Fußball

Klopp knallhart: So entscheidet er bei Füllkrug

Klopp muss radikal streichen: Wer schafft es in den Nations-League-K.o.-Kader – und sorgt Füllkrug wieder für Zoff?

04.11.2026, 11:54 Uhr

Klopp vor kniffliger Kaderentscheidung beim DFB

Jürgen Klopp hat in den vergangenen Wochen nicht nur mit lockeren Bemerkungen für Aufmerksamkeit gesorgt, sondern steht nun auch vor einer heiklen Aufgabe: Für die anstehenden Nations-League-Spiele der Nationalmannschaft muss der Bundestrainer sein Aufgebot deutlich verkleinern. Statt eines riesigen Spielerpools wie bei seinem Einstand wird diesmal ein wesentlich kompakterer Kader erwartet.

Großes Premieren-Aufgebot wird zusammengestrichen

Bei seinem Debüt hatte Klopp mit einem ungewöhnlich großen 44er-Kader für Diskussionen gesorgt. Für die letzten beiden Gruppenspiele gegen Serbien am 13. November und gegen die Niederlande am 16. November ist ein solches XXL-Aufgebot jedoch keine realistische Option mehr. Klopp selbst hatte bereits angekündigt, dass die Mannschaft diesmal kleiner ausfallen werde.

Zwar sieht der Nationaltrainer die Vielzahl an verfügbaren Spielern als Vorteil, doch nun muss er Prioritäten setzen. Wegen der UEFA-Vorgaben sind pro Spiel nur 23 Akteure vorgesehen, insgesamt dürfte der Kader kaum mehr als 26 Spieler umfassen. Einige Profis werden deshalb trotz Nominierung wohl nur auf der Tribüne sitzen. Sicher fehlen werden die verletzten Bayern-Spieler Jamal Musiala und Serge Gnabry.

Für viele Debütanten wird es eng

Vor allem für einige der Neulinge aus dem September-Lehrgang dürften die Chancen auf eine erneute Berufung gesunken sein. Spieler wie Mika Baur oder Yannik Engelhardt haben es im Konkurrenzkampf schwer. Auch hinter Überraschungsnamen wie Felix Keidel oder Max Rosenfelder stehen Fragezeichen.

Jürgen Klopp
Klopp wird diesmal deutlich weniger Spieler in die DFB-Elf berufen. (Archivbild) Quelle: Christian Charisius/dpa

Im Mittelpunkt der Debatte steht allerdings Niclas Füllkrug. Klopp hatte mit einer beiläufigen Bemerkung über das Alter des Stürmers eine neue Diskussion ausgelöst. Der Bremer trifft in der Bundesliga regelmäßig, ist mit 33 Jahren aus Sicht des Bundestrainers aber offenbar nicht unbedingt die erste Wahl für die Zukunft. Sein letzter Einsatz im DFB-Trikot liegt bereits einige Zeit zurück.

Füllkrug polarisiert, Klopp denkt langfristig

Wie so oft beim Thema Füllkrug gehen die Meinungen auseinander. Lothar Matthäus sprach sich klar für eine Rückkehr des erfahrenen Angreifers aus, während Thomas Hitzlsperger zurückhaltender argumentierte. Kaum ein Spieler spaltet das Umfeld derzeit so sehr wie der Mittelstürmer.

Entscheidend ist jedoch, dass Klopp seine Mannschaft nach klaren Vorstellungen formen will. Für ihn stehen nicht nur aktuelle Leistungen, sondern auch Perspektive und Systemtauglichkeit im Vordergrund. Nach dem torlosen Spiel in Griechenland machte er deutlich, dass die Mannschaft auf dem bisher Erarbeiteten aufbauen solle und nicht wieder bei null beginnen dürfe.

Sportlich ist die Lage angespannt

In der Nations League verlief der jüngste Viererblock eher durchwachsen. Deutschland gewann lediglich gegen Schlusslicht Serbien, holte einen ordentlichen Punkt in den Niederlanden, verlor aber gegen Griechenland und kam dort zuletzt nicht über ein 0:0 hinaus. Damit ist der Einzug ins Viertelfinale alles andere als sicher.

Im Rennen mit Griechenland und Oranje um die K.-o.-Rundenplätze könnte am Ende sogar das Torverhältnis oder andere Rechenspiele entscheidend werden. Im ungünstigsten Fall drohen dem DFB-Team sogar Relegation oder Abstieg in Liga B. Zudem wäre ein vierter Platz auch mit Blick auf die Auslosung der EM-Qualifikation problematisch.

Konkurrenzkampf im Angriff

Im Sturmzentrum gilt Kai Havertz als gesetzt. Dahinter bewarben sich zuletzt Nick Woltemade sowie die Frankfurter Younes Ebnoutalib und Jonathan Burkardt um weitere Plätze, ohne dabei mit Toren zu überzeugen.

Aus der U21 drängen zudem Paris Brunner und Nicolo Tresoldi nach. Gerade Tresoldi muss allerdings zunächst noch klären, ob er künftig für Deutschland oder Italien auflaufen will. Für die vordersten Positionen hat Klopp nur wenige freie Plätze zu vergeben.

Undav rechnet selbst nicht mit Nominierung

Deniz Undav hat seine Chancen für das Länderspieljahr 2026 selbst eher pessimistisch eingeschätzt. Der Stuttgarter glaubt nach eigener Aussage kaum an einen positiven Anruf des Bundestrainers. Fehlende Treffer sprechen derzeit gegen ihn.

Hinzu kommt, dass Undav nicht ideal in Klopps bevorzugtes System mit schnellen Flügelspielern passt. Davon könnten eher Spieler wie Karim Adeyemi oder Derry Scherhant profitieren. Auch Philipp Treu hat sich als Option für die rechte Abwehrseite empfohlen, fehlte zuletzt aber wegen einer Knöchelverletzung.

Rechts hinten bleibt eine Baustelle

Weil Josha Vagnoman mit einer Oberschenkelverletzung ausfällt, könnte sich auf der rechten Defensivseite erneut ein personelles Problem ergeben. Eine Rückversetzung von Joshua Kimmich auf diese Position scheint eher unwahrscheinlich. Zuletzt hatte es um den Kapitän ohnehin schon genug Diskussionen gegeben.

Nach dem plötzlichen Tod von Kimmichs Vater wollte Klopp weitere Debatten über den Bayern-Profi verständlicherweise nicht vertiefen. Klar ist für ihn jedoch, dass Kimmich in seiner Mannschaft gesetzt bleibt. Offen ist nur, auf welcher Position er genau eingeplant wird und wer an seiner Seite spielen soll. Dafür kommen unter anderem Aleksandar Pavlovic, Tom Bischof oder Felix Nmecha infrage.

Auch im Tor muss Klopp Farbe bekennen

Neben der Feldspieler-Auswahl bleibt die Torwartfrage spannend. Noch ist offen, ob Klopp sich frühzeitig auf eine klare Nummer eins festlegt oder den Konkurrenzkampf offenhält. Marc-André ter Stegen bringt Erfahrung mit, Jonas Urbig gilt dagegen als vielversprechende Zukunftslösung.

Vor den entscheidenden Nations-League-Spielen muss Klopp nun also nicht nur sportlich die Weichen stellen. Vor allem personell wird sich zeigen, welchen Kurs der Bundestrainer beim Neuaufbau der Nationalmannschaft tatsächlich einschlägt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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