Sylvester Stallone: Ein Leben wie fürs Kino
Dass Hollywood die Geschichte eines Schauspielers selbst verfilmt, kommt nur äußerst selten vor. Dafür braucht es eine außergewöhnliche Karriere – wie die von Sylvester Stallone.
Der geplante Film „I Play Rocky“ soll keine weitere Episode der berühmten Boxer-Saga werden. Stattdessen will Regisseur Peter Farrelly („Green Book“) erzählen, wie sich Stallone in Hollywood jahrelang mühsam behauptete, bevor ihm 1976 mit „Rocky“ der große Durchbruch gelang. Heute feiert der Star seinen 80. Geburtstag.
Der schwierige Start in Hollywood
Stallones Lebensweg liefert reichlich Stoff für die Leinwand. Der in New York geborene Sohn eines italienischen Einwanderers schlug sich zu Beginn der 1970er Jahre mit kleineren Rollen durch. Mit 25 wirkte er in dem Erotikfilm „The Party at Kitty and Stud’s“ mit. Danach folgten nur kurze Auftritte, etwa als Schläger in Woody Allens „Bananas“ oder in dem Thriller „Klute“ mit Jane Fonda.
Weil seine Schauspielkarriere kaum vorankam, schrieb Stallone selbst das Drehbuch zu „Rocky“ – und schuf sich die Hauptfigur Rocky Balboa gleich mit. Ein Studio wollte das Skript kaufen, traute ihm wegen seiner leichten Gesichtslähmung und Sprachstörung aber nicht die Hauptrolle zu. Stallone lehnte das Angebot dennoch ab, organisierte eigenes Geld und setzte durch, selbst vor der Kamera zu stehen.
„Rocky“ wird zum Oscar-Erfolg
Der Mut zahlte sich aus: „Rocky“ wurde 1977 zu einer der großen Überraschungen bei den Oscars. Das Drama kam auf zehn Nominierungen und gewann die Preise für besten Film, Regie und Schnitt. Stallone war zwar sowohl als Darsteller als auch für das Originaldrehbuch nominiert, ging aber ohne Trophäe nach Hause. International machte ihn der Film dennoch über Nacht zum Superstar.

Von Rocky zu Rambo und darüber hinaus
Nach diesem Triumph folgte mit „Rambo“ die nächste ikonische Figur. Der wortkarge Kriegsveteran wurde ebenso zur Marke wie Rocky Balboa. Neben zahlreichen Fortsetzungen drehte Stallone unter anderem „Demolition Man“ mit Sandra Bullock, „Judge Dredd“ mit Diane Lane sowie „Escape Plan“ an der Seite von Arnold Schwarzenegger.
Auch als Anführer einer Söldnergruppe in „The Expendables“ blieb er dem Actionkino treu. Zuletzt stand er dafür noch 2023 bei „The Expendables 4“ vor der Kamera – mit 77 Jahren.
Viele Stunts, viele Eingriffe
Die jahrzehntelange Actionkarriere blieb körperlich nicht ohne Folgen. 2019 sagte Stallone beim Filmfestival in Cannes, er habe wohl rund 30 Operationen hinter sich. Vieles an seinem Körper sei inzwischen repariert oder „zusammengeflickt“. Morgens, so scherzte er, müsse er erst einmal „geölt“ werden, bevor wieder alles richtig funktioniere.
In der Reality-Serie „The Family Stallone“, in der er gemeinsam mit Ehefrau Jennifer Flavin und den drei Töchtern sein Privatleben zeigte, sprach er 2024 auch über eine schwere Verletzung beim Dreh von „The Expendables“. Rückblickend räumte er ein, bei Stunts manches unvernünftig angegangen zu sein. Heute würde er eher davon abraten, gefährliche Szenen selbst zu übernehmen. Seine Frau ergänzte, die vielen Operationen seien belastend gewesen – besonders die zahlreichen Eingriffe am Rücken.
Auftritt mit Gehstock – und weiter im Training
Im vergangenen Dezember erschien Stallone bei einer Feier im Weißen Haus mit Gehstock. Dort überreichte US-Präsident Donald Trump ihm und weiteren Künstlern die Kennedy-Center-Medaillen für ihr Lebenswerk. Bilder des Schauspielers mit Gehhilfe verbreiteten sich rasch im Internet.
Schon im Januar zeigte sich Stallone auf Instagram wieder im Fitnessstudio – im Muskelshirt und voller Motivation. Den Trainingsraum bezeichnete er als eine Art „Kirche“, in der man darum bitte, körperlich stärker zu werden, um seine Ziele weiterzuverfolgen. Mit zunehmendem Alter werde das zwar schwerer, schrieb er, doch genau deshalb müsse man noch entschlossener dranbleiben.
Ruhestand? Nicht mit Stallone
An ein Karriereende denkt Stallone offenbar nicht. Im Frühjahr drehte er die vierte Staffel von „Tulsa King“, in der er einen Mafiaboss spielt, der in Oklahoma sein Revier aufbaut. Die Serie markiert gleich doppelt Neuland für ihn: Es ist seine erste große TV-Hauptrolle und zugleich sein erster größerer Auftritt als Mafioso.
Außerdem ist er an „John Rambo“ beteiligt, einem Prequel über die Vorgeschichte des berühmten Vietnamveteranen. Nachdem Stallone die Figur in fünf Filmen verkörpert und populär gemacht hat, ist er nun als ausführender Produzent an Bord.
Politische Rolle in Hollywood
Über Stallones Aufgabe als eine Art „Sonderbotschafter“ für Hollywood ist bislang wenig bekannt. Im Januar 2025 hatte Donald Trump ihn gemeinsam mit Mel Gibson und Jon Voight für diese Funktion benannt. Trump erklärte damals, die drei Schauspieler sollten seine „Augen und Ohren“ in der Filmmetropole sein und dabei helfen, Hollywood wieder stärker zu machen.
Bald erscheinen seine Memoiren
Noch persönlicher wird Stallone im Herbst: Für September sind seine Memoiren „The Steps. Die Geschichte meines Lebens“ angekündigt. Darin will er seinen Weg von einer schwierigen Kindheit über die frühen Jahre in New York bis hin zum Durchbruch mit „Rocky“ nachzeichnen.
Nach eigener Aussage steckt in dem Buch die Essenz dessen, was er weitergeben möchte: der Reiz des Kampfes, das Durchhalten und die Fähigkeit, auch dann noch aufrecht zu stehen, wenn in der letzten Runde schon die Glocke läutet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber