Rettung in überfluteter Höhle in Laos vorerst gestoppt
Nach der geglückten Bergung des ersten in einer Höhle eingeschlossenen Goldsuchers in Laos wird es vorerst wohl keinen weiteren Rettungsversuch für die vier verbliebenen Überlebenden geben. Das Risiko sei derzeit zu hoch, sagte der australische Höhlentaucher Josh Richards der Deutschen Presse-Agentur. Was am Vortag gelungen sei, sei ein „echtes Wunder“ gewesen.
Die Einsatzkräfte wollen die Gefahren nun zunächst verringern, bevor eine weitere Evakuierung versucht wird. Vier Männer harren weiterhin mehrere Hundert Meter vom Eingang entfernt in einer engen Kammer aus. Sie waren vor rund zehn Tagen nach heftigem Monsunregen von plötzlich einsetzenden Fluten und einem Erdrutsch in der Höhle eingeschlossen worden.
Richards kündigte an, noch im Laufe des Tages selbst in die Höhle zu gehen, um einen besonders engen und kaum passierbaren Tunnel zu erweitern. Nach eigenen Angaben wurde er wegen seiner kleinen Statur eigens für diese Aufgabe angefordert. Einen Zeitplan für die nächsten Bergungen könne derzeit aber niemand seriös nennen. Die Lage ändere sich ständig, sagte er.
Enge Gänge, scharfes Gestein, keine Taucherfahrung
Die Rettung bleibt extrem gefährlich. Als größte Schwierigkeit gilt ein etwa 20 Meter langer, vollständig überfluteter Gang, der die letzte Kammer mit dem übrigen Höhlensystem verbindet. Die eingeschlossenen Goldsucher haben keinerlei Taucherfahrung. Hinzu kommen extrem enge Passagen, die teils nur kriechend und Zentimeter für Zentimeter überwunden werden können. An vielen Stellen ist das Gestein zudem sehr spitz.
Nach Angaben der laotischen Organisation Rescue Volunteer for People wurde in der Nacht erneut Wasser aus der Höhle gepumpt. Trotzdem müssen die Männer bei einer Bergung teilweise durch komplett geflutete Abschnitte geführt werden.
Taucher sind erschöpft
Unterstützt werden die Helfer vor Ort von internationalen Spezialisten aus mehreren Ländern. Richards berichtete jedoch auch von großer Erschöpfung in den Teams. Besonders der finnische Höhlentaucher Mikko Paasi, der die Rettung des ersten Mannes am Freitag leitete, sei nach dem Einsatz „fix und fertig“. Paasi war bereits 2018 maßgeblich an der spektakulären Rettung einer Jugend-Fußballmannschaft aus der Tham-Luang-Höhle in Thailand beteiligt.
In sozialen Medien schrieb Paasi, es sei ein guter Tag gewesen und schon ein gerettetes Leben mache alle Anstrengungen lohnenswert. Dazu veröffentlichte er ein Video, das zeigt, wie der gerettete Goldsucher Mued durch einen schmalen, mit braunem Wasser gefüllten Gang geführt wird.
Die thailändische Rettungseinheit MTK bekräftigte unterdessen erneut in sozialen Netzwerken: „Wir werden niemanden zurücklassen.“
Wettlauf gegen die Zeit
Im Laufe des Tages soll Berichten zufolge auch die Suche nach zwei weiterhin vermissten Männern fortgesetzt werden. Von ihnen fehlt bislang jede Spur, obwohl große Teile der Höhle bereits durchsucht wurden. Die Hoffnung, sie noch lebend zu finden, gilt als gering.
Für die Überlebenden wird die Lage zunehmend kritischer. Nach Angaben von Kengkard Bongkawong vom thailändischen Rettungsteam leiden einige inzwischen unter Hautproblemen durch die ständige Feuchtigkeit, andere unter Magen-Darm-Beschwerden. Hinzu kommt Berichten zufolge Sauerstoffmangel: Die Luft in der Kammer und in den engen Tunneln soll sehr schlecht sein.
Der am Freitag gerettete Goldsucher wurde am Abend mit einem Krankenwagen abtransportiert. Beim Verlassen des Berges sagte er jedoch: „Ich bin okay!“
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion