Allgemein

Kult auf zwei Rädern: Warum die Vespa mit 80 noch alle liebt

Wie wurde aus einem simplen Roller ein Weltkult? Die Vespa eroberte seit 1946 Italien – und dann den ganzen Globus.

26.06.2026, 06:27 Uhr

Vor italienischen Wohnhäusern und Bürogebäuden stehen sie oft in langen Reihen: Motorroller in allen Farben. Ob Geschäftsleute im Anzug, Frauen im Kostüm oder Pendler auf dem Weg zum Einkauf – sie alle schwingen sich auf die Vespa und manövrieren sich durch den dichten Verkehr enger Straßen. In Italien gehört der Roller seit Jahrzehnten fest zum Alltag, sei es für den Arbeitsweg, Besorgungen, ein Treffen zum Aperitivo oder die schnelle Fahrt quer durch die Stadt.

Für viele Menschen außerhalb Italiens verkörpert genau dieses Bild das italienische Lebensgefühl schlechthin: mit dem motorino durch Rom oder an der Amalfiküste entlangzufahren. Gerade in Deutschland wird diese Leichtigkeit seit langem mit großer Sehnsucht betrachtet. Davon profitierte auch die Vespa, die zum internationalen Erfolg wurde – nicht nur als Fahrzeug, sondern als Symbol für den italienischen Alltag.

80 Jahre Vespa

In diesem Jahr wird die Vespa 80 Jahre alt. 1946 liefen im Piaggio-Werk im toskanischen Pontedera die ersten Exemplare vom Band. Was damals begann, entwickelte sich zu einem weltweiten Kultobjekt. Piaggio-Chef Matteo Colaninno spricht heute von einem globalen Phänomen. Gefeiert wird das Jubiläum an diesem Wochenende mit einer großen Veranstaltung in Rom.

Der Anfang der Vespa war eher unspektakulär. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte der Flugzeughersteller Piaggio nach neuen Geschäftsfeldern. Firmenchef Enrico Piaggio wollte ein günstiges Verkehrsmittel schaffen, das für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich war. Schon bald fiel die Entscheidung zugunsten eines Motorrollers.

Vespa
Die Vespa – für viele Italiener Begleiter im Alltag. (Archivbild) Quelle: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa-Zentralbild/dpa

Eine neue Idee auf zwei Rädern

Mit der Entwicklung wurde der Ingenieur Corradino D’Ascanio beauftragt. Ausgerechnet er war kein Anhänger klassischer Motorräder. Er empfand sie als unbequem, schwerfällig und unpraktisch – unter anderem, weil Reifenwechsel aufwendig waren und Kettenantriebe Schmutz verursachten.

Gerade aus dieser Kritik heraus entstand ein für die damalige Zeit neuartiges Fahrzeug: ein Roller mit 125-Kubik-Zweitaktmotor und selbsttragender Karosserie. Das machte ihn leichter als viele andere Zweiräder. Da der Antrieb direkt auf das Hinterrad wirkte, entfiel die schmutzige Kette. Zudem sorgte der freie Durchstieg vor dem Sitz für Komfort und Alltagstauglichkeit – auch mit Taschen oder Einkäufen.

Als Enrico Piaggio den Prototypen mit seiner markanten Form gesehen haben soll, rief er angeblich begeistert aus, er sehe aus wie eine Wespe. Das italienische Wort dafür lautet: Vespa. Damit war der Name geboren.

Schon wenige Jahre später wurde der Roller auch international bekannt. Einen wichtigen Anteil daran hatte das Kino: Im Film Ein Herz und eine Krone aus dem Jahr 1953 fahren Audrey Hepburn und Gregory Peck auf einer Vespa durch Rom. Spätestens dadurch wurde der Roller zur Ikone.

Das Design bleibt unverwechselbar

Weltweit wurden inzwischen fast 20 Millionen Vespas in unterschiedlichen Modellreihen verkauft. Trotz technischer Weiterentwicklungen blieb das Grunddesign über Jahrzehnte hinweg erstaunlich konstant. Gerade diese behutsame Weiterentwicklung sorgt dafür, dass selbst aktuelle Modelle wie Primavera, Sprint S oder die elektrischen Varianten noch klar als Nachfahren der Vespa 98 von 1946 zu erkennen sind.

Ob zum 80. Geburtstag nun besonders viele oder sogar nahezu alle Modellgenerationen in Rom zu sehen sein werden, dürfte sich an diesem Wochenende zeigen. Der offizielle Geburtstag der Vespa ist zwar der 23. April 1946, als das Patent angemeldet wurde. Die große Feier für das italienische Kultfahrzeug steigt jedoch erst jetzt.

Große Jubiläumsfeier in Rom

Dass Rom als Ort der Feierlichkeiten gewählt wurde, überrascht kaum. Kaum eine andere Stadt ist so eng mit der Vespa verbunden wie die italienische Hauptstadt. Seit Donnerstag ist ein Teil des Foro Italico im Nordwesten Roms zum sogenannten Vespa Village geworden.

Höhepunkt des Jubiläums ist eine Parade am Samstag. Dann sollen Tausende Vespas aus unterschiedlichen Baujahren und Modellreihen durch Rom fahren – vorbei an vielen der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Auch Fans aus Deutschland reisen an

Zur Feier werden Mitglieder aus mehr als 60 Vespa-Clubs aus aller Welt erwartet. Die Beliebtheit des Rollers ist so groß, dass sich rund um ihn eigene Fangemeinschaften gebildet haben. Auch zahlreiche deutsche vespisti, wie sich Vespa-Liebhaber nennen, wollen dabei sein. Nach offiziellen Angaben haben zwischen 600 und 800 Teilnehmer aus Deutschland ihre Anreise bestätigt. Hinzu kommen viele weitere Fans, die als Zuschauer nach Rom reisen.

Damit dürfte sich an diesem Wochenende einmal mehr zeigen, dass die kleine italienische Vespa auch nach 80 Jahren nichts von ihrer Faszination verloren hat. In den Straßen Roms wird das typische Summen und Knattern, das ohnehin zum Stadtbild gehört, dann wohl noch lauter als sonst zu hören sein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen