Wirtschaft

Milliarden-Vergleich: Meta knickt ein

Kinder in der Social-Media-Falle? Im Suchtprozess lenkt Meta ein – und zahlt unfassbare 16,7 Milliarden Dollar

26.08.2026, 15:41 Uhr

Meta hat sich im Verfahren um die mutmaßliche Social-Media-Abhängigkeit von Kindern auf eine Zahlung von knapp 16,7 Milliarden US-Dollar geeinigt. Das geht aus einem Gerichtsdokument hervor, wonach der Facebook- und Instagram-Konzern mit den klagenden US-Bundesstaaten einen Vergleich geschlossen hat.

Die Summe soll an die überwiegende Mehrheit der US-Bundesstaaten, mehrere US-Territorien sowie den Hauptstadtbezirk District of Columbia fließen. Mit der Vereinbarung soll der Rechtsstreit ohne weitere gerichtliche Auseinandersetzung beendet werden.

Mehrere Bundesstaaten hatten Meta vorgeworfen, Kinder gezielt zu einer exzessiven Nutzung von Facebook und Instagram verleitet zu haben. Außerdem habe der Konzern Risiken gegenüber Eltern und der Öffentlichkeit verschleiert. Meta weist diese Vorwürfe weiterhin zurück und bekräftigte dies auch im Zuge der Einigung.

Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Virginia, Jay Jones, sprach von einem „monumentalen Sieg für den Schutz der amerikanischen Kinder“. Meta habe die Öffentlichkeit jahrelang absichtlich über süchtig machende und schädliche Designmerkmale getäuscht, die die psychische Gesundheit junger Menschen massiv beeinträchtigt hätten, erklärte er.

Meta kündigt zusätzliche Schutzmechanismen für Minderjährige an

Parallel zur Einigung stellte Meta neue Einschränkungen für Jugendliche in Aussicht. Vorbehaltlich einer gerichtlichen Genehmigung sollen diese Schutzmaßnahmen für zehn Jahre automatisch für minderjährige Nutzer von Facebook und Instagram gelten. Ziel sei es, Eltern mehr Kontrolle zu geben und Kinder besser zu schützen.

Geplant ist unter anderem ein tägliches Zeitlimit von zwei Stunden, das nur mit Zustimmung der Eltern deaktiviert werden kann. Die Begrenzung soll plattformübergreifend gelten, also zusammen für Facebook und Instagram.

Außerdem sollen die Apps zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens in einen Nachtmodus wechseln. In dieser Zeit sollen Minderjährige weder Inhalte ansehen noch Beiträge veröffentlichen können. Zusätzliche Hinweise und Erinnerungen sollen Jugendliche zu einem bewussteren Umgang mit den Plattformen bewegen.

Mit Blick auf problematische Schönheitsideale will Meta zudem Filter für „Schönheitsoperationen und extremes Make-up“ abschalten. Auch die seit Langem kritisierte Anzeige von Likes und Reaktionen soll bei Jugendlichen standardmäßig ausgeblendet werden. Sie sollen dann weder bei eigenen noch bei fremden Beiträgen sehen können, wie stark auf Inhalte reagiert wurde.

Zuvor standen Strafen von bis zu 1,4 Billionen Dollar im Raum

Der Geschworenenprozess im kalifornischen Oakland hatte in der vergangenen Woche mit den Eröffnungsplädoyers begonnen. Die von Kalifornien angeführten Kläger wollten neben Geldstrafen auch Auflagen durchsetzen, die Änderungen am Geschäftsmodell des Konzerns erzwungen hätten.

Meta hatte bereits vor einigen Monaten in einem Gerichtsdokument erklärt, die von den Bundesstaaten geforderten Strafen könnten sich auf bis zu 1,4 Billionen US-Dollar belaufen, umgerechnet derzeit rund 1,2 Billionen Euro. Nach Darstellung der Klägerseite wäre eher ein Betrag von etwa 200 Milliarden Dollar realistisch gewesen. Meta bezeichnete die Vorwürfe als unbegründet und die finanziellen Forderungen als unangemessen.

Serie juristischer Rückschläge für Meta

Der Vergleich kommt in einer Phase, in der Meta in den USA zuletzt mehrere Niederlagen vor Gericht hinnehmen musste. Im Bundesstaat New Mexico soll der Konzern nach einer Gerichtsentscheidung mehr als eine halbe Milliarde Dollar für Hilfen an Kinder zahlen, die durch soziale Medien Schaden genommen haben.

Zusätzlich wurden dort weitere Beschränkungen für Nutzer unter 18 Jahren angeordnet. Unter anderem sollen Minderjährige bei Facebook und Instagram künftig höchstens 90 Stunden pro Monat verbringen dürfen. Meta kündigte an, gegen diese Entscheidung in Berufung zu gehen.

Bereits im März hatten Meta und die Google-Videoplattform YouTube zudem einen potenziell richtungsweisenden Prozess zum Suchtpotenzial von Online-Diensten verloren. Geschworene in Los Angeles kamen zu dem Schluss, dass die Plattformen fahrlässig gehandelt und Nutzer nicht ausreichend über Risiken informiert hätten. Auch gegen dieses Urteil wollen die Unternehmen vorgehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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