Politik

Bill Clinton wird 80: Das Drama des Comeback-Kids

Immer wieder fällt er – und kommt zurück: Warum Bill Clinton selbst Skandale überlebt und kurz vor 80 erneut unter Druck gerät.

18.08.2026, 07:00 Uhr

Bill Clinton wird 80 – und der Epstein-Komplex wirft weiter Schatten

Vor einigen Monaten rückte Bill Clinton in Washington unerwartet erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der frühere US-Präsident, der von 1993 bis 2001 im Amt war, sagte unter Eid vor einem Kontrollgremium des Kongresses aus – ein ungewöhnlicher und politisch brisanter Vorgang. Im Mittelpunkt stand der Fall Jeffrey Epstein, dessen Missbrauchsskandal auch zahlreiche prominente und einflussreiche Namen berührt hat, darunter Vertreter der Demokraten.

Clinton erschien dafür nicht persönlich im Kapitol. Stattdessen wurde er an seinem Wohnort Chappaqua im Bundesstaat New York befragt. Die Aufnahmen dieser Vernehmung wurden später veröffentlicht. Für den Ex-Präsidenten, der am Mittwoch, dem 19. August, 80 Jahre alt wird, bleibt die Frage, ob ihn die Affäre dauerhaft verfolgen wird.

Trump verwies immer wieder auf Clinton

Je größer der öffentliche Druck im Epstein-Skandal wurde, desto häufiger zeigte Donald Trump auf den früheren Präsidenten. Dabei hatte Trump über Clinton in der Vergangenheit durchaus wohlwollend gesprochen. Im Dezember 2025 sagte der amtierende Präsident, er möge Bill Clinton, man sei immer freundlich miteinander umgegangen.

Dass Trump Clintons Namen wiederholt ins Spiel brachte, wurde auch als Versuch gewertet, die Aufmerksamkeit von eigenen Verbindungen zu Epstein wegzulenken. Denn auch Trump kannte den inzwischen verstorbenen Multimillionär. Wer in irgendeiner Form Kontakt zu Epstein hatte, geriet bei der politischen und juristischen Aufarbeitung schnell unter Beobachtung. Allerdings bedeuten Bekanntschaften oder Erwähnungen in Akten allein noch keinen Nachweis von Fehlverhalten. Der Vorsitzende des Ausschusses hatte vor Clintons Aussage betont, dass weder Bill noch Hillary Clinton derzeit konkretes Fehlverhalten vorgeworfen werde.

Hillary Clintons addresses her staff and supporters following her
Die Clintons gelten als Powerpaar. (Archivbild) Quelle: picture alliance / dpa

Clinton weist seit Jahren jede Schuld im Zusammenhang mit Epstein zurück, der 2019 tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde. Nach eigener Darstellung wusste der Demokrat auch nichts von dessen Straftaten. Vor den Aussagen hatte es ein längeres Ringen gegeben: Die Clintons bezeichneten das Verfahren zunächst als politisch motiviert und wollten nicht aussagen. Inzwischen hat das öffentliche Interesse an den Ermittlungen etwas nachgelassen.

Ein Politiker mit Nehmerqualitäten

Clintons politische Laufbahn war immer wieder von Gerüchten, Machtkämpfen, Vorwürfen und Skandalen begleitet. Dennoch gelang es ihm mehrfach, Rückschläge zu überstehen und wieder an Einfluss zu gewinnen. Selbst das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn im Kongress beendete seine politische Karriere nicht. Clinton nannte sich selbst einmal das „Comeback-Kid“ – jemand also, der immer wieder zurückkommt.

Die Washington Post schrieb schon vor Monaten, die Clintons hätten über Jahrzehnte hinweg Kritik, öffentliche Angriffe und zahllose Verschwörungserzählungen überstanden. Oft seien am Ende eher ihre Gegner gescheitert. In seiner Autobiografie Citizen beschreibt Clinton solche Angriffe als Schläge unter die Gürtellinie, die seine Familie verletzt hätten.

Die Lewinsky-Affäre als größter Einschnitt

Der bekannteste Skandal in Clintons Karriere bleibt die Affäre mit Monica Lewinsky. In den 1990er Jahren arbeitete sie als Praktikantin im Weißen Haus. Clinton hatte eine intime Beziehung zunächst abgestritten und erst später eingeräumt. In einer Fernsehansprache im Sommer 1998 bekannte er schließlich, eine Beziehung zu Lewinsky gehabt zu haben, die „nicht angemessen“ gewesen sei.

Die Affäre brachte ihn politisch schwer in Bedrängnis und führte zu einem Amtsenthebungsverfahren. Letztlich blieb Clinton jedoch im Amt.

Während all dieser Jahre stand Hillary Clinton weiter an seiner Seite. Gemeinsam gelten die beiden bis heute als eines der prägendsten Machtpaare der Demokratischen Partei. Bill Clinton war bei seinem Einzug ins Weiße Haus erst 46 Jahre alt und damit der 42. Präsident der Vereinigten Staaten. Trump hingegen war beim Beginn seiner ersten Amtszeit 2017 bereits 70.

1992 hatte Clinton den republikanischen Amtsinhaber George H. W. Bush besiegt. Nach zwei Amtszeiten wurde er später von dessen Sohn George W. Bush im Präsidentenamt abgelöst.

Die Clintons als politische Familie

Hillary Clinton machte nach der Präsidentschaft ihres Mannes selbst Karriere auf höchster Ebene und wurde unter Barack Obama Außenministerin. Ihr Versuch, 2016 als demokratische Kandidatin Präsidentin zu werden, scheiterte jedoch an Trump.

Bill Clinton wurde als William Jefferson Clinton in Arkansas geboren. Dort begann auch sein politischer Aufstieg: Zunächst war er viele Jahre Gouverneur des südlichen Bundesstaates. Seinen leiblichen Vater lernte er nie kennen, da dieser noch vor seiner Geburt bei einem Verkehrsunfall starb. Während seiner Schulzeit nahm er den Nachnamen seines Stiefvaters Roger Clinton an.

Hillary lernte er während des Studiums kennen. Beide teilten früh eine Leidenschaft für Politik. In den 1970er Jahren heirateten sie, später wurde ihre Tochter Chelsea geboren.

Wirtschaftlicher Erfolg trotz politischer Krisen

Clinton, von Beruf Jurist, absolvierte zwei volle Amtszeiten. Auch wenn seine Gesundheitsreform scheiterte, konnte er innenpolitisch und wirtschaftlich Erfolge vorweisen. In seiner Regierungszeit erlebten die USA einen kräftigen Aufschwung. Zudem gelang es seiner Regierung, aus einem massiven Haushaltsdefizit einen Überschuss zu machen.

Der Historiker Russell L. Riley vom Miller Center der University of Virginia schrieb, dass die gängige Bewertung von Clintons Präsidentschaft ihm wesentliche Verdienste am Wirtschaftsboom zuschreibe. Besonders die strikte Haushaltspolitik ab 1993 habe dazu beigetragen, das Vertrauen an den Finanzmärkten deutlich zu stärken.

Trotz aller Affären, Spekulationen und politischen Angriffe verließ Clinton das Weiße Haus mit bemerkenswert hohen Zustimmungswerten in der Bevölkerung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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