Fall aus Velbert geht vor den Bundesgerichtshof
Der Fall um mehrere mutmaßliche Vergiftungsversuche in Velbert wird nun den Bundesgerichtshof beschäftigen. Nach Angaben einer Sprecherin des Landgerichts Wuppertal wurde für beide Verurteilten Revision eingelegt.
Das Landgericht hatte die Ehefrau des Opfers sowie dessen frühere Geliebte schuldig gesprochen. Die 59 Jahre alte Ehefrau erhielt wegen versuchten Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe. Ihre 60-jährige Mitangeklagte aus dem bayerischen Fürth wurde wegen Beihilfe zu vier Jahren Haft verurteilt. Die Frau, eine vorzeitig pensionierte Lehrerin, hatte eine Beziehung mit dem Mann.
Der 57-Jährige überlebte den letzten Anschlag nur knapp. Besonders brisant: Ausgerechnet sein Lieblingsessen, weiße Bohnen mit Speck, wurde ihm beinahe zum Verhängnis. Mehrere vorangegangene Vergiftungsversuche waren offenbar unentdeckt geblieben. Lediglich bei einem Vorfall hatte der Mann Beschwerden verspürt, ohne jedoch einen Verdacht zu entwickeln.
Giftpflanze im Internet besorgt
Nach den Feststellungen des Gerichts hatten sich die beiden Frauen angefreundet. Die 60-Jährige soll für ihre Bekannte das Gift der Pflanze Blauer Eisenhut online bestellt haben. Hintergrund der Tatpläne soll die neue Partnerin des Ehemanns gewesen sein. Er lebte bereits mit ihr zusammen und hatte angekündigt, sich scheiden zu lassen.
Dem Gericht lag die komplette Chat-Kommunikation der beiden Frauen vor. Daraus ging hervor, dass sie über Wochen hinweg die Vergiftungen besprochen und vorbereitet hatten. Die Angeklagte aus Bayern hatte zu Beginn des Prozesses eingeräumt, das Gift beschafft zu haben.

Sie erklärte jedoch, die Tötungsabsichten ihrer Freundin nicht ernst genommen zu haben. Wegen einer Krebserkrankung und eines massiven Alkoholkonsums von täglich zwei Flaschen Wein sei ihre Urteilsfähigkeit damals eingeschränkt gewesen, sagte sie.
Laut Anklage mischte die Hauptangeklagte ihrem Ehemann über mehrere Wochen hinweg zunächst zerstoßene Pflanzensamen und später Bestandteile des hochgiftigen Blauen Eisenhuts in Bier und Essen.
Giftspuren im Magen nachgewiesen
Anfang November 2025 kam der Mann nach dem Verzehr seines Lieblingsgerichts mit schweren Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus. Dort musste er zeitweise in ein künstliches Koma versetzt werden und schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr.
Später konnten Fachleute in den Magenresten des Essens Spuren von Blauem Eisenhut nachweisen. Die Pflanze zählt wegen des enthaltenen Wirkstoffs Aconitin zu den gefährlichsten Giftpflanzen Europas.
Hausdurchsuchungen und die Auswertung des Mobiltelefons der 59-Jährigen verstärkten den Verdacht, dass sie die Mahlzeiten gezielt präpariert hatte. Beide Frauen, deutsche Staatsangehörige, kamen in Untersuchungshaft. Der Mitangeklagten aus Bayern droht zusätzlich der Verlust ihrer Beamtenpension, sobald das Urteil rechtskräftig wird.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber