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«Ammo Elias»: Dieser Friseur bewegt ein Land

Beirut wirkt wie eine Zeitkapsel – und ein unscheinbarer Laden im Zentrum rührt plötzlich ein ganzes Land. Warum nur?

31.07.2026, 05:30 Uhr

Viraler Ruhm für Beiruter Traditionsfriseur: „Ammo Elias“ begeistert den Libanon

Abgewetzte Ledersessel aus den 70er Jahren, originale Poster aus den 80ern und 90ern, dazu ein Salon, der wirkt wie eine Zeitkapsel: Mitten in der flirrenden Julihitze von Beirut ist ein kleiner Friseurladen plötzlich zum Internet-Phänomen geworden. Im Mittelpunkt steht der 80-jährige Friseur Elias Abboud, im Netz längst bekannt als „Ammo Elias“ – also „Onkel Elias“.

Ein einziges Video reichte aus, um den Friseur aus dem Beiruter Viertel Ain al-Rummaneh landesweit bekannt zu machen. Inzwischen erzielen Aufnahmen von ihm und seinem Salon Millionenreichweiten in den sozialen Netzwerken.

Auslöser des Erfolgs war ein spontaner Besuch der 24-jährigen Tatiana Antoun. Sie suchte nach einem Friseur zum Waschen, Föhnen und Stylen – ein Service, den viele Frauen im Libanon regelmäßig in Anspruch nehmen. Zufällig landete sie bei Elias Abboud und filmte den Besuch. Ihr Clip trug den Titel: „POV: Du bist in einem der ältesten Friseursalons im Libanon.“ Hochgeladen wurde das Video mitten in der Nacht. Am nächsten Morgen war der Laden plötzlich berühmt.

Abboud hatte seinen Salon bereits 1967 eröffnet. Bis heute fährt er täglich mit dem Bus zur Arbeit. Geöffnet ist sein Geschäft von 7 bis 17 Uhr. Früher wartete er dort vor allem auf seine Stammkundschaft, inzwischen kommen vor allem viele junge Frauen, die den bekannten Salon selbst erleben möchten.

„Seit dem Video hat sich alles verändert“, sagt Abboud. Für ihn sei vieles besser geworden. Zahlreiche Menschen möchten sich nun einmal von ihm die Haare machen lassen. Sein freundliches Lächeln und seine bescheidene Art haben bei vielen eine Welle der Unterstützung ausgelöst. Auch Unternehmen wurden auf den kleinen Laden aufmerksam und boten laut Antoun teils kostenlose Hilfe an.

Libanesischer Friseur Elias Abboud
Nach wenigen Wochen hatte er 50.000 Follower bei Instagram. Quelle: Marwan Naamani/dpa

Schon mehr als 50.000 Follower auf Instagram

Tatiana Antoun kümmert sich inzwischen um die Organisation rund um den Salon. So wurde bereits die Decke erneuert, als Nächstes sollen die alten Möbel aufgearbeitet werden – ohne ihren besonderen Charme zu verlieren. Auch für Reparaturen am Boden habe sich bereits ein Unternehmen gemeldet.

Zudem richtete Antoun eigene Social-Media-Kanäle für „Ammo Elias“ ein. Unter dem Namen aamoelias folgen ihm nach nur drei Wochen bereits mehr als 50.000 Menschen auf Instagram. Fotografen kommen vorbei, Fernsehteams berichten direkt aus dem Salon.

Viele ältere Menschen arbeiten im Libanon weiter

Nach dem ersten viralen Video hätten sich Tausende Menschen bei ihr gemeldet, erzählt Antoun. Elias Abboud selbst habe zwar ein Mobiltelefon, nutze es aber nur zum Telefonieren. Deshalb halte sie ihn über seinen digitalen Erfolg auf dem Laufenden.

In den Kommentaren wird häufig gefragt, warum ein Mann in seinem Alter noch arbeiten müsse. Doch Abbouds Geschichte ist im Libanon kein Einzelfall. Viele ältere Menschen – ob Schneider, Schuhmacher, Uhrmacher oder Verkäufer – bleiben bis ins hohe Alter berufstätig. Eine allgemeine staatliche Altersabsicherung gibt es im Land nicht. Hinzu kommt, dass zahlreiche Menschen infolge der schweren Finanzkrise der vergangenen Jahre ihre Ersparnisse verloren haben.

Abboud selbst äußert sich dazu schlicht: „Ich liebe meine Arbeit.“

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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