Neun Würzburger Kleinsatelliten gestartet: Bayern beginnt eigene Erdbeobachtungsmission
Seit dem 7. Juli 2026 um 9.00 Uhr deutscher Zeit ist Bayern mit einer eigenen Satellitenmission im All vertreten. Neun in Würzburg entwickelte Kleinsatelliten wurden von Kalifornien aus mit einer SpaceX-Rakete gestartet. Nach Angaben des Zentrums für Telematik (ZfT) verlief der Start reibungslos, die Satelliten wurden planmäßig auf unterschiedliche Umlaufbahnen verteilt.
Für die bayerische Staatsregierung ist der Start ein Meilenstein. Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) sprach von bayerischer Raumfahrtgeschichte und der ersten eigenen operativen Satellitenmission des Freistaats. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte, die Satelliten sendeten bereits erste Signale.
Die Flugzeit betrug demnach rund 50 Minuten bis auf knapp 600 Kilometer Höhe. Die Satelliten wiegen jeweils etwa 14 Kilogramm und sind ungefähr so kompakt wie ein Aktenordner beziehungsweise Schuhkarton.
Früherkennung von Waldschäden und Hilfe im Katastrophenfall
Fünf der Satelliten gehören zum Projekt „CuBy“. Sie sollen künftig im Drei-Tage-Rhythmus Bilder und Messdaten aus Bayern liefern. Vorgesehen sind Anwendungen unter anderem für Hochwasserprognosen, die Landwirtschaft und die Forstwirtschaft.
Besonders wichtig ist dabei die Früherkennung von Waldschäden durch Trockenheit. Dafür kommen Multispektralkameras zum Einsatz, die Veränderungen in Wäldern möglichst früh sichtbar machen sollen.
Die Daten des Projekts sind für das Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in München, die Bayerischen Staatsforsten, die Landwirtschaft sowie den Katastrophenschutz vorgesehen.
Erste Bilder erst in einigen Monaten
Bis die Satelliten ihre endgültigen Zielbahnen erreicht haben, wird es noch dauern. Nach Angaben der Staatsregierung werden erste Bilder voraussichtlich in etwa sechs Monaten erwartet – also noch im Laufe dieses Jahres.
Die Rohdaten sind laut Füracker mathematisch sehr komplex und sollen mithilfe von künstlicher Intelligenz ausgewertet, weiterverarbeitet und nutzerfreundlich aufbereitet werden.
Auflösung, Abdeckung und Datenschutz
Die Auflösung liegt bei etwa vier Metern pro Pixel. Erfasst wird dabei jeweils ein rund 80 Kilometer breiter Streifen Bayerns. Um den gesamten Freistaat lückenlos abzudecken, wären laut Füracker etwa 25 solcher Satelliten nötig.
Personen seien auf den Aufnahmen nicht erkennbar, betonte der Minister. Das System sei gezielt für Verwaltungs- und Analyseaufgaben ausgelegt.
18,2 Millionen Euro für die Demonstrator-Mission
Nach Angaben der Staatsregierung investiert Bayern 18,2 Millionen Euro aus der Hightech Agenda Plus in die Demonstrator-Mission. Bislang seien vergleichbare Erhebungen nur mit großem Aufwand aus dem Flugzeug möglich gewesen – und teils nur im Abstand von Jahren.
Sollte sich das System im Betrieb bewähren, könnte es später ausgebaut werden. Für eine mögliche Vollmission sollen dann weitere Projektpartner gewonnen werden.
Satelliten für 3D-Bilder und Klimaforschung
Drei weitere Satelliten des Typs TOM sollen ein Zielgebiet aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfassen. So können dreidimensionale Aufnahmen entstehen, die etwa in Katastrophenlagen nützlich sein können.
Für die schnelle Weiterleitung der Daten arbeiten die Forschenden mit Partnern auf fünf Kontinenten zusammen.
Der neunte Satellit dient als Vorerkundungsmodell für eine spätere Mission. Er soll Grundlagen für künftige Anwendungen im Bereich der Klimavorhersage liefern.
Kleine Bauweise, geringere Kosten
Kleinsatelliten sind in Entwicklung und Start deutlich günstiger als große Raumfahrtsysteme. Nach Angaben von Klaus Schilling wurden mit diesem Flug so viele in Europa gefertigte Satelliten gleichzeitig ins All gebracht wie noch nie.
Würzburg als Zentrum der Kleinsatelliten-Forschung
Klaus Schilling gilt als Wegbereiter der Kleinsatelliten-Forschung in Deutschland. Nach Stationen in der Raumfahrtindustrie arbeitete er an der Universität Würzburg. Bereits 2005 brachte sein Team mit „Uwe-1“ den ersten deutschen Pico-Satelliten ins All. Ziel war damals, Internetanwendungen aus dem Orbit zu ermöglichen.
Seitdem wurden zahlreiche weitere kleine Satelliten aus Würzburg gestartet – entwickelt von der Universität, Forschungsinstituten, Unternehmen und Start-ups.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber