Donald Trump spricht von einem amerikanischen Erfolg, Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu von einem "historischen Sieg", und auch die Führung in Teheran erklärt sich zum Gewinner. Fachleute zeichnen jedoch Monate nach Kriegsbeginn ein sehr viel widersprüchlicheres Bild: Auf nahezu allen Seiten gibt es Verlierer – auch für die Weltwirtschaft und Verbraucherinnen und Verbraucher. Ein Überblick.
USA: Ziele verfehlt, Vertrauen beschädigt
Schon zwei Wochen nach Kriegsbeginn erklärte Trump, die USA hätten gesiegt. Trotzdem dauerte es noch Monate, bis Washington und Teheran sich auf ein vages Rahmenabkommen verständigten. Ein dauerhafter diplomatischer Durchbruch ist bislang nicht erreicht.
Nach Einschätzung von Dana Stroul vom Washington Institute for Near East Policy haben die USA ihre ursprünglichen Ziele klar verfehlt. Weder kam es zu einer vollständigen Unterwerfung Teherans, noch zu einem besseren Atomabkommen als jenem von 2015 unter Barack Obama. Auch der Anspruch, die iranische Bevölkerung vor dem harten Vorgehen der eigenen Führung zu schützen oder den Einfluss Teherans in der Region zurückzudrängen, sei unerfüllt geblieben.
Von einem klaren Sieg könne daher keine Rede sein. Stattdessen habe der Krieg offengelegt, wie brüchig das Vertrauen zwischen den USA und ihren arabischen Partnern inzwischen geworden ist. Gerade die Golfstaaten seien mehr denn je auf verlässliche Sicherheitsgarantien aus Washington angewiesen, zweifelten aber zunehmend an der Entschlossenheit der USA.

Auch das enge Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Israel bekam Risse. Laut Jon B. Alterman von der Denkfabrik CSIS betrachten inzwischen viele Amerikanerinnen und Amerikaner den gemeinsamen Krieg sehr skeptisch. Selbst politisch wenig interessierte Bürger hätten den Einsatz als eigennützig und für sie selbst nutzlos wahrgenommen. Zudem sorgte der Konflikt für Spannungen zwischen Trump und Netanjahu, der teils als treibende Kraft des Krieges dargestellt wurde.
Teheran reklamiert den Erfolg – doch die Bevölkerung zahlt den Preis
Bereits die Anfang April verkündete Feuerpause stellte die iranische Staatsführung als Sieg über zwei militärisch deutlich überlegene Gegner dar. Zwar wurden zahlreiche ranghohe Vertreter aus Politik und Militär getötet und wichtige Militär- sowie Industrieanlagen zerstört. Dennoch überstand die Staatsführung den Krieg zunächst, und der von den USA und Israel in Aussicht gestellte Sturz des Regimes blieb aus.
Nach dem Tod von Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei bei einem Luftangriff am ersten Kriegstag entstand jedoch ein Machtvakuum. Innerhalb des Herrschaftsapparats entbrannte daraufhin ein Streit über den künftigen Kurs der Islamischen Republik. Hardliner lehnen Gespräche mit den USA weiterhin ab, während Präsident Massud Peseschkian den Verhandlungskurs verteidigt. Das Mitte Juni unterzeichnete Rahmenabkommen bezeichnete er als großen Erfolg für die Menschen im Iran.
Nach verbreiteter Einschätzung von Experten gehört jedoch vor allem die iranische Bevölkerung zu den großen Verlierern dieses Krieges. Zwar endeten die massiven Luftangriffe, doch nun lasten hohe Preise, wirtschaftliche Not und fehlende Perspektiven auf der Gesellschaft. Viele Menschen bezweifeln zudem, dass mögliche Sanktionserleichterungen tatsächlich bei ihnen ankommen werden. Bereits im Januar waren viele Iranerinnen und Iraner wegen der autoritären Politik und der schweren Wirtschaftskrise auf die Straße gegangen; die Proteste wurden blutig niedergeschlagen.
Israels angeblicher "historischer Sieg" bleibt umstritten
Netanjahu spricht von einem historischen Erfolg gegen den Iran. Er erklärt, das iranische Atomprogramm sei ausgeschaltet worden. Nach seiner Darstellung seien damit zwei existentielle Bedrohungen beseitigt worden: die Gefahr eines Atomangriffs und ein Arsenal von 20.000 ballistischen Raketen.
Wie stark das iranische Atom- und Raketenprogramm tatsächlich und dauerhaft geschwächt wurde, ist jedoch umstritten. Die Internationale Atomenergie-Organisation, Geheimdienste und Fachleute kommen hier zu unterschiedlichen Bewertungen.
Netanjahu sagte zuletzt in einem Interview mit dem Sender Channel 14, er habe Israel vor der Vernichtung bewahrt, weil der Iran bereits über eine Atombombe verfügt habe. Dem widerspricht allerdings der unklassifizierte Jahresbericht der US-Geheimdienste, in dem es keine Hinweise auf eine politische Entscheidung Teherans zum Bau einer Atombombe gibt.
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz betonte auf X, zahlreiche Operationen, präzise Angriffe und taktische Erfolge bedeuteten noch keinen dauerhaften strategischen Vorteil. Das iranische Regime sei nicht gestürzt worden, und Israels diplomatische wie strategische Lage habe sich eher verkompliziert. Aus seiner Sicht war der Militäreinsatz daher kein strategischer Erfolg, sondern ein Fehlschlag.
Golfstaaten: wirtschaftlich schwer getroffen und politisch an den Rand gedrängt
Die Golfstaaten gehören zu den Akteuren, die diesen Krieg unbedingt verhindern wollten – und nun besonders unter seinen Folgen leiden. Ihr Image als sichere Standorte für Investitionen, Handel und Tourismus, etwa in Dubai, Riad oder Doha, wurde durch Tausende iranische Angriffe massiv beschädigt, auch wenn viele Geschosse abgefangen wurden.
Hinzu kommen enorme wirtschaftliche Schäden. Wegen der monatelangen Blockade der Straße von Hormus konnten Öl und Gas nicht oder nur eingeschränkt auf den Weltmarkt gelangen. Dadurch erlitt nicht nur der Energiesektor schwere Verluste, sondern auch Branchen wie Logistik und Luftverkehr.
Offenbar gescheitert ist aus Sicht vieler Beobachter auch die Strategie, die eigene Sicherheit vor allem durch US-Waffensysteme und amerikanische Truppenpräsenz abzusichern. Denn die USA begannen gemeinsam mit Israel den Krieg und nahmen dabei offenbar in Kauf, dass die Golfstaaten selbst zu Zielen werden könnten. In Ländern wie Katar, Bahrain oder Kuwait werden die großen US-Militärstützpunkte daher inzwischen eher als Risiko denn als Schutz gesehen.
Zwar hielten die Golfstaaten an ihrer Linie fest, sich nicht offen am Krieg gegen Iran zu beteiligen. In den nun laufenden Verhandlungen stehen sie dennoch weitgehend als Verlierer da: Abgesehen vom Vermittler Katar erhielten sie keinen Platz am Verhandlungstisch, an dem über die künftige Sicherheitsordnung in der Region gesprochen wird.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber