Prozess um den Tod des achtjährigen Fabian: Gericht prüft Chats und Telefonat mit dem Vater im Detail
Am dritten Verhandlungstag im Fall des gewaltsamen Todes des achtjährigen Fabian aus Güstrow hat das Landgericht Rostock erneut die frühere Beziehung zwischen dem Vater des Jungen und der 30-jährigen Angeklagten in den Mittelpunkt gestellt. Der vorsitzende Richter Holger Schütt betonte vor Gericht, er wolle ausschließlich die Wahrheit erfahren, und erinnerte den Zeugen mehrfach daran, wahrheitsgemäß auszusagen.
In der Befragung ging es zunächst erneut um die Frage, in welchem Umfang Fabians Vater die Angeklagte während ihrer Beziehung finanziell unterstützt hatte. Im Vergleich zu vorgespielten Chatverläufen und früheren Aussagen bei der Polizei stellte der Vater diese Unterstützung jedoch zurückhaltender dar. Zu früheren Angaben sagte der 35-Jährige, er habe diese anders gemeint. Auch erklärte er, dass er in Sprachnachrichten nach der Trennung vieles aus emotionaler Belastung heraus gesagt habe.
Darüber hinaus widmete sich das Gericht nun ausführlich der Kommunikation zwischen dem Vater und der Angeklagten am Tag von Fabians Verschwinden. Teilweise in Minutenschritten ging Schütt mit dem Vater die Nachrichten durch. Nach Angaben des Richters hatte das Bundeskriminalamt eigens eine Kommunikationsanalyse zu dem 35-Jährigen und der Beschuldigten erstellt.
Demnach soll die 30-Jährige in ihren Nachrichten normalerweise nur wenig Interesse an der Familie oder am Befinden des Mannes gezeigt haben. Umso auffälliger sei aus Sicht des Gerichts gewesen, dass sie am Tag von Fabians Verschwinden mehrfach nachfragte, was den Vater belaste, nachdem dieser Andeutungen gemacht, aber noch nicht gesagt hatte, dass sein Sohn vermisst werde. Der Vater erklärte dazu im Prozess, er habe sich bei diesem Verhalten seiner Ex-Freundin nichts gedacht.
Auch ein bestimmtes Telefonat zwischen beiden an jenem Tag wurde thematisiert. Der Vater sagte, er könne sich nicht mehr daran erinnern, worum es in dem Gespräch gegangen sei, obwohl er nach eigenen Worten wochenlang darüber nachgedacht habe. Richter Schütt hielt ihm vor, dass er sich an einen solchen Moment eigentlich genau erinnern müsste, wenn sein einziges Kind verschwinde.
Anhand der im Prozess gezeigten Nachrichten wurde zudem deutlich, dass der Vater und die Angeklagte auch nach ihrer Trennung intensiv über ihre Beziehungsprobleme gesprochen hatten. Schütt fasste das mit den Worten zusammen, beide würden die Beziehung immer wieder „hin und her drehen“.
Wiederholt ging es dabei auch um das angespannte Verhältnis der Angeklagten zur Familie von Fabians Vater. Nach den vorgelegten Nachrichten störte sie sich unter anderem daran, dass der Mann wegen Absprachen zu seinem Sohn Kontakt mit dessen Mutter hielt. Kurz vor Fabians Verschwinden sollen sich der Vater und die Angeklagte zeitweise wieder angenähert haben.
Die Staatsanwaltschaft wirft der deutschen Ex-Partnerin des Vaters vor, den Jungen im Oktober vergangenen Jahres mit einem Messer getötet zu haben. Nach Auffassung der Anklage könnten das Ende der Beziehung und die damit verbundenen Konflikte ein Motiv gewesen sein. Die Ermittler verweisen dabei auch auf mögliche finanzielle Folgen der Trennung für die Frau.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion