Der Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich weiter aus. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete die Lage auf X als „zutiefst besorgniserregend“. Zwar gebe es Fortschritte bei Überwachung und Labortests, doch Gewalt und Unsicherheit behinderten die Eindämmung der Epidemie weiterhin erheblich.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gibt es inzwischen fast 750 Verdachtsfälle und 177 mutmaßliche Todesfälle. Im Labor bestätigt wurden bislang 82 Infektionen, darunter sieben Todesfälle. Die WHO geht allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt, weil der Ausbruch zunächst wochenlang unbemerkt blieb und nicht alle Fälle erfasst werden. Im benachbarten Uganda wurden über die zwei bereits bekannten Infektionen hinaus bislang keine weiteren Fälle gemeldet.
Mehr Verdachtsfälle nicht zwingend ein schlechtes Zeichen
Nach Einschätzung von WHO-Experten ist der Anstieg der Verdachtsfälle zunächst eher positiv zu bewerten. Zum einen habe es einen Rückstau bei Laborproben gegeben, der nun schneller abgearbeitet werde. Zum anderen melde sich offenbar eine wachsende Zahl von Menschen mit Symptomen, statt zu Hause zu bleiben und womöglich weitere Personen anzustecken.
Am 15. Mai lag der Anteil bestätigter Infektionen unter den Verdachtsfällen noch bei mehr als 60 Prozent. Inzwischen ist diese Positivrate auf 49 Prozent gesunken.
Kontaktverfolgung bleibt lückenhaft
Trotzdem bleibt die Kontaktverfolgung unzureichend. In der besonders betroffenen Provinz Ituri werden bei rund 750 Verdachtsfällen bislang nur gut 1.400 Kontakte nachverfolgt. WHO-Vertreterin Anne Ancia räumte ein: „Wir liegen im Rückstand.“
Als Gründe nannte sie die unsichere Lage, die Abgeschiedenheit der Region, das Misstrauen in Teilen der Bevölkerung und die schwache Infrastruktur. Zusätzlich kam es zuletzt zu gewaltsamen Zwischenfällen: Im Ostkongo setzten wütende Demonstranten Klinikzelte in Brand, nachdem Ärzte den Leichnam eines mutmaßlichen Ebola-Toten nicht an dessen Familie übergeben hatten.
US-Arzt in der Charité stark geschwächt, aber stabil
Unterdessen wird ein US-amerikanischer Arzt mit Ebola in der Berliner Charité behandelt. Nach Angaben des Universitätsklinikums ist der Patient zwar deutlich geschwächt, sein Zustand aber derzeit stabil. Die Bundibugyo-Variante des Ebolavirus wurde demnach per PCR-Test eindeutig nachgewiesen.
Der Mann zeigt klare Krankheitssymptome, benötigt aktuell jedoch weder intensivmedizinische Maßnahmen noch ein Organersatzverfahren. Da sich der Krankheitsverlauf jederzeit verändern könne, werde er engmaschig überwacht und weiterbehandelt.
Die Ehefrau und die vier Kinder des Patienten gelten als Hochrisikokontakte. Sie sind nach Angaben der Charité derzeit symptomfrei und in einem getrennten Bereich der Station in Quarantäne untergebracht. Ein erster PCR-Test fiel bei ihnen negativ aus.
Familie in Quarantäne – Spielzimmer für Kinder eingerichtet
Der Arzt war in der Nacht zum Mittwoch in die Charité gebracht worden, seine Familie folgte eine Nacht später. Hintergrund war ein Hilfeersuchen der US-Behörden. Nach Angaben des Klinikums wollten die Kinder ihren Vater unmittelbar nach der Ankunft sehen. Damit das möglich war, wurde vor das Isolationszimmer eine Bank gestellt, sodass sie ihn durch ein Fenster sehen konnten.
Direkten Zugang zum Bereich des infizierten Familienvaters haben die Angehörigen nicht. Die Kommunikation läuft auf der Station grundsätzlich über Sprechanlagen. Für die Familie stehen zudem psychologische Betreuungsangebote bereit. Ein Zimmer wurde kindgerecht eingerichtet und mit Spielzeug ausgestattet, damit sich die Kinder während der Quarantäne beschäftigen können.
Seltener Bundibugyo-Typ erschwert die Bekämpfung
Laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC begann der aktuelle Ausbruch im April in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Es ist der 17. registrierte Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976.
Besonders problematisch ist, dass es sich um den seltenen Bundibugyo-Typ des Ebolavirus handelt. Gegen diesen Stamm gibt es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezielle Therapie.
Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch engen Kontakt mit infizierten Menschen sowie mit deren Körperflüssigkeiten übertragen. Bei der schweren Ebola-Epidemie in Westafrika in den Jahren 2014 und 2015 starben mehr als 11.000 Menschen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion