Politik

Aung San Suu Kyi: Nach fünf Jahren wieder Kontakt zum Sohn

Nach 5 Jahren Funkstille sprach Aung San Suu Kyi wieder mit ihrem Sohn – steckt hinter der Geste mehr als nur ein Signal?

22.10.2026, 11:36 Uhr

Nach mehr als fünf Jahren ohne direkten Kontakt hat der Sohn der in Myanmar inhaftierten Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi erstmals wieder mit seiner Mutter sprechen können. Kim Aris schrieb auf Facebook, ihre Stimme wieder zu hören, bedeute ihm mehr, als Worte ausdrücken könnten. Zugleich forderte der 49-Jährige die sofortige und bedingungslose Freilassung seiner 81 Jahre alten Mutter sowie aller politischen Gefangenen im Land.

Suu Kyi steht seit dem Militärputsch im Februar 2021 unter Arrest. Damals stürzte die Armee die demokratisch gewählte Regierung und nahm die frühere Regierungschefin fest. Später wurde sie wegen angeblicher Vergehen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Seitdem ist sie weitgehend von der Außenwelt abgeschirmt.

Immer wieder gab es Berichte über gesundheitliche Probleme, darunter Sorgen wegen ihres Herzens. Ende April wurde sie aus einem Gefängnis in Hausarrest verlegt. Wo sie sich genau aufhält, ist jedoch weiterhin nicht öffentlich bekannt.

Regelmäßigen Zugang gefordert

Aris bedankte sich bei allen Unterstützern, die sich für ihn und seine Mutter eingesetzt hätten. Er zeigte sich überzeugt, dass deren Stimmen dazu beigetragen hätten, diesen Moment möglich zu machen. Zugleich rief er dazu auf, den Druck aufrechtzuerhalten, bis seine Mutter frei ist. Ob das Gespräch telefonisch oder digital stattfand, wurde nicht bekannt.

Gleichzeitig warnte er davor, den wieder ermöglichten Kontakt als Zeichen einer grundlegenden Verbesserung zu deuten. Ein Gespräch bedeute noch keinen regelmäßigen Zugang zur Familie, und Familienkontakt sei noch lange keine Freiheit, machte er deutlich.

König Charles schickt Bücher

Die Nachricht kommt wenige Tage nach einer ungewöhnlichen Geste aus Großbritannien. Nach Angaben der von Militärmachthaber Min Aung Hlaing geführten Regierung wurden Suu Kyi am Montag zwei Bücher von König Charles III. sowie ein versiegelter Brief und diplomatische Korrespondenz übergeben.

Die jüngsten Entwicklungen könnten darauf hindeuten, dass die Militärführung in dem südostasiatischen Krisenland begrenzte Kontakte zu der prominenten Gefangenen wieder zulässt. Ob daraus ein regelmäßiger Austausch mit ihrer Familie entsteht, bleibt aber offen. Noch im Sommer hatte ihr Sohn öffentlich beklagt, seit Jahren keine verlässlichen Informationen über ihren Zustand zu erhalten.

Anfang August konnte schließlich ein Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) Suu Kyi besuchen. Es war der erste öffentlich bekannt gewordene Kontakt mit einem unabhängigen internationalen humanitären Akteur seit ihrer Festnahme.

Schwere Krise im früheren Birma

Aung San Suu Kyi war über Jahrzehnte die bekannteste Oppositionspolitikerin Myanmars und erhielt 1991 den Friedensnobelpreis für ihren gewaltlosen Einsatz für Demokratie. Bereits zwischen 1989 und 2010 verbrachte sie insgesamt 15 Jahre isoliert unter Hausarrest. In ihrer Heimat ist sie bis heute sehr beliebt.

Seit dem Putsch von 2021 steckt das frühere Birma in einer schweren Krise. Gewalt, wirtschaftlicher Niedergang und wachsender Widerstand gegen das Militär prägen das Land. Nach einer international stark umstrittenen Wahl wurde Armeechef Min Aung Hlaing im April vom Parlament zum Präsidenten erklärt. Kritiker und internationale Beobachter sehen darin jedoch keinen echten demokratischen Prozess, sondern vor allem eine Inszenierung zur Festigung der Militärherrschaft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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