Lando Norris hat den letzten Grand Prix der Niederlande gewonnen und sich nach dem frühen Unfall von Max Verstappen in die Siegerliste von Zandvoort eingetragen. Der McLaren-Pilot verwandelte wie schon vor der Sommerpause in Budapest seine Pole Position in einen Sieg und sagte danach: „Ich bin überglücklich. Das war sicherlich einer meiner schöneren Siege.“ Mit Blick auf die zweite Saisonhälfte stellte der Brite klar: „Der Kampf ist in vollem Gange.“
Kimi Antonelli belegte auf dem Dünenkurs den zweiten Platz und baute seine Führung in der Weltmeisterschaft weiter aus. Der 19 Jahre alte Mercedes-Fahrer sprach von einem intensiven Rennen und räumte ein, gegen Norris am Ende keine Chance gehabt zu haben: „Ich bin viel gerutscht.“ In der Gesamtwertung liegt Antonelli nun bei 242 Punkten. Hinter ihm wurde sein Mercedes-Teamkollege George Russell Dritter, Lewis Hamilton kam im Ferrari als Vierter ins Ziel. Nico Hülkenberg sammelte im Audi als Achter weitere Punkte.
Neue Konstellation im WM-Klassement
Durch das Ergebnis hat sich auch die Reihenfolge in der Gesamtwertung verändert. Russell ist nun neuer Zweiter, auch wenn er wie Hamilton 59 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Antonelli hat. Norris liegt auf Rang fünf und hat 83 Zähler weniger als der Italiener.
Frühes Aus für Verstappen
Für Max Verstappen war das Heimrennen schon nach wenigen Minuten beendet. Der viermalige Weltmeister, vor dem Start noch von den Fans gefeiert, verlor in der ersten Runde in der Steilkurve vor Start und Ziel die Kontrolle über seinen Red Bull und krachte in die Streckenbegrenzung. Trotz des schweren Schadens blieb der Niederländer unverletzt.
Nach dem Rennen erklärte Verstappen, er sei womöglich etwas zu früh aufs Gas gegangen. Er habe eine trockene Linie gesehen, vielleicht aber zu früh beschleunigt. Zudem habe er sich die ganze Woche über nicht richtig gut gefühlt.
Abschied von Zandvoort
Das Rennen in Zandvoort war zugleich ein emotionaler Abschied. Die Strecke war 2021 in den Formel-1-Kalender zurückgekehrt, nun endet das Kapitel nach sechs Austragungen. Die Organisatoren in den Niederlanden wollen das Event aus finanziellen Gründen nicht fortführen. Rennleiter Jan Lammers hatte im Vorfeld in einem offenen Brief an die Fans von einem seltsamen Gefühl gesprochen.
Auch König Willem-Alexander und Königin Máxima ließen sich das letzte Formel-1-Wochenende in Zandvoort nicht entgehen. Verstappen hatte hier 2021, 2022 und 2023 gewonnen, in den beiden Jahren danach war er jeweils Zweiter geworden. Diesmal war seine Ausgangslage schon vor dem Start schwierig: Im Sprint am Samstag wurde er nur Sechster, im Qualifying reichte es anschließend zu Rang sieben.
Schwierige Bedingungen und dramatischer Start
Kurz vor dem Start setzte Regen ein. Dazu kamen böiger Wind und nur 16 Grad Außentemperatur. Die Rennleitung entschied sich deshalb zunächst für eine Einführungsrunde hinter dem Safety Car, weil die Strecke trotz aufgehörter Niederschläge an mehreren Stellen noch feucht war.
Dann folgte der Schockmoment des Nachmittags: Verstappen verlor bereits in der ersten Runde in der Steilkurve die Kontrolle über seinen Wagen, schlug drei Tage nach seiner Vertragsverlängerung bis Ende 2030 in die Mauer ein und rutschte mit dem schwer beschädigten Red Bull zurück auf die Strecke.
Unterbrechung und neuer Start
Hinter Verstappen drehte sich auch noch Gabriel Bortoleto im Audi. Teamkollege Nico Hülkenberg verhinderte mit einer schnellen Reaktion gerade noch einen weiteren schweren Crash. Das Rennen wurde daraufhin unterbrochen.
Nach knapp einer halben Stunde sollte es weitergehen, doch ein Defekt am Haas von Oliver Bearman sorgte für die nächste Verzögerung: Der Motor versagte.
Beim folgenden stehenden Neustart übernahm Antonelli sofort die Initiative und schnappte sich die Führung vor Norris. Der Mercedes-Pilot hatte vor der Sommerpause bereits sechs von elf Rennen gewonnen. Beim nächsten Grand Prix in Italien muss er wegen neuer Komponenten am Auto allerdings eine Startplatzstrafe hinnehmen. Entscheidend absetzen konnte er sich von Norris jedoch nicht.
Reifenpoker und Hamiltons Frust
Norris und Antonelli waren zunächst auf den harten Reifen unterwegs. Mercedes wollte dennoch kein Risiko eingehen und holte erst Antonelli, dann Russell erneut an die Box. Dahinter wurde es bei Ferrari hektisch: Charles Leclerc war langsamer als Hamilton, lag aber noch vor ihm. Hamilton forderte energisch freie Fahrt und reagierte zunehmend genervt. Als Leclerc erst nach einer weiteren Runde zum Reifenwechsel hereinkam, kommentierte Hamilton das bissig mit den Worten, so werde nur Zeit vergeudet. Später fragte er über Funk sarkastisch: „Bin ich euer Versuchskaninchen?“
Norris schlägt zurück
Auch Norris kam zu einem weiteren Reifenwechsel herein – und genau dieser Stopp erwies sich als entscheidend. Der McLaren-Pilot machte den Rückstand in kurzer Zeit wett und ging mit einem spektakulären Manöver an Antonelli vorbei. Hamilton musste später ebenfalls noch an die Box und zudem Antonelli ziehen lassen.
Eine späte virtuelle Safety-Car-Phase änderte am Ausgang nichts mehr. So blieb es beim Sieg von Norris vor Antonelli und Russell – während Verstappens Heimrennen schon nach der ersten Runde in Trümmern endete.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber