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Hai-Alarm in Australien: Schutz oder Sicherheit?

Nach Horror-Attacke in Sydney: Können Drohnen Haie stoppen – oder ist die Gefahr am Strand in Australien nie kontrollierbar?

16.06.2026, 05:00 Uhr

Haiangriff vor Coogee Beach entfacht in Australien erneut Streit über Schutzmaßnahmen

Eigentlich schien am berühmten Coogee Beach in Sydney alles auf einen ruhigen Badetag hinzudeuten: klares Wasser, kaum Wellen und Rettungsschwimmer am Strand. Umso größer war der Schock, als am Wochenende nur rund 30 Meter vor der Küste eine 35 Jahre alte Frau von einem großen Hai angegriffen wurde. Nach ersten Einschätzungen könnte es sich um einen Weißen Hai gehandelt haben. Die Mutter überlebte, erlitt jedoch schwerste Verletzungen.

Nach Angaben ihrer Familie wurde ihr linkes Bein lebensgefährlich verletzt, zudem musste ein Arm amputiert werden. In einer Erklärung, aus der australische Medien zitierten, hieß es, sie werde langfristig intensive medizinische Versorgung, Unterstützung und Rehabilitation benötigen. Die Angehörigen äußerten sich tief erschüttert über das Schicksal der lebensfrohen Frau.

Neue Forderungen nach Hai-Tötungen

Der Angriff ist kein Einzelfall. In New South Wales ist die Zahl der Hai-Vorfälle in den vergangenen Monaten gestiegen. Bereits im Januar hatten die Behörden innerhalb von 48 Stunden vier Zwischenfälle registriert, was in den Medien als ungewöhnliche Häufung bezeichnet wurde. Damit wächst der Druck auf die Politik, härter zu reagieren.

Erneut werden Stimmen laut, die sogenannte „Shark Culls“, also gezielte Tötungen von Haien, fordern. Landwirtschaftsministerin Tara Moriarty, die auch für das Hai-Management zuständig ist, wollte ein solches Vorgehen nicht grundsätzlich ausschließen. Mit der Aussage, man schließe nichts aus, belebte sie eine alte, in Australien seit Jahren umstrittene Debatte: Sollten Haie getötet werden, um Badegäste besser zu schützen?

Frau in Sydney bei Hai-Angriff lebensgefährlich verletzt
Viele Strände in Australien werden von Drohnen überwacht. Quelle: Anna Kucera/AAP/dpa

Befürworter verweisen darauf, dass jeder verhinderte Angriff drastische Schritte rechtfertigen könne. Wissenschaftler und Umweltschützer widersprechen jedoch. Haie legten weite Strecken zurück, und getötete Tiere würden oft rasch durch andere ersetzt. Einen klaren Beleg dafür, dass Fang- oder Abschussprogramme die Zahl der Attacken dauerhaft senken, gebe es nicht.

Weißer Hai steht unter Schutz

Hinzu kommt ein rechtliches Problem: Fachleute vermuten, dass der Angreifer vor Coogee ein Weißer Hai war. Diese Art ist in Australien streng geschützt. Der Premier von New South Wales, Chris Minns, machte deshalb schnell deutlich, dass eine Keulung in diesem Fall nicht infrage komme. Anders sehe es bei Bullenhaien aus, die in der Region ebenfalls mit Angriffen in Verbindung gebracht werden. Dort wollte Minns Maßnahmen nicht von vornherein ausschließen.

So schützt New South Wales bisher seine Strände

Der Bundesstaat setzt bislang auf verschiedene Schutzmethoden: traditionelle Hainetze, sogenannte SMART-Drumlines, bei denen gefangene Haie schnell geortet und wieder freigelassen werden, elektronische Überwachung markierter Tiere und Drohnenflüge. Jährlich investiert New South Wales dafür rund 30 Millionen australische Dollar.

Der jüngste Vorfall stellt das System jedoch infrage. Ausgerechnet über Coogee Beach waren am Wochenende keine Überwachungsdrohnen im Einsatz. Grund dafür sind Flugbeschränkungen wegen der Nähe zum Flughafen Sydney. Zwar werden etwa 80 Strände im Bundesstaat aus der Luft kontrolliert, doch Gebiete in der Einflugschneise sind oft ausgenommen.

Drohnen gelten vielen als beste Lösung

Für Steven Pearce von Surf Life Saving NSW zeigt der Angriff deutlich die Grenzen der bisherigen Maßnahmen. Seine Organisation betreibt nach eigenen Angaben das weltweit größte Drohnenprogramm zur Strandüberwachung und führt pro Jahr mehr als 100.000 Einsätze durch. Gerade am Tag der Attacke seien die Sichtverhältnisse außergewöhnlich gut gewesen.

Pearce betonte, bei solch klarem Wasser und ruhiger See hätten Drohnen vermutlich zahlreiche Meerestiere erkennen können. Aus seiner Sicht ist die Technik der wirksamste Weg, um Haie frühzeitig zu entdecken und Menschen im Wasser rechtzeitig zu warnen. Drohnen seien dafür deutlich besser geeignet als Hainetze.

Warum es zu Angriffen kommt

Fachleute weisen darauf hin, dass Menschen nicht zur natürlichen Beute von Haien gehören, die seit Hunderten Millionen Jahren auf der Erde existieren. Viele Angriffe dürften auf Verwechslungen beruhen. Von unten betrachtet könnten Schwimmer oder Surfer einer Robbe oder anderer Beute ähneln. Das Problem ist jedoch, dass schon ein einzelner Testbiss eines großen Raubfischs schwere oder tödliche Verletzungen verursachen kann.

Mehr Begegnungen durch veränderte Bedingungen?

Mit jedem neuen Vorfall wächst die Sorge. Experten warnen, dass sich die Bedingungen an Australiens Küsten verändern. Wärmeres Wasser und veränderte Wanderrouten könnten dazu führen, dass Menschen und große Haie häufiger aufeinandertreffen.

Die Regierung hat deshalb in diesem Jahr weitere Millionen in Schutzprogramme, Forschung und Überwachung investiert. Ob das ausreicht, ist offen. Ministerin Moriarty betonte, es gebe keine perfekte Lösung: Menschen teilten sich den Ozean nun einmal mit wilden Tieren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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