Böller und Raketen werden längst nicht mehr nur rund um Silvester gezündet. Zuletzt kam es auch an Halloween in mehreren Bundesländern zu Zwischenfällen, bei denen Pyrotechnik in Menschenmengen oder gegen Einsatzkräfte eingesetzt wurde. Die Polizei beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge und fordert mehr Abschreckung.
Nach Angaben des Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Heiko Teggatz, verschärfen vor allem das gezielte Horten von Feuerwerkskörpern und der ganzjährige Kauf im Ausland das Problem. Besonders in Ländern wie Polen sei bestimmte Pyrotechnik ohne die in Deutschland geltenden Beschränkungen erhältlich. Hierzulande dürfen Feuerwerksartikel grundsätzlich nur vom 29. bis 31. Dezember verkauft werden.
Aus Sicht der DPolG fehlt es dem Zoll, der die Einfuhr kontrollieren soll, an ausreichend Personal. Deshalb sei davon auszugehen, dass die bei den jüngsten Ausschreitungen verwendeten Feuerwerkskörper auf unterschiedlichen illegalen Wegen nach Deutschland gelangt seien.
Die Gewerkschaft setzt auf eine stärkere abschreckende Wirkung des Strafrechts und sieht die Politik in der Pflicht. Teggatz fordert, dass das Zünden verbotener Pyrotechnik, unerlaubter Besitz oder Gebrauch sowie der Einsatz von Feuerwerkskörpern als Waffe gegen Menschen – auch gegen Polizeikräfte – deutlich härter bestraft werden müssten als bisher.
GdP sieht in Böllern ein Dauerärgernis
Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) betrachtet Böller als ständiges Problem – bei Demonstrationen, in Fußballstadien und an Silvester. So kam es am Samstag nach Jugend-Demonstrationen in mehreren deutschen Städten zu Ausschreitungen durch Randalierer, bei denen wiederholt Feuerwerkskörper explodierten. In der Frankfurter Innenstadt flogen Böller gegen einen Wasserwerfer der Polizei, in Halle wurden Polizisten unter anderem mit Pyrotechnik beworfen.
Auch in deutschen Fußballstadien wird regelmäßig Feuerwerk gezündet. Teilweise beschießen sich rivalisierende Fangruppen sogar gegenseitig mit Pyrotechnik. Dabei wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach Menschen teils schwer verletzt.
In Deutschland wird deshalb immer wieder über ein generelles Böllerverbot diskutiert. Eine solche Regelung fordern unter anderem die GdP, Vertreter der Ärzteschaft sowie Umwelt- und Tierschützer. Bislang konnten sich die Innenminister von Bund und Ländern jedoch nicht auf ein Verbot privater Feuerwerksnutzung einigen. In den Niederlanden hingegen soll nach einem Parlamentsbeschluss bereits zum bevorstehenden Jahreswechsel erstmals ein Böllerverbot gelten. Eine Mehrheit der Bevölkerung unterstützt dort diese Maßnahme.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber