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Kenia: Sektenführer nach Tod von 190 Kindern verurteilt

Über 400 Tote, viele Kinder: Wie ein selbst ernannter Prediger seine Anhänger mit dem Paradies-Versprechen in den Tod lockte

06.11.2026, 13:26 Uhr

Im Fall einer christlichen Hungersekte mit Hunderten Todesopfern hat ein Gericht in Kenia den selbst ernannten Prediger Paul Mackenzie zu 200 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Obergericht in der Küstenstadt Mombasa sprach ihn und 28 Mitangeklagte des Mordes an 190 Minderjährigen sowie einem Erwachsenen schuldig und bestätigte damit sein Urteil aus dem Oktober.

Die 28 Mitverurteilten erhielten Haftstrafen zwischen 10 und 160 Jahren. Zwei weitere Angeklagte waren während des Verfahrens gestorben. Gegen das Urteil können die Verurteilten binnen zwei Wochen Berufung einlegen.

Der Fall war im Frühjahr 2023 bekanntgeworden, als Ermittler im abgelegenen Waldgebiet Shakahola an Kenias Küste auf zahlreiche Massengräber stießen. Insgesamt wurden dort mehr als 400 Leichen entdeckt, viele bereits stark verwest. Obduktionen ergaben, dass zahlreiche Opfer verhungert waren. Andere wiesen laut Behörden Spuren schwerer Misshandlungen und Anzeichen von Ersticken auf.

Mackenzie, ein früherer Taxifahrer, hatte Anfang der 2000er Jahre die Good News International Church gegründet. In zunehmend radikalen Predigten wandte er sich gegen Bildung und moderne Medizin und überzeugte seine Anhänger davon, dass das Weltende unmittelbar bevorstehe. Überlebende berichteten, ihnen sei eingetrichtert worden, Leiden und Sterben seien der einzige Weg zu Jesus.

Hunderte Gläubige folgten ihm in den abgelegenen Wald, wo er große Landflächen gepachtet hatte. Dort lebten sie in Siedlungen mit biblischen Namen wie Bethlehem, Galiläa und Judäa.

Nach Zeugenaussagen herrschte in der Gruppe eine grausame Hierarchie des Sterbens: Zuerst sollten die Kinder verhungern, dann unverheiratete Frauen und schließlich die Männer. Die Anführer der Sekte sollten zuletzt sterben. Mackenzie soll seinen Anhängern versprochen haben, er werde als Letzter die „irdische Tür schließen“. Wer das Fasten nicht durchhielt oder nach Nahrung suchte, wurde demnach geschlagen. Ermittler beschrieben ein strenges System mit Stellvertretern, Wachleuten, Köchen und Totengräbern.

Die Angeklagten hatten bestritten, Menschen zum Hungern gezwungen zu haben, und behauptet, die Betroffenen hätten freiwillig gefastet. Mackenzie ließ über seine Anwälte erklären, auch er und die übrigen Beschuldigten seien Opfer der Tragödie. Das Gericht folgte dieser Darstellung jedoch nicht. Nach mehr als 120 Zeugenaussagen sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten zwischen Januar 2021 und September 2023 vorsätzlich für die Todesfälle verantwortlich waren. Der Richter hielt zudem fest, dass Mackenzie und die meisten Mitangeklagten keine Reue gezeigt hätten.

Die Anklage hatte für Mackenzie die Todesstrafe gefordert, die das Gericht jedoch ablehnte. Der Fall löste in Kenia eine breite Debatte über die staatliche Kontrolle religiöser Gemeinschaften aus. In dem mehrheitlich christlichen Land sind zehntausende religiöse Organisationen registriert, und monatlich kommen zahlreiche neue Anträge hinzu.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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