Bayern

Waldumbau: Naturschutz drängt jetzt aufs Tempo

Der Hitzesommer entlarvt Bayerns Wälder: Für den Klimawandel sind sie kaum gerüstet – jetzt fordern Naturschützer radikalen Umbau.

11.08.2026, 12:59 Uhr

Bund Naturschutz fordert deutlich schnelleres Tempo beim Waldumbau in Bayern

Angesichts der Klimakrise mit immer häufigeren Hitzewellen sieht der Bund Naturschutz in Bayern (BN) den Wald im Freistaat zunehmend in Gefahr. Ganze Waldregionen wie der Frankenwald könnten durch die Folgen der Hitze, etwa durch verstärkten Insektenbefall, massiv geschädigt werden. Der hohe Anteil an Nadelhölzern wie Fichte und Kiefer erhöhe zudem das Risiko schwerer Waldbrände. BN-Ehrenvorsitzender Hubert Weiger spricht von einem „Wettlauf gegen die Zeit“ und fordert dafür mehr Geld und mehr Personal.

Der Verband verlangt deshalb von der Politik in München und Berlin deutlich größere Anstrengungen beim Klima- und Naturschutz. Nach den Worten des bayerischen BN-Landesvorsitzenden Martin Geilhufe müsse der Waldumbau im Freistaat wesentlich schneller vorangetrieben werden. Wenn die Staatsregierung nicht entschlossener handle, drohten in Bayern „südeuropäische Verhältnisse mit verheerenden Waldbränden“, warnte er. Nur gesunde Wälder sorgten dauerhaft für saubere Luft, Trinkwasser sowie Schutz vor Hochwasser und Erosion und wirkten zugleich als natürliche Klimaanlagen.

Noch immer bestehen deutlich mehr als zwei Drittel der bayerischen Wälder aus Fichten und Kiefern. Gerade diese Nadelbäume gelten als besonders hitzeanfällig und verkraften Temperaturen um 40 Grad nur schlecht. Nach Ansicht des BN sollte der bestehende Nadelwald jetzt als Schutzschirm genutzt werden, um vermehrt hitzeresistentere Baumarten zu pflanzen. Genannt werden vor allem Laubbäume wie Eiche und Buche sowie Edelhölzer wie die Kirsche.

Zugleich verweist der Verband darauf, dass es seit den Reaktionen auf das Waldsterben in den 1980er Jahren auch Fortschritte gegeben habe. Mehr Totholz, mehr alte und starke Bäume, ein höherer Laubbaumanteil und mehr Naturwälder stünden für einen grundlegenden Wandel in der bayerischen Forstpolitik. Dennoch prägten in vielen Regionen weiterhin große, anfällige Nadelforste das Bild.

Nach BN-Angaben wurden seit 2020 rund 90 Millionen Bäume in Bayern gepflanzt. Außerdem seien im Privat- und Körperschaftswald etwa 112.000 Hektar zu Mischwald umgebaut worden. Bis 2030 sollen es 200.000 Hektar sein. Für den Verband reicht das aber nicht aus: BN-Waldexperte Ralf Straußberger betont, die neu gepflanzten Millionen Bäume entsprächen nur rund 0,4 Prozent des vorhandenen Jungwuchses in den ein- bis 20-jährigen Wäldern Bayerns.

Zusätzlich fordert der Bund Naturschutz ein entschlosseneres Vorgehen gegen Wildverbiss. Rehe und Hirsche müssten durch konsequentere Jagd stärker reguliert werden. Ein zu hoher Wildbestand schade der natürlichen Verjüngung des Waldes erheblich. Straußberger verweist darauf, dass Eichelhäher Eichen in riesiger Zahl kostenlos aussäten, viele Eicheln aber von Wild gefressen würden, bevor daraus junge Bäume entstehen könnten. Besonders in Mittel- und Unterfranken sei der Wildbestand ein großes Problem.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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