Weidmann: Bund soll vorerst an Commerzbank beteiligt bleiben
Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann spricht sich dafür aus, dass der Bund seine Beteiligung an der Bank derzeit nicht aufgibt. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte er, der staatliche Einstieg sei zwar ursprünglich Teil einer Rettungsaktion gewesen und auf lange Sicht solle sich der Bund wieder zurückziehen. In der aktuellen Situation sei es aber sinnvoll, wenn der Staat weiter Anteilseigner bleibe, um die Interessen des Finanzstandorts Deutschland im Übernahmekampf mit der italienischen Unicredit zu wahren.
Der Bund ist seit der Finanzkrise bei der Commerzbank engagiert. Als vor zwei Jahren ein Teil der Anteile verkauft wurde, nutzte Unicredit dies für den Einstieg. Der Staat hält aktuell noch rund zwölf Prozent und ist damit nach Unicredit der zweitgrößte Aktionär. Die italienische Großbank, die im Mai ein Übernahmeangebot vorgelegt hatte, hat sich inzwischen Zugriff auf fast die Hälfte der Commerzbank-Anteile gesichert. Einen Verkauf der verbliebenen Staatsanteile hat die Bundesregierung bislang abgelehnt. Zuletzt war jedoch darüber spekuliert worden, dass Berlin zu einem Ausstieg bereit sein könnte, falls sich beide Banken auf einen gemeinsamen Kurs verständigen.
Weidmann sieht Klärungsbedarf beim Übernahmerecht
Zugleich regte Weidmann an, die deutschen Regeln für Unternehmensübernahmen zu überprüfen. Der Einstieg von Unicredit bei der Commerzbank werfe aus seiner Sicht erhebliche Fragen auf. Von rund 73 Prozent der Aktien, die theoretisch hätten angedient werden können, seien nur knapp 18 Prozent tatsächlich angeboten worden. Institutionelle und private Investoren hätten daran weniger als drei Prozent Anteil gehabt, während der Großteil auf Banken entfalle, die mit Unicredit verbunden seien.
Nach Ansicht Weidmanns konnte Unicredit so trotz eines finanziell wenig attraktiven Angebots eine Mehrheitsposition erreichen, ohne dafür eine angemessene Kontrollprämie zahlen zu müssen. Das sei ein Punkt, den sich der Gesetzgeber genauer ansehen sollte.
Warnung vor deutlichen Einschnitten
Außerdem warnte Weidmann vor möglichen harten Folgen für die Commerzbank im Fall einer Umsetzung der Unicredit-Pläne. Wenn innerhalb von zwölf Monaten Einsparungen von 1,3 Milliarden Euro erreicht werden sollten, wären nach seiner Einschätzung auch in Deutschland erhebliche Kürzungen unvermeidbar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber