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Urlaub in Flammen: Wenn Feuer am Ferienort wütet

Feuerhölle bei Bordeaux: Zwei deutsche Familien fliehen aus dem Urlaub – und berichten von Chaos, Angst und bangen Minuten.

31.07.2026, 04:28 Uhr

Hartmut Borowski hatte sich auf sechs ruhige Urlaubswochen mit seiner Frau und den beiden Enkelkindern auf seinem langjährigen Campingplatz in Westfrankreich gefreut. Doch kurz nach der Ankunft am See von Lacanau war an Erholung nicht mehr zu denken: Wegen der schweren Waldbrände in der Region musste die Familie den Platz überstürzt verlassen.

„Erst hieß es noch, alles sei sicher“, berichtet der 69-Jährige. Dann habe sich der Wind gedreht, Rauch sei herübergezogen und schließlich sei vorsorglich die Evakuierung angeordnet worden. Den Wohnwagen samt Ausrüstung musste die Familie aus Ratingen zurücklassen. Mit einem voll beladenen Anhänger ging es stattdessen Richtung Norden auf einen Campingplatz in Hourtin.

„Wenn man sich umschaute, packten wirklich alle“

Borowski gehört zu rund 4.000 Urlaubern, die in dieser Woche kurzfristig aus Lacanau abreisen mussten. Sie waren die letzten von insgesamt mehr als 220.000 Menschen, die wegen der Feuer nahe Bordeaux ihre Unterkünfte räumen mussten. Inzwischen durften Zehntausende wieder nach Hause oder an ihren Ferienort zurückkehren. Auch Borowski hofft, schon in wenigen Tagen wieder an seinen gewohnten Urlaubsort zurückzukommen.

Ähnlich erging es Patrick Behrens aus Lüdenscheid und seinem zwölfjährigen Sohn Oskar. Auch sie verbrachten ihre Ferien in Lacanau, bis die Lage zu kritisch wurde. Der 53-Jährige sagt, er sei zunächst optimistisch gewesen, zumal es am Vortag geregnet habe. Deshalb habe er geglaubt, dass nichts mehr passieren werde. Doch dann hätten die Warn-Apps auf den Handys Alarm geschlagen.

„Ich konnte das erst kaum glauben“, erzählt Behrens. Als er sich dann auf dem Campingplatz umsah, hätten plötzlich wirklich alle gepackt — sogar „die eisernen Niederländer“, die sonst eher zuletzt abreisten.

Zusammenhalt auf dem Ausweichplatz

Weil es im Süden nicht mehr weiterging, blieb nur die Fahrt Richtung Norden. In Hourtin fanden Behrens und sein Sohn eine neue Bleibe und nahmen dort auch Borowski auf. Behrens überließ seinem Freund sogar das eigene Wohnmobil und schlief selbst im Zelt. Später kam noch eine dritte Familie dazu.

Behrens erinnert sich an die improvisierte Gemeinschaft trotz der schwierigen Umstände positiv. Das sei eine gute Lösung gewesen, sagt er — nun hofften aber alle, bald wieder nach Lacanau zurückkehren zu können.

Asche, Ruß und ein fast leerer Campingplatz

Obwohl die Bilder der Brände dramatisch waren, habe er sich in Lacanau selbst nicht unmittelbar bedroht gefühlt, sagt Behrens. Die ständig über den Platz fliegenden Löschflugzeuge hätten sogar ein gewisses Gefühl von Sicherheit vermittelt.

Ganz spurlos ging die Situation aber nicht an ihm und seinem Sohn vorbei. Immer wieder fiel Asche vom Himmel, dazu kleine verkohlte Holzstücke. Einmal sei ihr Wohnwagen nach einem Strandbesuch komplett mit einer Schicht aus Ruß bedeckt gewesen. „Da wurde einem schon ein bisschen mulmig“, sagt Behrens.

Sein Sohn habe schließlich entschieden, dass sie so lange bleiben würden, wie es noch vertretbar sei. Am Ende seien von etwa 600 Stellplätzen nur noch rund 40 belegt gewesen. Trotz allem habe die fast leere Anlage auch etwas Eigenartiges gehabt: „Es war wirklich ein Geistercampingplatz“, sagt Behrens. Zugleich habe die Stimmung an die ruhige Nebensaison erinnert.

Evakuierung belastete vor allem die Familie

Auch Borowski sagt, dass er persönlich wenig Angst gehabt habe, weil ihm klar gewesen sei, dass die Flammen den Campingplatz nicht direkt erreichen würden. Mit den Enkelkindern unterwegs habe er jedoch eine besondere Verantwortung gespürt. Vor allem seine Frau habe die Evakuierung stark mitgenommen.

In Hourtin, wo die Familie nun zwischen Büschen, Campingstühlen und Wohnwagen etwas zur Ruhe kommt, entspannt sich die Lage langsam wieder. Den Kindern tue die Pause gut, sagt Borowski. Auch seine Frau habe sich beruhigt, und er selbst ebenfalls. Dennoch beschäftigt ihn das Erlebte weiter. Mit brüchiger Stimme räumt er ein, dass es ihn noch immer aufwühlt.

Freiwilliger Koch versorgt Feuerwehr mit warmem Essen

Während viele Urlauber die Waldbrände vor allem durch Evakuierungen, Rauch und Unsicherheit erleben, helfen andere den Einsatzkräften direkt vor Ort. In der schwer betroffenen Gegend bei Bordeaux kocht Cédric Lusinier seit Tagen für Feuerwehrleute und andere Helfer.

Der 48-Jährige schneidet Würstchen, brät Zwiebeln und bereitet große Töpfe mit warmen Mahlzeiten zu. Normalerweise betreibt er einen Essensstand auf Märkten und Festen und serviert Spezialitäten aus seiner Heimat La Réunion, der französischen Insel im Indischen Ozean. Als die Feuer in seiner Wohngegend ausbrachen, überlegten er und seine Frau, wie sie unterstützen könnten.

Nach seinen Worten kochen beide seit rund einer Woche freiwillig für jene Kräfte, die versuchen, die Brände einzudämmen und zu löschen. Ein Freund startete dafür einen Spendenaufruf im Internet, damit Lebensmittel eingekauft und die Hilfe organisiert werden konnte. Inzwischen wird das Paar auch von der Hilfsorganisation World Central Kitchen unterstützt.

„Eine warme Mahlzeit war für sie etwas anderes“

Lusinier berichtet, die Feuerwehrleute hätten das Essen dankbar angenommen. Statt Rationen oder belegter Brote habe es für sie etwa Reis mit Huhn oder Reis mit Wurst gegeben. Gerade diese warmen Mahlzeiten hätten, so schildert er, ein wenig Kraft und auch Freude zurückgebracht.

Der Koch zeigt sich beeindruckt von der Haltung der Einsatzkräfte. Besonders bewegt habe ihn, unter ihnen auch Feuerwehrleute aus La Réunion zu treffen. Trotz der dramatischen Lage habe das gemeinsame Essen für einen Moment positive Gefühle geschaffen, sagt er.

Für Lusinier ist sein Engagement eine persönliche Form, an dem Geschehen teilzunehmen. Statt die Entwicklung nur zu Hause in den Nachrichten zu verfolgen, habe er gemeinsam mit seiner Frau praktisch geholfen. Diese Erfahrung habe auch seinen Blick auf die Gesellschaft verändert: Die oft beschworene Gleichgültigkeit vieler Menschen sehe er nach den vergangenen Tagen deutlich anders. Er habe erlebt, wie groß die Solidarität sein könne und was gemeinsam möglich sei.

Zwischen Sorge, Mitgefühl und Stornierungen

Auch andere deutsche Urlauber, die weiter nördlich an der französischen Atlantikküste Ferien machen, erleben die Waldbrände aus der Distanz mit. Manche finden die Situation beängstigend, viele zeigen großes Mitgefühl mit den Betroffenen vor Ort. Eine Campingplatzbetreiberin berichtet zudem von zahlreichen Stornierungen, weil einige Reisende ihren Frankreichurlaub vorsorglich ganz abgesagt hätten.

Kein Abschied von Lacanau

Borowski und Behrens verbringen nach eigenen Angaben seit 36 Jahren immer wieder ihren Urlaub in Lacanau. Beide hoffen nun, bald dorthin zurückkehren zu können — und ihren zurückgelassenen Camper unbeschädigt vorzufinden.

Für Behrens steht trotz des Erlebten fest, dass er die Region auch künftig nicht meiden wird. Eine Konsequenz will er dennoch ziehen: Künftig soll immer zusätzlich ein Zelt im Wohnwagen liegen — falls einmal jemand eine Notunterkunft braucht oder der Wohnwagen nicht mitgenommen werden kann.

Vom verdorbenen Urlaub will er jedenfalls nicht sprechen. Im Rückblick habe sich die Reise eher zu einem unerwarteten Abenteuerurlaub entwickelt, sagt er gelassen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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