VW-Konzernchef Oliver Blume bereitet die Belegschaft auf tiefgreifende Einschnitte vor und ruft angesichts der weltweiten Krise in der Autoindustrie zu Geschlossenheit auf. Der „Bild am Sonntag“ sagte er: „Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen.“ Zugleich verwies Blume auf den nach eigenen Worten größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns.
In der kommenden Woche beginnt bei Volkswagen eine Reihe außerordentlicher Betriebsversammlungen. Die Arbeitnehmerseite hatte bereits vor den Werksferien detaillierte Informationen zu den vorgesehenen Sparmaßnahmen verlangt.
„Die nächsten Jahre sind entscheidend“
Blume betonte, dass sich in den kommenden Jahren entscheide, welche Unternehmen im Wettbewerb bestehen und welche an die Spitze fahren. Den massiven Kostendruck führt er auf einen grundlegenden Wandel im Markt und auf globale Verwerfungen zurück. Die weltweite Autoindustrie stecke in einer „Mega-Krise“, sagte Blume, und auch Volkswagen befinde sich mitten in dieser Lage.
Als Belastungsfaktoren nannte er Geopolitik, Handelsbarrieren, strengere Regulierung, schwache Märkte und harten Wettbewerb. Zugleich appellierte er an den Kampfgeist der Beschäftigten. Der Wandel müsse entschlossen mitgetragen werden – für die Menschen im Unternehmen, für den Konzern und für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.
Bereits im Frühjahr hatte Blume angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ für VW zu arbeiten und den Sparkurs deutlich zu verschärfen. Seitdem wächst die Sorge um vier Werke sowie um bis zu 50.000 zusätzliche Stellen.
Erst vor Kurzem hatte Blume in einem Interview im VW-Intranet die Lage bei Volkswagen als „mehr als kritisch“ bezeichnet und von dringendem Handlungsbedarf gesprochen. Zwar sei eine Rendite von 3,8 Prozent solide, sie reiche aber bei Weitem nicht aus, um dauerhaft genügend Mittel für neue Technologien, Produkte und die Standorte zu erwirtschaften.
Vorstand stellt sich in neun Versammlungen den Beschäftigten
Volkswagen geht nun in eine besonders heikle Phase. Bis Ende August sind neun Betriebsversammlungen geplant, bei denen der Vorstand den Beschäftigten Rede und Antwort stehen soll. Vorgesehen sind Termine unter anderem in Wolfsburg, Emden, Zwickau, Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal.
Den Auftakt macht Wolfsburg am 25. August. Einen Tag später folgen Emden und Zwickau. Die letzte der angekündigten Versammlungen ist für den 31. August in Hannover vorgesehen.
Mit Blick auf die als gefährdet geltenden Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm hatte Blume zuletzt erklärt, dass es dort derzeit keine wettbewerbsfähige Auslastung für die 2030er-Jahre gebe. Eine konkrete Entscheidung über Werksschließungen sei jedoch bislang nicht getroffen worden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber