Wirtschaft

Orlopp warnt Unicredit: «Jetzt bloß kein Fehler»

Orcel hat die Commerzbank kalt erwischt: Nach langem Widerstand sucht Frankfurt jetzt den Schulterschluss mit Unicredit.

02.09.2026, 12:23 Uhr

Die Commerzbank sucht angesichts der drohenden Übernahme den Schulterschluss mit ihrer Großaktionärin Unicredit. Beim „Handelsblatt-Bankengipfel“ in Frankfurt sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp, nun komme es darauf an, für die Zukunft die richtige Linie zu finden und einen Verlust an Unternehmenswert zu vermeiden. Zwischen beiden Seiten gebe es Gespräche, was im Interesse aller liege. Man dürfe diesen Prozess jetzt nicht scheitern lassen.

Orlopp räumte ein, dass Unicredit faktisch bereits die Rolle eines kontrollierenden Aktionärs einnehme. Die italienische Bank hat sich Zugriff auf nahezu die Hälfte der Commerzbank-Anteile gesichert. Deshalb müsse nun gemeinsam und konstruktiv an einer Strategie gearbeitet werden, die für beide Institute möglichst viel Wert schaffe. Der Austausch mit Unicredit laufe, betonte Orlopp.

Streit über den künftigen Kurs

Unicredit-Chef Andrea Orcel sieht bei der Commerzbank erhebliche Einsparmöglichkeiten in Milliardenhöhe und hält dabei auch den Abbau von mehreren Tausend Stellen für denkbar. Außerdem möchte er das internationale Netzwerk der Bank verkleinern. Genau diesen Punkt lehnt das Management der Commerzbank jedoch ab. Orcel hatte bereits angedeutet, dass auch personelle Konsequenzen im Vorstand möglich seien, falls seine Pläne nicht umgesetzt würden.

Auf Fragen zu ihrer eigenen Zukunft verwies Orlopp auf ihren noch bis 2029 laufenden Vertrag. Entscheidend sei, dass Einigkeit über die Strategie und den weiteren Weg bestehe.

Auch der Bund hat noch Einfluss

Mit einem verbliebenen Anteil von gut zwölf Prozent bleibt auch der Bund ein wichtiger Faktor. Erst der staatliche Aktienverkauf im September 2024 hatte Unicredit den Einstieg in dieser Größenordnung ermöglicht. Die staatliche Beteiligung geht auf die Finanzkrise 2008/2009 zurück, als die Commerzbank mit Milliarden aus Steuergeldern gestützt wurde, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat Orcel für den 14. September zu Gesprächen nach Berlin eingeladen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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