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15.000 Kilometer durchs Meer: Dieser Wal bricht Rekorde

15.000 Kilometer und ein Ozeanwechsel: Zwei Buckelwale brechen alle Rekorde – was treibt sie von Brasilien bis Australien?

22.05.2026, 09:33 Uhr

Rekordreise von Buckelwalen zwischen Brasilien und Australien entdeckt

Buckelwale zählen zu den größten Langstreckenwanderern der Welt. Normalerweise pendeln sie jedes Jahr über viele tausend Kilometer zwischen kalten, nahrungsreichen Gewässern in der Arktis oder Antarktis und warmen tropischen Regionen, in denen sie sich fortpflanzen. Dabei bleiben sie ihren gewohnten Routen in der Regel ein Leben lang treu.

Umso überraschender ist das Ergebnis einer internationalen Studie, die im Fachjournal Open Science der Royal Society veröffentlicht wurde: Zwei Buckelwale wurden unabhängig voneinander sowohl vor Brasilien als auch vor Australien nachgewiesen. Damit handelt es sich offenbar um die bislang längsten dokumentierten Wanderungen dieser Art.

Schwanzflossen als eindeutiges Erkennungsmerkmal

Das Forschungsteam um Cristina Castro von der Pacific Whale Foundation und Stephanie Stack von der Griffith University wertete Fotoaufnahmen von Buckelwal-Schwanzflossen aus, die über viele Jahre gesammelt wurden. Dabei fanden die Wissenschaftler zwei Tiere, die in beiden weit voneinander entfernten Regionen fotografiert worden waren.

Besonders bemerkenswert: Eines der Tiere legte demnach mindestens 15.100 Kilometer zurück. Nach Angaben der Forschenden ist das die größte bislang belegte Distanz zwischen zwei Sichtungen eines einzelnen Buckelwals.

Für die Untersuchung wurden mehr als 19.000 Bilder aus den Jahren 1984 bis 2025 analysiert. Zunächst suchte eine automatische Bilderkennung nach möglichen Übereinstimmungen, danach prüften Experten die Ergebnisse. Entscheidend war die Unterseite der Schwanzflosse: Pigmentierung, Narben und Kerben sind bei jedem Wal individuell und funktionieren ähnlich wie ein menschlicher Fingerabdruck.

Daten aus Wissenschaft und Bürgerforschung

Die ausgewerteten Fotos stammen nicht nur von Forschenden. Auch Freiwillige tragen zur Datensammlung bei, indem sie Aufnahmen auf Plattformen wie happywhale.com hochladen. So entstand über Jahrzehnte ein weltweites Netzwerk zur Identifizierung einzelner Tiere.

Stephanie Stack betont, dass Wale teils im Abstand von vielen Jahren und von verschiedenen Menschen an ganz unterschiedlichen Orten fotografiert wurden. Trotzdem lasse sich ihre Reise rekonstruieren. Jedes zusätzliche Bild habe das Wissen über diese Meeressäuger erweitert und letztlich geholfen, eine der extremsten bekannten Wanderungen nachzuweisen.

Zwei außergewöhnliche Fälle in mehr als 40 Jahren

Dass Buckelwale zwischen Nahrungs- und Fortpflanzungsgebieten wechseln, ist normal. Ein Wechsel zwischen so weit entfernten Populationen im Atlantik und Pazifik gilt jedoch als äußerst selten. In über vier Jahrzehnten fanden die Forschenden nur zwei entsprechende Fälle.

Der erste Wal wurde 2007 und erneut 2013 in Hervey Bay an Australiens Ostküste fotografiert. 2019 tauchte dasselbe Tier dann vor São Paulo in Brasilien auf — mindestens 14.200 Kilometer entfernt.

Der zweite Fall ist noch spektakulärer: Ein Buckelwal, der 2003 an der Abrolhos-Bank, dem wichtigsten Fortpflanzungsgebiet Brasiliens, gesichtet wurde, erschien im September 2025 bei Hervey Bay in Australien wieder. Die beiden Orte liegen mehr als 15.000 Kilometer auseinander.

Möglicherweise Anschluss an andere Gruppen

Welche genaue Route die Tiere genommen haben, bleibt offen. Die Fotos belegen nur Start- und Endpunkte, sodass die tatsächliche Schwimmstrecke vermutlich noch größer war. Eine mögliche Erklärung der Forschenden: Wale aus unterschiedlichen Fortpflanzungsgebieten könnten sich in den polaren Nahrungszonen begegnen und sich anschließend einer anderen Gruppe anschließen.

Nach Einschätzung des Teams könnte die Fähigkeit einzelner Tiere, neue Wege zu erkunden und andere Fortpflanzungsgebiete zu nutzen, von Vorteil sein. Um dieses Verhalten besser zu verstehen, seien jedoch weitere Untersuchungen nötig. Die bisher belegten Fälle seien zu selten, um daraus allgemeine Schlüsse für die gesamte Art zu ziehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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