Durgun nicht nur online auseinander. Auch bei der 1Live-Krone 2025, bei der er in der Kategorie „Beste Unterhaltung“ ausgezeichnet wurde, nutzte er seine Dankesrede für eine politische Botschaft. Dort sagte er, er wünsche sich einen Kanzler, der verstehe, dass auch seine Eltern zum Aufbau dieses Landes beigetragen hätten.
Menschen wie seine Mutter und seinen Vater sichtbar zu machen, ist für ihn ein zentrales Anliegen. Dieses Motiv prägt auch seine neue sechsteilige Comedy-Reportage Deutschland, ich küss dein Herz, die ab sofort in der ARD-Mediathek verfügbar ist.
Roadtrip mit Tante Zeynep
In der Sendung steht Durgun nicht allein im Mittelpunkt. Mit dabei ist seine kurdische Tante Zeynep, die ungefähr so alt ist wie seine Mutter. Gemeinsam reisen sie durch Deutschland und nach Mallorca. Stellvertretend für die Elterngeneration zeigt er ihr unterschiedliche Seiten des Landes, in dem sowohl sie als auch seine Mutter vor über 30 Jahren ankamen.
Das ungleiche Duo besucht unter anderem einen Freizeitpark, eine Kleingartenanlage, probiert sich im Jodeln in den Bergen und testet Hobby Horsing. Auf ihrer Reise begegnen sie auch prominenten Persönlichkeiten wie Herbert Grönemeyer, Kurt Krömer, Rapperin Ikkimel, den Comediennes Maraam und Tülin Sezgin sowie dem Pilz-Influencer Tristan Jurisch. Durgun kündigt eine „wirklich wilde Mischung“ an.
Sein trockener Humor prägt das Format deutlich – etwa dann, wenn er im Schauspielworkshop unbedingt besser abschneiden will als „Tatort“-Darsteller Edin Hasanović.
Im Fernsehen laufen am 3. und 10. September jeweils zwei Folgen um 23.50 Uhr im Ersten. Ab dem 25. September werden die Doppelfolgen freitags nach dem Kölner Treff im WDR Fernsehen sowie um 21.00 Uhr bei One ausgestrahlt.
Ernstere Töne zum Schluss
Trotz aller Leichtigkeit war es Durgun wichtig, der Reihe gegen Ende eine andere Richtung zu geben. In den letzten Szenen der sechsten Folge kommen ältere Menschen mit Migrationsgeschichte zu Wort. Sie berichten aus ihrem Leben und erhalten Raum für Erfahrungen, die sonst oft kaum öffentlich wahrgenommen werden. Gerade darin sieht Durgun eine besondere Stärke des Formats: Menschen, die seit Jahrzehnten hier leben, würden endlich gehört.
Oldenburg bleibt seine Heimat
Beruflich arbeitet Durgun bereits am nächsten Projekt und schreibt derzeit an seinem zweiten Buch. Er sagt, er habe den Punkt erreicht, von dem er immer geträumt habe. Sich kreativ entfalten zu können, erfülle ihn sehr.
Sollte der Erfolg irgendwann nachlassen, wäre das für ihn jedoch kein Drama. Er könne sich ebenso vorstellen, seine Masterarbeit zu beenden, das Referendariat zu machen und als Lehrer zu arbeiten. Den Beruf schätzt er sehr und nennt die Arbeit von Lehrkräften bedeutsam.
Eines steht für ihn ohnehin fest: Oldenburg will er nicht verlassen. Dort liege sein Anker. Für ihn sei es wichtig, in der Nähe seiner Familie und seiner Freunde zu bleiben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber