Wirtschaft

600 Neuheiten: Diese Messe weckt den Erfindergeist

Geniale Idee? Reicht in Deutschland oft nicht: Warum Bürokratie freie Erfinder ausbremst – und was sie trotzdem antreibt.

29.10.2026, 15:16 Uhr

Erfindermesse iENA zeigt 600 Neuheiten aus aller Welt

Auf der Nürnberger Erfindermesse iENA werden ab Samstag zahlreiche neue Entwicklungen präsentiert – darunter ein Schutzsystem gegen K.-o.-Tropfen, eine Einschlafhilfe für Babys im Kinderwagen und ein mobiler Notstromkoffer. Nach Angaben des Veranstalters werden rund 600 Erfindungen aus etwa 20 Ländern erstmals öffentlich vorgestellt.

Für viele Tüftlerinnen und Tüftler ist die Messe eine seltene Gelegenheit, ihre Ideen sichtbar zu machen, Kontakte zu Forschungseinrichtungen zu knüpfen und mögliche Käufer aus der Wirtschaft zu finden. iENA-Geschäftsführer Henning Könicke betont, dass es besonders unabhängige Erfinderinnen und Erfinder in Deutschland schwer haben. Eine gute Idee allein genüge heute oft nicht mehr. Vor allem Bürokratie – etwa bei Patentanmeldungen oder der Vermarktung – stelle eine große Hürde dar.

Auch Til Huber vom Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) verweist darauf, dass für Schutzrechte und Vermarktung spezielles Wissen nötig sei. Das zeige sich auch in der Statistik: Rund 95 Prozent der Patente kämen von großen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, nur etwa 5 Prozent von freien Erfinderinnen und Erfindern.

Patente nähern sich wieder dem Niveau vor Corona

Nach dem Einbruch in der Corona-Zeit steigen die Anmeldungen bei Patenten, Gebrauchsmustern und Marken laut DPMA inzwischen das vierte Jahr in Folge. Konkrete Zahlen für 2026 liegen zwar noch nicht vor, doch Huber geht davon aus, dass das Niveau von vor der Pandemie fast wieder erreicht wird.

Pk zur Erfindermesse "iENA" (31.10.-2.11.)
Der Getränkeschutz lässt sich nur mit einem in einem Ring verborgenen NFC-Chip öffnen. Quelle: Tizian Gerbing/dpa

Seiner Einschätzung nach mangelt es in Deutschland nicht an Ideenreichtum. Die Herausforderung liege vielmehr im Wandel: Klassische Stärken wie Maschinenbau und Automobiltechnik verschöben sich zunehmend in Richtung Digitaltechnik und Elektromobilität. Dieser Umbruch verlaufe hierzulande jedoch schwieriger als in manchen anderen Staaten.

Nachhaltigkeit, KI und Energie im Fokus

Viele der auf der iENA gezeigten Projekte drehen sich um Themen wie Nachhaltigkeit, künstliche Intelligenz, neue Baustoffe und Energiegewinnung. Laut Könicke spiegelt die Messe damit wider, was Wirtschaft und Gesellschaft aktuell beschäftigt. Nicht jede dort präsentierte Idee sei eine bahnbrechende Weltneuheit – doch auch clevere Lösungen für den Alltag könnten großes Potenzial haben. Beispiele aus früheren Jahren seien etwa Schwimmflügel oder goldene Rettungsdecken gewesen, die dort erstmals vorgestellt wurden.

Schutzdeckel gegen K.-o.-Tropfen

Eine dieser alltagsnahen Innovationen stammt von Markus Duelli aus Ilmenau in Thüringen. Gemeinsam mit seiner Familie hat er ein System entwickelt, das Getränke in Gläsern vor Manipulation schützen soll. Das Glas wird mit einem Deckel verschlossen, der sich nur über einen in einem Ring versteckten NFC-Chip öffnen lässt.

Duelli berichtet, dass seine Familie viel Geld in die Entwicklung investiert habe. Ob sich damit später einmal der Lebensunterhalt verdienen lasse, sei noch offen. Im Vordergrund stehe für ihn etwas anderes: der Wunsch, dass es einen wirksamen Schutz gibt und seine Kinder wieder unbesorgt ausgehen können.

Einschlafhilfe für Babys im Kinderwagen

Auch Christof Sommerauer verfolgt mit seiner Erfindung vor allem einen praktischen Nutzen. Sein Produkt „Sleep-Ride“ besteht aus Überzügen für Kinderwagenräder. Sie sollen dafür sorgen, dass Babys selbst auf glattem Asphalt sanft in den Schlaf gewiegt werden.

Sommerauer sagt, er habe viel Zeit in die Entwicklung gesteckt, betreibe das Projekt bislang aber nur nebenberuflich. Ob daraus einmal ein tragfähiges Geschäft werde, müsse der Markt zeigen. Bis dahin hoffe er vor allem, Eltern und Kindern mit seiner Idee helfen zu können.

Notfallstrom aus wasseraktivierten Zellen

Einen anderen Ansatz verfolgt das Start-up Liquid2Energy. Das Unternehmen arbeitet an einem Notfallkoffer, der in Krisensituationen Strom liefern soll. Die darin enthaltenen Zellen werden einfach mit Wasser aktiviert.

Mitgründer René Fischer erklärt, die Grundidee gehe auf einen Erfinder aus Griechenland zurück, der sie nicht patentieren ließ. Das junge Unternehmen bringe die Technik nun nach Deutschland. In ersten Pilotprojekten sollen zunächst Rettungsdienste und Katastrophenschützer den Koffer erproben. Später sind auch Varianten für Privathaushalte geplant.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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