Bayern

Warum die Trinkwassersuche am Ammersee zu Erdgas führt

Gas unter Reichling, Ärger ums Wasser: Jetzt spitzt sich der Streit zu – und Politiker stellen Aiwanger eine heikle Forderung.

06.07.2026, 05:00 Uhr

Kommunalpolitiker verlangen Stopp der Gassuche bei Reichling – auch Bund Naturschutz erhöht den Druck

Politiker aus dem Landkreis Landsberg am Lech fordern von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, die Erdgaserkundung nahe des Ammersees vorerst auszusetzen. In einem Schreiben an den Freie-Wähler-Chef betont Landrätin Daniela Groß, die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser sei ein zentraler Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und müsse Vorrang vor der Suche nach neuen Gasquellen haben.

Unterzeichnet wurde der Brief neben der Landrätin auch von den Bürgermeistern aus Reichling, Utting, Dießen, Vilgertshofen, Rott und Pürgen sowie von Vertretern der betroffenen Wasserversorger.

Suche nach zusätzlichem Trinkwasser bislang ohne Erfolg

Im Landkreis wird weiterhin nach einer neuen Trinkwasserquelle gesucht, um die betroffene Gemeinde dauerhaft sicher und sauber zu versorgen. Besonders relevant ist das in Reichling, wo parallel nach Erdgas gesucht wird.

Zwar wird die Gemeinde derzeit über zwei Wassergewinnungsanlagen versorgt. Nach Angaben des Landratsamts reicht jedoch einer der Brunnen nicht aus, um beide Ortsteile langfristig zu versorgen. Deshalb wird schon seit längerer Zeit nach einem weiteren Brunnenstandort gebohrt – bislang ohne Erfolg.

Verlängerung der Gaskonzession erst nach Klärung der Wassersituation

Nach Auffassung der Kommunalpolitiker sollte die bestehende Genehmigung zur Gassuche im Feld „Lech Ost“ erst dann verlängert werden, wenn zwei Fragen geklärt sind: zum einen die Suche nach einem neuen Brunnenstandort für Reichling, zum anderen die tatsächliche Lage der Trinkwassereinzugsgebiete in den betroffenen Gemeinden und Zweckverbänden.

Solange die Wassereinzugsgebiete nicht festgelegt seien und die Brunnensuche weiterlaufe, wäre eine Verlängerung der Aufsuchungserlaubnis für weitere Bohrungen aus Sicht der Unterzeichner kontraproduktiv.

Sorge vor Schäden für das Grundwasser

In dem Brief wird außerdem auf mögliche Risiken für das Trinkwasser hingewiesen. Nach Angaben der Kommunalpolitiker ist im Erkundungsgebiet „Lech Ost“ laut Ankündigungen der beteiligten Unternehmen mit bis zu zehn Gasbohrungen zu rechnen.

Sie befürchten, dass solche Eingriffe die Suche nach geeigneten Brunnenstandorten zusätzlich erschweren könnten. Der Grund: Schutzschichten des Grundwassers könnten geschwächt werden, wodurch Schadstoffe leichter in tiefere Wasserschichten gelangen könnten. Aus ihrer Sicht muss deshalb das wirtschaftliche beziehungsweise „privatnützige“ Interesse an der Erkundung von Gasvorkommen hinter dem Schutz der Trinkwasserversorgung zurücktreten.

Dabei verweisen die Unterzeichner auch auf die jüngste Hitzewelle und rückläufige Niederschlagsmengen. Dadurch sei künftig mit einem steigenden Wasserbedarf in Haushalten, im Gewerbe und besonders in der Landwirtschaft zu rechnen.

Bund Naturschutz fordert Nichtverlängerung der Konzession

Zusätzlichen Druck macht der Bund Naturschutz. Dessen Landesvorsitzender Martin Geilhufe erklärte, Aiwanger müsse sich nun zwischen sicherem Trinkwasser für eine ganze Region und den Profitinteressen eines privaten Investors entscheiden. Aus seiner Sicht dürfe die Ende des Monats auslaufende Konzession nicht verlängert werden – das Gas müsse im Boden bleiben.

In rund 3.300 Metern Tiefe wird Erdgas vermutet

In Reichling, unweit des Ammersees, wird seit einiger Zeit wieder nach Erdgas gesucht. Schon vor Jahrzehnten hatte es dort ähnliche Vorhaben gegeben, die damals jedoch wegen mangelnder Rentabilität eingestellt wurden. Angesichts stark gestiegener Gaspreise wurde die Suche später wieder aufgenommen.

Nahe der laufenden Erkundung könnte schon bald eine weitere Bohrung bis in etwa 3.300 Meter Tiefe folgen. Hinter dem Projekt steht die Energieprojekt Lech Kinsau 1 GmbH. Nachdem eine Probebohrung im September 2025 abgeschlossen worden war, laufen derzeit Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit des Projekts. Das Unternehmen plante bislang mit einer Förderzeit von zehn bis 15 Jahren. Geschätzt wird ein Vorkommen von 400 bis 500 Millionen Kubikmetern Gas.

Kritik von Anwohnern und Umweltschützern hält an

Die Erdgaserkundung in Reichling stößt seit Langem auf deutlichen Widerstand aus der Bevölkerung und von Umweltverbänden. Von Beginn an gab es Befürchtungen, dass Trinkwasserquellen beeinträchtigt oder verunreinigt werden könnten.

Tatsächlich hatten Messungen im Umfeld der Bohrstelle zwischenzeitlich einen deutlichen Anstieg bei den Werten für Zink, Barium und BTEX ergeben. Teilweise wurden dabei die sogenannten Geringfügigkeitsschwellenwerte überschritten. Landrätin Groß verweist zudem darauf, dass auch der Eintrag von BTEX – also leichtflüchtigen aromatischen Kohlenwasserstoffen – in Reichling bis heute nicht abschließend geklärt ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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