Florian Bremm überrascht mit EM-Silber über 5.000 Meter
Nach seinem zweiten Platz bei den Leichtathletik-Europameisterschaften fand Florian Bremm kaum Worte. Die jahrelange Arbeit, das harte Training und der lange Weg Richtung internationale Spitze schienen in diesem Moment nebensächlich. Der Läufer von Franconia Athletics war nach dem größten Erfolg seiner bisherigen Karriere sichtlich überwältigt und sprach von einem Erlebnis, auf das man emotional kaum vorbereitet sei.
Vom Außenseiter ins Rampenlicht
Dass Bremm in Birmingham Silber holte, wurde vielerorts als große Überraschung gewertet. Mit einem klug eingeteilten Rennen und einem starken Endspurt lief der 25-Jährige auf Rang zwei. In Deutschland stand er bislang eher im Schatten bekannterer Namen wie Mohamed Abdilaahi, dem nationalen Rekordhalter über 5.000 und 10.000 Meter, der wegen Fußproblemen bei der EM fehlte.
Bremm, der aus Colmberg bei Ansbach stammt, hatte mit seiner Außenseiterrolle jedoch nie ein Problem. Im Gegenteil: Er betonte, dass ihm diese Rolle sogar liege. Im nur mäßig gefüllten Alexander Stadium musste er sich am Ende einzig dem Norweger Jakob Ingebrigtsen geschlagen geben.
Lob aus dem deutschen Team
Auch innerhalb der deutschen Mannschaft sorgte Bremms Auftritt für Eindruck. Hindernisläuferin Gesa Krause bezeichnete seine Leistung als enorm motivierend und sprach von einem besonderen Moment, der ihm niemand mehr nehmen könne. Zuvor hatte bereits Kugelstoßerin Yemisi Mabry mit Bronze die erste deutsche Medaille bei dieser EM gewonnen, allerdings war dieser Erfolg deutlich eher erwartet worden.

Leistung mit Ansage
Ganz aus dem Nichts kam Bremms Erfolg allerdings nicht. Bereits Anfang Juni hatte er in Turku seine persönliche Bestzeit auf 12:56,80 Minuten verbessert und sich damit klar in Europas Spitze geschoben. Für ihn selbst ist die Silbermedaille deshalb kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer Entwicklung, die über längere Zeit bewusst aufgebaut wurde.
Mit seinem Rennen schrieb Bremm zugleich ein kleines Stück deutsche Leichtathletik-Geschichte: Es war die erste deutsche EM-Medaille über 5.000 Meter seit Richard Ringers Bronze vor zehn Jahren in Amsterdam.
Hoher Trainingsumfang als Erfolgsfaktor
Als Grundlage seines Aufschwungs nennt Bremm vor allem einen Trainingsstil mit viel Umfang und gut gesteuerter Intensität. Pro Woche kommt er auf 160 bis 170 Kilometer. Dieses viele Laufen und die Konzentration auf den eigenen Weg seien für ihn besonders wichtig.
Zugleich machte er deutlich, wie viel der Leistungssport von ihm und seinem Umfeld verlangt. Er habe dem Sport schon sehr viel untergeordnet und forderte auch Familie, Freundin und Freunde stark, weil er oft unterwegs sei und viel Zeit investiere. Nach dem Rennen musste er sich mit der Deutschlandfahne sogar die Freudentränen aus dem Gesicht wischen.
Gedanken auf den letzten Metern
Als sich auf der Zielgeraden plötzlich eine Medaille abzeichnete, war Bremm nach eigenen Angaben völlig überwältigt. In diesem Moment sei ihm vor allem pure Anspannung durch den Kopf gegangen. Am Ende habe er nur noch versucht, die Beine irgendwie maximal schnell zu bewegen.
Durchbruch auf großer Bühne
Vor dieser EM hatte Bremm bei internationalen Titelkämpfen noch vergleichsweise wenig Erfahrung gesammelt. Sein bislang bestes Resultat war Platz sieben über 3.000 Meter bei der Hallen-EM im niederländischen Apeldoorn im vergangenen Jahr gewesen. In Birmingham gelang ihm nun der klare Durchbruch.
Olympia als nächstes großes Ziel
Bremm will den Erfolg nicht als einmaligen Ausreißer stehen lassen. Sein langfristiger Traum ist ein Platz im olympischen Finale, am liebsten schon bei den Sommerspielen 2028 in Los Angeles. Dort möchte er um eine Position unter den besten Acht kämpfen. Wenn seine Entwicklung so weitergehe, hält er dieses Ziel für realistisch.
Bevor es jedoch wieder in den harten Trainingsalltag geht, steht erst einmal Erholung an. Bremm plant einen Urlaub mit dem Wohnmobil – entweder kombiniert mit Rennradfahren oder mit Surfen. Selbst in der wettkampffreien Zeit ganz ohne Sport geht es für ihn also offenbar nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber