Knapp zwei Monate nach der Ankunft eines ersten an Ebola erkrankten US-Amerikaners wird in Deutschland erneut ein infizierter US-Bürger behandelt. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums landete die betroffene Person in der Nacht auf dem Frankfurter Flughafen und wurde anschließend in die Universitätsklinik Frankfurt gebracht.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte zuvor mitgeteilt, dass es sich um einen US-Staatsbürger handelt, der für eine humanitäre Organisation in der Demokratischen Republik Kongo arbeitet. Dort wurde bei der Person die derzeit grassierende Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus nachgewiesen.
Patient zeigt Ebola-Symptome
Die Universitätsmedizin Frankfurt teilte mit, dass die betroffene Person seit drei Uhr morgens in Behandlung ist. Nach Angaben von Timo Wolf, Leiter der Sonderisolierstation für hochpathogene Infektionserreger, ist der Zustand derzeit stabil. Zu Alter, Geschlecht oder konkreten Symptomen macht die Klinik keine Angaben.
Nach Auskunft der behandelnden Ärzte zeigt die Person die Symptome, die bei Ebola zu erwarten sind. Seit der Ankunft habe sich die Erkrankung aber nicht verschlechtert. Für eine Einschätzung des weiteren Verlaufs sei es noch zu früh.
Zur Therapie äußerte sich Wolf nur allgemein: Der Patient oder die Patientin werde mit Flüssigkeit und Nährstoffen versorgt und je nach Beschwerden behandelt. Entscheidend sei unter anderem, wie hoch die Viruslast im Blut sei und wie sie sich entwickele. Wie lange die Behandlung dauern werde, ist bislang offen.
Klinikdirektor Jürgen Graf erklärte, die Kosten würden in der Regel von bestehenden Versicherungen getragen. Für die Bevölkerung bestehe kein Anlass zur Sorge.
Wolf betonte zudem, die Sonderisolierstation verfüge über mehrere Sicherheitsstufen. So könne nichts aus dem Krankenzimmer in die Umwelt gelangen. Auch das Personal sei vor einer Ansteckung geschützt. Der Transport nach Frankfurt sei reibungslos verlaufen.
Keine Impfung, keine Standard-Therapie
Ebola-Fieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Erkrankung. Das Virus wird durch direkten Körperkontakt sowie über Körperflüssigkeiten übertragen. Der aktuelle Ausbruch im Kongo gilt als besonders schwer einzudämmen. Ein wesentlicher Grund: Für die Bundibugyo-Variante gibt es bislang weder einen Impfstoff noch eine spezielle Standardtherapie.
Für den Transport von Ebola-Patienten werden in der Regel Spezialflugzeuge eingesetzt. In Deutschland erfolgt die Behandlung auf Sonderisolierstationen, also in geschlossenen und vom normalen Klinikbetrieb getrennten Einheiten. Nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums besteht deshalb weder für andere Patienten noch für die Bevölkerung eine Gefahr.
Erster US-Arzt überlebte, aber nur knapp
Bereits am 20. Mai war ein amerikanischer Arzt zur Behandlung nach Deutschland gebracht und in die Berliner Charité eingeliefert worden. Sein Zustand sei zeitweise lebensbedrohlich gewesen, vor allem zwischen dem Abflug in Afrika und der Ankunft in Deutschland, hatten Ärzte damals erklärt. Nach gut zwei Wochen konnte er das Krankenhaus wieder verlassen.
Auch seine Frau und die vier Kinder galten als Hochrisikokontakte und kamen in der Charité in Quarantäne, zeigten jedoch keine Symptome. Sie wurden in einem getrennten Teil der Station untergebracht. Nach Angaben von Charité-Mediziner Leif Erik Sander kann Ebola bei Kindern sehr rasch tödlich verlaufen.
Ende Juni war das Bundibugyo-Virus erstmals auch in Europa nachgewiesen worden. In Frankreich wurde ein aus dem Ostkongo zurückgekehrter Arzt einer humanitären Organisation positiv getestet. Er wurde unmittelbar nach seiner Ankunft isoliert und Anfang Juli nach negativen Tests sowie symptomfrei wieder aus dem Krankenhaus entlassen.
Lage im Kongo dramatisch
Im Kongo wurden inzwischen 702 bestätigte Todesfälle registriert. Bis Sonntag wurden 1.926 Infektionen im Labor nachgewiesen. Nach Angaben der kongolesischen Regierung gelten 318 Patientinnen und Patienten als genesen. Derzeit werden 753 Menschen in Krankenhäusern oder Isolierstationen behandelt. Fachleute betonen, dass sich die Fallzahlen bei keinem früheren Ebola-Ausbruch so schnell erhöht hätten wie bei der aktuellen Welle.
Bei der bislang schwersten Ebola-Epidemie in Westafrika starben 2014 und 2015 mehr als 11.000 Menschen. Schon damals wurden drei Ebola-Patienten in Deutschland behandelt: ein Mediziner aus Uganda in Frankfurt, ein Mann aus dem Senegal in Hamburg sowie ein UN-Mitarbeiter in Leipzig. Letzterer überlebte die Infektion nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber