Sonderisolierstationen in Deutschland: So werden Ebola-Fälle in Spezialkliniken behandelt
Wenn Menschen mit hochgefährlichen Erregern wie Ebola in ein Krankenhaus kommen, gelten strengste Sicherheitsvorkehrungen. Nur wenige Kliniken in Deutschland sind für solche Fälle ausgestattet. Im Mai wurde an der Berliner Charité ein Ebola-Patient auf einer Sonderisolierstation aufgenommen, inzwischen wird auch an der Uniklinik Frankfurt am Main ein weiterer Fall behandelt.
Wie arbeitet eine Sonderisolierstation?
Diese Stationen sind vollständig vom normalen Krankenhausbetrieb getrennt. So soll jeder Kontakt zu anderen Patientinnen und Patienten verhindert werden. Abgeschirmt werden dabei nicht nur direkte Begegnungen: Auch Luft, Wasser und Abfall werden separat behandelt.
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist entscheidend, dass weder für die Bevölkerung noch für das Klinikpersonal ein Risiko entsteht. Der Düsseldorfer Tropenmediziner Torsten Feldt betont, dass aus deutschen Sonderisolierstationen bislang kein Erreger nach außen gelangt sei.
Das Abwasser der Patienten wird je nach Klinik in speziellen Tanks gesammelt, aufbereitet und unschädlich gemacht. Müll wie benutzte Schutzanzüge wird getrennt erfasst und von spezialisierten Firmen sicher entsorgt.
Zusätzlich herrscht in den Räumen Unterdruck. Dadurch wird beim Öffnen von Türen oder selbst bei kleinen Undichtigkeiten Luft nach innen gesogen statt nach außen gedrückt. Auf diese Weise sollen Krankheitserreger die Station nicht verlassen können. Bevor Abluft in die Umwelt gelangt, wird sie über Hochleistungsfilter gereinigt.
Wie schützt sich das medizinische Personal?
Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte betreten die Isolationsbereiche nur in speziellen Ganzkörper-Schutzanzügen. Dazu gehören Schutzhaube mit Visier, Fußteile, integrierte Handschuhe und ein Gebläse-Luftfiltersystem.
Schon das An- und Ausziehen der Ausrüstung ist aufwendig und dauert laut Bundesgesundheitsministerium etwa 20 Minuten. Nach jedem Aufenthalt im Patientenzimmer folgt eine Dekontaminationsdusche. Dabei wird der Schutzanzug mit Essigsäure desinfiziert und zusätzlich mit Bürsten gründlich in allen Falten und Übergängen gereinigt. Anschließend wird der Einweganzug aufgeschnitten und sicher entsorgt.
Weil die Arbeit in dieser Schutzkleidung körperlich extrem belastend ist, können Fachkräfte nach Angaben von Feldt nur maximal zwei bis drei Stunden am Stück darin arbeiten. Danach übernimmt das nächste Team.
Wo gibt es solche Stationen in Deutschland?
Bundesweit existieren sieben Sonderisolierstationen. Sie befinden sich in:
- Berlin
- Düsseldorf
- Frankfurt am Main
- Hamburg
- Leipzig
- München
- Stuttgart
Die Zentren sind so verteilt, dass sie aus allen Regionen Deutschlands innerhalb weniger Stunden auf dem Landweg erreichbar sind.
Die Kapazitäten unterscheiden sich deutlich. In Düsseldorf können maximal drei Patienten mit derselben Erkrankung behandelt werden. Die Charité in Berlin verfügt mit bis zu 20 Plätzen über die größte Station. Insgesamt liegt die bundesweite Kapazität im mittleren zweistelligen Bereich.
Sind die Stationen ständig in Betrieb?
Nein. Sie werden nur dann aktiviert, wenn ein konkreter Verdachts- oder Behandlungsfall vorliegt. Besonders wichtig ist dabei, kurzfristig genügend spezialisiertes Personal bereitzustellen. Für die Versorgung eines einzelnen Patienten werden etwa 50 Fachkräfte benötigt, weil rund um die Uhr im Schichtsystem gearbeitet werden muss.
Im Alltag werden diese Bereiche teils anders genutzt. In Düsseldorf dient die Sonderisolierstation normalerweise als Infektionsstation mit belegten Betten. Im Alarmfall müssen diese Patientinnen und Patienten zunächst verlegt werden, entweder innerhalb des Klinikums oder in andere Krankenhäuser. Die Vorbereitung nach einer Alarmierung dauert dort ungefähr vier Stunden, manchmal auch etwas kürzer.
Wie häufig kommt es zu solchen Einsätzen?
Nach Einschätzung von Feldt sind solche Alarme selten und treten nur alle paar Jahre auf. In Düsseldorf wurden bislang keine Patienten mit viral hämorrhagischen Fiebern wie Ebola oder Lassa behandelt, allerdings gab es dort 2016 mehrere Lassa-Verdachtsfälle. In jüngerer Zeit war außerdem eine Kontaktperson von Menschen untergebracht, die sich auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ mit dem Hantavirus infiziert hatten.
Die Frankfurter Sonderisolierstation hat dagegen bereits Erfahrung mit hämorrhagischen Fiebern. Nach Angaben der Klinik wurden dort mehrere Patienten mit Sars, Lassa-Fieber sowie ein mit dem Ebolavirus infizierter Patient erfolgreich behandelt. Bereits 2014 waren drei Ebola-Erkrankte aus Afrika zur Behandlung nach Deutschland gebracht worden.
Warum wird der Patient in Deutschland behandelt?
Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilt, haben die USA die Bundesregierung bereits früher um Unterstützung bei der Behandlung eines mit Ebola infizierten US-Staatsbürgers gebeten. Als Gründe nennt das Ministerium die im Vergleich zu einem Flug in die USA kürzere Transportzeit vom Kongo nach Deutschland sowie die vorhandene medizinische Infrastruktur.
Neben den sieben Sonderisolierstationen steht in Deutschland außerdem das Expertennetzwerk Stakob bereit, das auf die Versorgung von Patienten mit hochpathogenen Erregern spezialisiert ist.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber