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Ebola: Jetzt zählt jede Minute – Kliniken am Limit

Ebola breitet sich im Kongo aus: Erfahrung ist da – doch ausgerechnet jetzt droht ein Engpass mit fatalen Folgen.

22.05.2026, 08:37 Uhr

Ebola-Ausbruch im Osten des Kongo: Helfer kämpfen gegen die Zeit

Eine Woche nach der offiziellen Meldung des Ebola-Ausbruchs in der Provinz Ituri in der Demokratischen Republik Kongo wächst die Sorge weiter. Es gibt Hunderte Verdachtsfälle, die Zahl bestätigter Infektionen steigt, und auch ein Übergreifen auf Nachbarstaaten wie Uganda und den Südsudan bereitet Fachleuten große Sorgen. Einsatzkräfte, Mediziner und Hilfsorganisationen versuchen nun, die Lage möglichst schnell unter Kontrolle zu bringen.

Schneller Aufbau von Isolier- und Behandlungszentren

Nach Einschätzung des Berliner Epidemiologen Maximilian Gertler, der für Ärzte ohne Grenzen bereits mehrfach bei Ebola-Einsätzen in Afrika tätig war, ist jetzt vor allem Tempo gefragt. Entscheidend sei, an mehreren Orten rasch Isolations- und Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen.

Das sei jedoch alles andere als einfach. Die betroffene Region gilt als unsicher, zudem erschweren Konflikte und die schwierige Infrastruktur die Arbeit zusätzlich. Ärzte ohne Grenzen entsendet deshalb erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Ausbruchsgebiete, um bestehende Teams zu verstärken. Gleichzeitig müsse weiteres medizinisches Personal geschult und schnell einsatzbereit gemacht werden.

Erfahrung mit Ebola, aber enorme Hürden

Trotz der dramatischen Lage gibt es laut Gertler einen Vorteil: Kaum ein anderes Land hat so viel Erfahrung mit Ebola-Ausbrüchen wie die Demokratische Republik Kongo. Dennoch bleibt der Einsatz äußerst kompliziert.

Die betroffene Region ist groß, liegt nahe an internationalen Grenzen und stellt Hilfsorganisationen logistisch vor gewaltige Aufgaben. Der Kongo ist flächenmäßig riesig, viele Gebiete sind schwer erreichbar und infrastrukturell nur schwach erschlossen. Oft müsse selbst die Treibstoffversorgung für Generatoren organisiert werden. Dafür unterhält Ärzte ohne Grenzen Notfalllager an mehreren Standorten in der Region sowie in Städten wie Kinshasa und Kisangani.

Ebola-Ausbruch - Kenia
Medizinische Hilfsgüter sind bereits auf dem Weg in den Kongo, um den Ebola-Ausbruch zu bekämpfen (Archivbild) Quelle: Andrew Kasuku/AP/dpa

Schutzmaterial und Personal werden eingeflogen

Nach Angaben Gertlers bringt die Organisation derzeit große Mengen an Schutzkleidung sowie technische Ausrüstung wie Generatoren und Kühlgeräte in das Krisengebiet. Auch zusätzliches Personal werde entsandt, um neue Zentren aufzubauen. Teams seien unter anderem in Städten wie Bunia, Butembo und Goma unterwegs, um geeignete Standorte zu prüfen.

Die Hilfsgüter stammen nicht nur aus dem Kongo selbst, sondern auch aus Uganda und aus Europa. Ärzte ohne Grenzen greift dabei auf vorbereitete Ebola-Kits zurück. Diese enthalten unter anderem Schutzanzüge, Betten, Zelte, Matten, Infusionen sowie technische Ausstattung wie Computer und Stromaggregate, damit die Arbeit vor Ort sofort beginnen kann.

Isolierkapazitäten vielerorts am Limit

Gleichzeitig stoßen bestehende Einrichtungen mancherorts bereits an ihre Grenzen. Aus verschiedenen Gesundheitszentren wird berichtet, dass fortlaufend Menschen mit Verdacht auf Ebola erscheinen, obwohl teils keine freien Isolationsplätze mehr vorhanden sind.

Fehlende Kapazitäten bedeuten nicht nur, dass Betroffene womöglich nicht rechtzeitig behandelt werden können. Sie erhöhen auch das Risiko, dass infizierte Personen weitere Menschen anstecken.

Rotes Kreuz warnt vor schneller Ausbreitung

Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz zeigt sich alarmiert. Wegen der stark steigenden Zahl an Verdachtsfällen sei schnelles Handeln unerlässlich. Besonders problematisch sei, dass sich der Ausbruch in Gebieten ausbreite, in denen die Gesundheitssysteme ohnehin sehr schwach seien und viele Menschen regelmäßig Grenzen überquerten.

Nach Einschätzung des Roten Kreuzes sind deshalb gerade die nächsten Tage von entscheidender Bedeutung. Neben medizinischer Hilfe sei eine enge Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden unerlässlich.

Kontaktverfolgung als Schlüssel im Kampf gegen Ebola

Die Versorgung Erkrankter und die Isolation von Verdachtsfällen sind nur ein Teil der Eindämmung. Ebenso wichtig ist die Nachverfolgung von Kontaktpersonen. Spezielle Teams versuchen, Infektionsketten zu rekonstruieren und Personen zu identifizieren, die mit bestätigten Fällen in Berührung gekommen sind.

Diese Menschen werden registriert und möglichst täglich kontaktiert, um zu prüfen, ob Symptome auftreten. Solange sie gesund bleiben, gelten sie bei normalem Kontakt nicht als ansteckend. Kommt jedoch Fieber hinzu, müssen sie schnell und unter sicheren Bedingungen in ein Isolations- und Behandlungszentrum gebracht werden. Die Beobachtung der Kontaktpersonen dauert nach dem letzten Kontakt mit einem Ebola-Fall insgesamt 21 Tage.

Aufklärung der Bevölkerung soll weitere Infektionen verhindern

Neben medizinischer Versorgung und Kontaktverfolgung spielt auch Information eine zentrale Rolle. Freiwillige des kongolesischen Roten Kreuzes sind in besonders betroffenen Gebieten von Haus zu Haus unterwegs, um über Ansteckungswege und Schutzmaßnahmen aufzuklären.

Auch über Radioprogramme werden Hinweise zu Symptomen verbreitet. Die Menschen sollen dadurch ermutigt werden, bei Verdachtszeichen schnell Hilfe zu suchen. Nur wenn Behandlung, Isolation, Aufklärung und Kontaktverfolgung gleichzeitig funktionieren, kann der Ausbruch eingedämmt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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