Die Leitzinsen im Euroraum bleiben vorerst unverändert – trotz der zuletzt deutlich gestiegenen Inflation. Der für Banken und Sparer besonders wichtige Einlagenzins liegt nach dem Beschluss des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt weiterhin bei 2,5 Prozent.
Kurz vor der Zinsentscheidung wurde zudem bekannt, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde zum 7. Februar 2027 zurücktreten will. Regulär hätte ihre achtjährige Amtszeit erst Ende Oktober kommenden Jahres geendet.
Eigentlich hätte die Entwicklung der Verbraucherpreise für eine weitere Straffung der Geldpolitik gesprochen. Vor allem teure Energie infolge des Iran-Kriegs treibt die Inflation an. Im September stieg die Teuerungsrate im Euroraum auf 3,8 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Jahren. Das liegt klar über dem EZB-Ziel von mittelfristig 2,0 Prozent.
Höhere Leitzinsen verteuern Kredite und können so die Nachfrage bremsen, was den Preisauftrieb dämpfen soll. Für Sparer sind steigende Zinsen grundsätzlich positiv, wenn Banken bessere Konditionen weitergeben. Gleichzeitig werden Investitionen teurer, was die Konjunktur belasten kann.
Angespannte Lage in Frankreich
Auch die politische und finanzielle Unsicherheit in Frankreich dürfte eine Rolle gespielt haben. Dort kam es zuletzt bei Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten zu schweren Ausschreitungen und Plünderungen. Im April 2027 stehen in Frankreich Präsidentschaftswahlen an.
Zudem hat sich die Haushaltslage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone verschärft. Neue Schulden aufzunehmen wurde für Frankreich an den Finanzmärkten zuletzt deutlich teurer.
Bereits im Herbst 2025 war spekuliert worden, ob die EZB Frankreich über Käufe von Staatsanleihen stützen könnte. Dafür gibt es mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) zwar ein Instrument, das im Krisenfall unbegrenzte Anleihekäufe einzelner Eurostaaten ermöglicht. Die Hürden dafür sind jedoch hoch. Lagarde hatte Erwartungen an ein Eingreifen der Notenbank zuletzt gedämpft.
Kommt die nächste Zinserhöhung im Dezember?
Ganz vom Tisch ist eine weitere Zinserhöhung damit nicht. Ökonomen halten einen weiteren Schritt bei der letzten EZB-Ratssitzung des Jahres Mitte Dezember für möglich. Dann dürfte die Notenbank mit neuen Prognosen zu Inflation und Konjunktur besser einschätzen können, wie stark höhere Energiepreise auch andere Bereiche wie Lebensmittel verteuern.
Als Risiko gelten zudem mögliche Zweitrundeneffekte: Steigen Löhne infolge der hohen Inflation kräftig, könnte das den Preisauftrieb zusätzlich verstärken.
Auch in Deutschland hat die Inflation wieder angezogen. Im September lagen die Verbraucherpreise 3,3 Prozent über dem Vorjahresniveau – ebenfalls der höchste Wert seit rund drei Jahren.
Die EZB sieht ihr zentrales Ziel bei einer Inflationsrate von 2,0 Prozent erreicht. Nach ihrer Einschätzung müssen sich die Menschen im Euroraum allerdings mindestens bis 2027 auf erhöhte Teuerung einstellen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber