Fußball

„Dann killen die uns“: Rätselhafter Verdacht beim VfB

Pfiffe, Pech, wilde Vorwürfe: Stuttgart stemmt sich in Istanbul gegen alles – und geht doch im Hexenkessel unter.

04.11.2026, 12:20 Uhr

VfB unterliegt in Istanbul erstmals – Diskussionen um Pfeifkonzert und bittere Chancenverwertung

Der kräftezehrende Abend in Istanbul ging am VfB Stuttgart nicht spurlos vorbei. Mittelfeldmann Atakan Karazor verließ das Ali Sami Yen Spor Kompleksi nur noch humpelnd, Ersatztorhüter Fabian Bredlow äußerte Zweifel an der Herkunft mancher Pfiffe von den Rängen, und Kapitän Deniz Undav zeigte sich nach dem 0:2 bei Galatasaray kämpferisch.

„Wir haben gekämpft, gearbeitet und alles reingeworfen. Heute hat es leider nicht gereicht“, sagte Undav nach der Partie.

Für die Stuttgarter war es im vierten Spiel der Champions-League-Ligaphase die erste Niederlage. Der VfB bleibt damit bei sieben Punkten. Die hitzige Atmosphäre im Stadion wollte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth jedoch nicht als Hauptgrund für die Pleite gelten lassen. Aus seiner Sicht habe die Kulisse eher angespornt als gehemmt. Man habe die Lautstärke ausgehalten und sei gesundheitlich unbeschadet geblieben, erklärte er.

Bredlow wundert sich über Pfiffe

Bredlow nahm die Geräuschkulisse deutlich kritischer wahr. Vor allem die enorme Lautstärke und das anhaltende Pfeifkonzert hätten die Verständigung auf dem Platz erschwert, sagte der 31-Jährige. Besonders irritiert zeigte er sich darüber, dass selbst während Gesängen plötzlich wieder Pfiffe zu hören gewesen seien. Dabei sei ihm der Gedanke gekommen, „da stimmt doch was nicht“.

Vor allem in der Anfangsphase habe er die Wucht der Atmosphäre besonders gespürt. Im weiteren Verlauf des Spiels habe er die Geräusche jedoch etwas ausgeblendet. Hörprobleme habe er jedenfalls keine, ergänzte der Stuttgarter Torwart mit einem Schmunzeln.

Galatasaray Istanbul - VfB Stuttgart
Geliebt und gefürchtet: die lautstarken Fans von Galatasaray Istanbul. Quelle: Mustafa Alkac/dpa

Schon vor dem Anpfiff hatte das Thema für Unruhe gesorgt. Die Social-Media-Abteilung des VfB veröffentlichte ein Foto einer Lautsprecheranlage im Stadion und versah es mit drei Grübel-Emojis. Einige Galatasaray-Fans werteten das als Provokation. Nach teils heftigen Reaktionen löschte der Club den Beitrag wieder und entschuldigte sich. Galatasaray nahm die Entschuldigung an.

Undav bleibt trotzig

Undav selbst konnte der Debatte um mögliche künstliche Unterstützung des Pfeifkonzerts wenig abgewinnen. „Juckt mich gar nicht“, sagte der Angreifer. Bei einer Rudelbildung war er unmittelbar zur Stelle und erklärte seine Reaktion gewohnt direkt: Es sei immer gut, sofort da zu sein und ein wenig einzuheizen.

Trotz der Niederlage zeigte sich Undav zufrieden mit der Mentalität seiner Mannschaft. Er betonte, dass der VfB gut dagegengehalten habe und mit etwas mehr Glück zumindest einen Punkt hätte mitnehmen können. Die Stuttgarter hätten sich mehrere Chancen erspielt und könnten auf dieser Leistung aufbauen.

Weniger zuversichtlich äußerte sich der Offensivspieler mit Blick auf die Nationalmannschaft. Er rechnet nach eigener Aussage nicht damit, an diesem Donnerstag von Bundestrainer Jürgen Klopp für die abschließenden Nations-League-Gruppenspiele in Serbien am 13. November und gegen die Niederlande am 16. November nominiert zu werden.

Bislang habe er keinerlei Signale erhalten. Auf die Frage nach seiner Hoffnung antwortete er knapp: „Gar nicht.“ Seine Einschätzung begründete er in gewohnt lockerer Art damit, dass es ohne Tore eben schwer sei, berücksichtigt zu werden. Eine Aussage, die letztlich auch zum Stuttgarter Auftritt am Bosporus passte.

Verletzungspech und vergebene Möglichkeiten

Aus Stuttgarter Sicht kamen mehrere ungünstige Faktoren zusammen. Neben der mangelnden Chancenverwertung beklagten die Schwaben auch Verletzungspech und unglückliches Timing.

Karazor zog sich offenbar bereits in der 11. Minute eine Blessur am Oberschenkel zu, wurde aber erst sieben Minuten später ausgewechselt. In genau dieser Phase schlug Galatasaray eiskalt zu: Aleksei Batrakov traf in der 12. und 15. Minute doppelt.

Kurz zuvor hatte Jamie Leweling auf der anderen Seite großes Pech gehabt, als er in der 8. Minute gleich zweimal am Pfosten scheiterte. Für Bredlow war das eine Schlüsselszene. Wäre dieser Ball im Tor gelandet, hätte das Spiel womöglich eine ganz andere Richtung genommen. Stattdessen sei der VfB innerhalb weniger Minuten entscheidend bestraft worden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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