Wirtschaft

Ölpreis-Hammer: Shell & Co lassen Gewinne explodieren

Krieg füllt Ölkonzernen die Kassen: Gewinne explodieren – jetzt entbrennt der Streit um die Milliardenprofite.

29.10.2026, 14:18 Uhr

Die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise infolge des Kriegs mit dem Iran haben den großen Energiekonzernen hohe Zusatzgewinne beschert. TotalEnergies, Shell und Repsol meldeten für das dritte Quartal deutliche Gewinnsprünge. Ein Teil des Geldes soll über Aktienrückkäufe an die Anteilseigner fließen. An den Börsen kamen die Zahlen gut an, die Papiere legten am Donnerstag zu. Aus der deutschen Politik kam dagegen scharfe Kritik. Dort wird erneut über die Einführung einer Übergewinnsteuer diskutiert.

Krieg treibt Energiepreise nach oben

Der Konflikt im Nahen Osten hat die Ölbranche kräftig angeschoben. Vor allem Störungen im Tankerverkehr durch die Straße von Hormus sowie Ausfälle bei Lieferungen und Produktion ließen die Preise deutlich steigen.

Im dritten Quartal kostete ein Barrel Brent im Schnitt mehr als 90 US-Dollar, derzeit liegt der Preis bei rund 113 Dollar. Vor Kriegsbeginn Ende Februar hatte Brent noch unter 70 Dollar notiert. Zuvor hatten die USA und Israel den Iran angegriffen.

Auch das Gasgeschäft bringt hohe Erlöse

Shell und andere Konzerne fuhren ihre Raffinerien in den vergangenen Monaten auf Hochtouren. Zusatzerträge aus dem Handel und aus dem Raffineriegeschäft glichen die Belastungen durch Lieferprobleme und Produktionsausfälle nicht nur aus, sondern überwogen sie deutlich.

Auch Engpässe bei Flüssigerdgas aus dem Persischen Golf sorgten für unerwartet hohe Einnahmen bei den großen Energiefirmen, obwohl sie gleichzeitig eigene Ausfälle in der Region verkraften mussten.

Totalenergies-Logo
Bei Totalenergies schnellte der Nettogewinn im dritten Quartal allein im Vergleich zum zweiten Jahresviertel um gut die Hälfte nach oben. Quelle: Fabian Sommer/dpa

Konzerne melden starke Gewinnsprünge

Shell steigerte den bereinigten Gewinn im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 10,8 Milliarden Dollar, umgerechnet 9,7 Milliarden Euro. Damit verdoppelte der Konzern sein Ergebnis nahezu und übertraf die Erwartungen von Analysten. Es handelt sich um den zweithöchsten Quartalsgewinn in der Firmengeschichte. Noch höher lag der Gewinn nur 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Bei TotalEnergies kletterte der bereinigte Nettogewinn im Jahresvergleich ebenfalls auf mehr als das Doppelte und erreichte gut 9 Milliarden Dollar.

Repsol erhöhte den bereinigten Gewinn von 750 Millionen auf mehr als 2,7 Milliarden Euro. Der spanische Konzern kündigte bereits das dritte Aktienrückkaufprogramm in diesem Jahr an. Noch 2026 sollen eigene Aktien im Wert von 950 Millionen Euro zurückgekauft werden.

Auch Shell will weitere eigene Aktien erwerben und stellte dafür fünf Milliarden Dollar bereit – zwei Milliarden mehr als im Quartal zuvor. TotalEnergies plant, im Schlussquartal sowie im ersten Quartal 2027 Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Dollar zurückzukaufen.

Aktienrückkäufe können den Wert der verbleibenden Anteilsscheine erhöhen, wenn die erworbenen Aktien eingezogen werden. Dadurch verteilt sich der Gewinn auf weniger Aktien.

Forderungen nach Übergewinnsteuer werden lauter

Die hohen Spritpreise und die kräftigen Gewinne der Ölkonzerne sorgen erneut für politische Debatten. Aus der Bundesregierung werden zusätzliche Schritte über den Tankrabatt hinaus verlangt.

Die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Badum, kritisierte die Entwicklung scharf. Während Verbraucher unter hohen Kraftstoffkosten und den Folgen der Klimakrise litten, erzielten Shell, Total und andere Ölkonzerne erneut Rekordgewinne. Statt diese Übergewinne abzuschöpfen, werde den Konzernen mit dem Tankrabatt sogar noch Steuergeld zugeschoben, sagte sie.

Auch der finanzpolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Christian Görke, sprach sich für eine Übergewinnsteuer aus. Übergewinne ließen sich klar bestimmen und auch auf nationaler Ebene besteuern. Die SPD und Finanzminister Lars Klingbeil dürften sich nicht länger hinter der EU verstecken, sondern könnten rasch ein neues Gesetz nach dem Vorbild von 2022 in den Bundestag einbringen, so Görke.

In Hamburg demonstrierten zudem Aktivisten von Greenpeace an einer Shell-Tankstelle für eine solche Abgabe. Die Umweltorganisation wirft den Konzernen laut einer Mitteilung "Preiserpressung" vor.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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