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Ist die Wade heißer als ein Sixpack?

Vergiss das Sixpack: Jetzt reden alle über Männerwaden, nackte Knöchel und Mini-Shorts – doch wann kippt der Trend?

16.07.2026, 11:36 Uhr

Früher hielt sich hartnäckig das Klischee vom Mann, der schon als gepflegt galt, wenn Haare und Fußnägel in Ordnung waren. Dieses Bild ist längst überholt. Heute wirkt es mitunter eher so, als legten vor allem jüngere Männer großen Wert auf ihr Aussehen. Das bleibt nicht immer harmlos: Wenn der Wunsch nach einem extrem muskulösen Körper zwanghafte Züge annimmt, sprechen Fachleute von Bigorexie, also einer Störung der Körperwahrnehmung.

Im Alltag vieler junger Männer kreisen Gespräche oft um Training, Körperoptimierung, Muskelaufbau, Eiweißzufuhr, breite Schultern, definierte Brust, sichtbare Bauchmuskeln, markante Gesichtszüge oder auch den eigenen Testosteronwert.

Der Fokus wandert nach unten

Wer davon genug hat, sehnt sich vielleicht nach etwas mehr Leichtigkeit. Denn das neue Zentrum männlicher Körperästhetik scheint sich 2026 ein Stück nach unten verlagert zu haben: weg vom Oberkörper, hin zu den Beinen.

Vor allem die Wade erlebt angeblich ein Comeback. Auch die Oberschenkel stehen stärker im Blick. Popkulturell passt das ins Bild: Während Deutschland bei der WM um Manuel Neuers berühmte "Wade der Nation" bangte, schwärmen Fans zugleich für die trainierten Beine prominenter Männer wie Harry Styles oder Paul Mescal, besonders wenn sie in kurzen Hosen auftreten.

Beine als neues Gesprächsthema

Schon DJ Ötzi besang zur Jahrtausendwende mit Augenzwinkern die Wirkung markanter Waden. Dass Männerbeine heute tatsächlich so oft Thema sind, hat auch mit einem gesellschaftlichen Wandel zu tun: Männer werden stärker als früher über ihr Äußeres wahrgenommen und bewertet.

Ist die Wade der neue Waschbrettbauch?
Kurze Hose und schwarze Socken geht auch – Aufnahme während der Berlin Fashion Week Anfang Juli. (Archivbild) Quelle: Jens Kalaene/dpa

Lange Zeit traf dieser Blick vor allem Frauen. Inzwischen sorgen soziale Medien, Dating-Apps und Werbung dafür, dass auch Männer zunehmend auf ihre optische Wirkung reduziert werden. Vollständige Gleichberechtigung mag noch nicht erreicht sein, doch beim Schönheitsdruck holen Männer deutlich auf.

Dabei geht es nicht nur darum, ob Bein gezeigt wird, sondern wie. Kurze Hosen sind längst kein Tabu mehr. Heute wird eher über Stilfragen diskutiert: Wie kurz darf die Shorts sein? Welche Socken passen dazu — Tennissocken, Kniestrümpfe oder unsichtbare Füßlinge?

Mikro-Shorts als Mode-Statement

Designer Michael Michalsky sagt, Shorts hätten sich inzwischen klar etabliert. Männer hätten nun gewissermaßen ihr Gegenstück zum Minirock: sehr kurze Mikro-Shorts, wie man sie etwa von Harry Styles kennt. Im Grunde erinnerten sie an Sport- oder Fußballhosen aus den 70er Jahren — nur heute eben als modisches Statement.

Ob dieser Look allerdings überall passend sei, darüber lasse sich streiten, meint Michalsky. Selbst für ihn, der modische Experimente schätzt, wirke manches davon recht freizügig.

Sein persönlicher Favorit seien Bermudas oder noch etwas längere, weite Modelle, die bis knapp unter das Knie reichen und fast an einen Hosenrock erinnern. Diese Schnitte umspielten das Bein vorteilhaft. In konservativen Umgebungen wie Banken, Gerichten oder Kanzleien halte er Shorts aber weiterhin für unangebracht. Grundsätzlich gelte jedoch: Kurze Hosen funktionieren besonders gut, wenn man seine Beine auch zeigen möchte.

Knöchel statt Sixpack?

Beim Hype um Waden bleibt Michalsky skeptisch. Für ihn ist nicht die Wade das neue Statussymbol, sondern die sogenannte "Ankle Cleavage" — also der gezielte Blick auf den Knöchel.

Knöchel würden seiner Ansicht nach unterschätzt. Langsam setze sich die Idee durch, dass ein schöner Männerknöchel fast so viel Sex-Appeal haben könne wie ein Sixpack. Deshalb seien verkürzte Hosen wie Hochwasser- oder 7/8-Modelle so beliebt: Sie lenken den Blick genau dorthin.

Mit wirklich herausragenden Waden sei es dagegen noch eher schwierig, meint der Designer. Am ehesten entdecke man sie bei Radfahrern. Attraktive Knöchel seien deutlich häufiger. Und während viele zuerst auf den Bauch achten, schaut er nach eigener Aussage zuerst auf die Knöchel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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