Bayern

KI-Schummelei? Kultusministerium stoppt Störsender

KI-Spicker im Abi? Bayerns Schulen suchen fieberhaft nach Lösungen – doch ausgerechnet diese Maßnahme ist tabu.

16.06.2026, 04:00 Uhr

Das bayerische Kultusministerium hat Forderungen nach einer technischen Unterbindung des Datenverkehrs zur Verhinderung von KI-gestütztem Prüfungsbetrug zurückgewiesen. Eine Sprecherin erklärte auf Anfrage, der Einsatz von Geräten, die Mobilfunk, WLAN oder GPS stören, sei an deutschen Schulen gesetzlich verboten und könne strafrechtliche Folgen haben.

Nach Angaben des Ministeriums dürfen solche Störgeräte laut Telekommunikationsgesetz nur von der Bundesnetzagentur oder bestimmten Sicherheitsbehörden verwendet werden. Zudem entstünden dadurch erhebliche Risiken: Im Ernstfall könnten Notrufe nicht abgesetzt werden, außerdem könnten Menschen mit medizinischen Hilfsmitteln wie Hörgeräten, Insulinpumpen oder Herzschrittmachern gefährdet werden.

Lehrerverband fordert technische Lösungen

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hatte sich in einem offenen Brief an Kultusministerin Anna Stolz gewandt. Darin wurde gefordert, praktikable technische Maßnahmen für Bayern zu entwickeln, um Täuschungsversuche mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz dauerhaft zu erschweren. Gemeint sind unerlaubte Hilfsmittel oder klassisches Spicken.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann betonte jedoch, man habe nicht ausdrücklich nach Störsendern verlangt. Auch andere Kontrollsysteme wie etwa Detektoren seien aus ihrer Sicht nicht die Lösung. Vielmehr kritisierte sie, dass die bisherigen Empfehlungen für Lehrkräfte wenig alltagstauglich seien. Welche technischen Alternativen konkret infrage kommen könnten, ließ sie offen.

Schulen stehen vor wachsenden Problemen

Der Einsatz von KI sorgt an bayerischen Schulen zunehmend für Schwierigkeiten bei der Sicherung fairer Prüfungen. Moderne Hilfsmittel wie Smartwatches, winzige Ohrhörer oder vernetzte Brillen machen Täuschungen immer einfacher und zugleich schwerer nachweisbar.

An einigen Schulen führte diese Entwicklung zuletzt bereits zu ungewöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen. So wurde mancherorts das Tragen von Hemden in Abiturprüfungen untersagt, weil Kameras in Knöpfen befürchtet wurden. Kuscheltiere und andere Glücksbringer sind bei Prüfungen ohnehin schon länger häufig nicht erlaubt.

Das Kultusministerium erklärte, die rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz genau im Blick zu behalten. Schulen würden umfassend für das Thema sensibilisiert. Eine wirksame Vorbeugung gegen Unterschleif könne nur durch das Zusammenspiel technischer und organisatorischer Maßnahmen gelingen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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